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FondUrkunden (827-1854)
  1. Stiftsgeschichte
  2. Die ursprünglichen Gründer des Klosters waren die Brüder Ulrich II. und Cholo II. aus dem Geschlecht der Wilhering(-Wachsenberg), die in der Wilheringer Gegend begütert waren. Die Besiedelung mit Mönchen erfolgte vom Kloster Rein in der Steiermark aus. Am 30. September 1146 zog Abt Gebhard mit dem neuen Konvent in Wilhering ein. Bereits 1151 waren beide Gründer tot und mit Cholos Enkelin Hedwig starb die Familie vermutlich aus. Allerdings war Hedwig mit Wernhart von (Julbach-)Schaunberg eine Ehe eingegangen, die kinderlos blieb. Kurz vor seinem Tod übergab Cholo das Kloster, das mit einer eher bescheidenen Anfangsdotation ausgestattet war, in den Schutz des Bamberger Bischofs Eberhard II., wodurch die Eigenkirchenrechte an Wilhering an das Bistum Bamberg übergingen. Mit Hedwigs Tod 1264 traten die Schaunberger in die Rechte und Pflichten der Klostergründer ein, die nach 1170 erhebliche Schutzfunktionen ausübten.

    Nachdem die Klostergemeinschaft etwa 40 Jahre bestanden hatte, zeichnete sich ihr Ende ab. Daher entschloß sich das Generalkapitel in Citeaux, das Kloster 1185 nochmals mit einer kompletten Gründungsmannschaft von 12 Mönchen und einem Abt aus dem Kloster Ebrach zu besiedeln.

    1187 nahm Herzog Leopold V. das Kloster in seinen besonderen Schutz und verlieh ihm 1188 die Mautfreiheit in Österreich, welche 1202 von Herzog Leopold VI. auch auf die Steiermark ausgedehnt wurde.

    Abt Gebhard II. (1155-1180) bemühte sich, den Besitz des Klosters zu vermehren, um den Mönchen den Lebensunterhalt zu sichern; ab ca. 1200 läßt sich ein kontinuierlicher wirtschaftlicher Aufstieg des Klosters feststellen. Unter Abt Konrad (1215-1233) war der Konvent in der Lage, zahlreiche Käufe zu tätigen.

    Bereits im Mittelalter kam es in der Folge zu mehreren Tochtergründungen von Wilhering aus; 1293 wurde Engelszell und 1336 Säusenstein gegründet.

    In der Reformationszeit stand das Kloster wiederum vor der Auflösung - 1585 war es verlassen und verschuldet. Vom Kaiser wurde der italienische Benediktinermönch Alexander a Lacu als Administrator eingesetzt. Mit ihm besserte sich die Lage im Zuge der Gegenreformation wieder. Die innere Stabilisierung ermöglichte auch eine wirtschaftliche; die Klostergebäude wurden durch barocke Neubauten ersetzt. Nach einem Brand 1733 entstand die jetzige Klosteranlage im Rokokostil.

    Die drohende Aufhebung in josephinischer Zeit konnte abgewendet werden und in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war Wilhering in der Lage, seinen Grundbesitz bedeutend zu erweitern. Ab 1895 wurde das Stiftsgymnasium geführt.

    1940 wurde das Kloster enteignet und mehrere Patres wurden inhaftiert. 1941, nach der Beschlagnahme des Stiftes, mussten alle Konventualen das Kloster verlassen. Im Mai 1945 wurde das Kloster, das unter anderem auch als Lazarett diente, von amerikanischen Truppen befreit, wodurch die Rückkehr der Mönche ermöglicht wurde.

    Derzeit werden von den 30 Konventualen unter der Leitung von Abt Gottfried Hemmelmayr folgende Pfarren betreut: Bad Leonfelden, Eidenberg, Gramastetten, Oberneukirchen, Ottensheim, Puchenau, Traberg, Vorderweißenbach, Wilhering, Zwettl an der Rodl, St. Johann bei Großheinrichschlag, Obermixnitz, Theras und Weinzierl am Wald.

    Literatur:

    Alois ZAUNER, Die Anfänge der Zisterze Wilhering, in: MOÖLA 13 (1981) 107-220.

    Gebhard RATH, Das Wilheringer Stiftbuch von 1244-1254/57, in: MÖSTA 3 (1950) 228-282.

    Friedrich KEPLINGER, Beiträge zur Geschichte der Wissenschaftspflege im Zisterzienserstift Wilhering (= Dissertationen der Universität Wien 36, 1969).

    Wilhering (seit 1146/85), in: Orden, Säkularinstitute und Geistliche Gemeinschaften in der Diözese Linz. Eine historisch-topographische Dokumentation, hrsg. von Monika WÜRTHINGER und Josef HÖRMANDINGER (Linz 2005) 158-160.

    Rainer SCHRAML, Stift Wilhering als mittelalterliche Begräbnisstätte, in: Stiftsgymnasium Wilhering, 63. Jahresbericht, Schuljahr 72/73 (Wilhering 1973) 3-26.

  3. Bestandsgeschichte
  4. Zu den ältesten Beständen der Zisterze Wilhering zählt das sogenannte Stiftungsbuch, das zwischen 1244 und 1254-57 von einem unbekannten Mönch angelegt wurde und in seiner Darstellung bis 1233 reicht. Es zerfällt in einen geschichtlichen und einen wirtschaftsgeschichtlichen Teil. Es berichtet über die Gründer und die Gründung des Stiftes. Das Stiftungsbuch schöpft aus chronikalischen, annalistischen und urkundlichen Aufzeichnungen und verarbeitet auch nachweislich gefälschte Urkunden, die um 1236 entstanden. Diese hatten den Zweck, die Vogtei des Bischofs von Bamberg bzw. des Kaisers anzustreben.

    Aus dem 14. Jahrhundert sind Fragmente eines Nekrologs erhalten, das unter Abt Hermann 1343/44 angelegt wurde. Etwa zeitgleich entstanden zwei Urbare und ein Kopialbuch aller im Kloster vorfindlichen Originalurkunden, das von Prior Heinrich zusammengestellt wurde. Ein zweites Stiftungsbuch wurde zu Beginn des 16. Jahrhunderts angefertigt.

    Aus dem Mittelalter sind insgesamt 483 Urkunden (bis 1500) erhalten; 1989 legte P. Rainer Schraml einen maschinschriftlichen Katalog der Wilheringer Urkunden an.

  5. Benützte Editionen/Regestenwerke
  6. Oberösterreichisches Urkundenbuch 2 - 11

    OÖLA, Archivverzeichnisse 40c, Katalog der Urkunden des Wilheringer Stiftsarchivs, von P. Rainer Schraml (Wilhering 1989)

    Stiftsarchiv Wilhering, Regestenbuch

  7. Editionskritik
  8. OÖUB

    In den Statuten des am 19.11.1833 gegründeten oberösterreichischen Musealvereines, der die Sammlung, Verzeichnung, Beschreibung und Erklärung der Denkmäler der oberösterreichischen Geschichte zur Aufgabe hatte, findet sich unter Punkt 2 folgende Aufgabe: "[...] eine Sammlung von Urkunden [anzulegen], welche die Geschichte dieser Provinz im allgemeinen oder einzelner Ortschaften oder denkwürdiger Personen insbesonders betreffen, vorzüglich aber jener, welche geeignet sind, das Andenken von Stiftern und Wohlthätern zu erhalten oder das Leben und die Verfassung längstverschwundener Jahrhunderte anschaulich zu machen". Um diesem Anspruch eines territorial ausgerichteten Urkundenbuchs gerecht zu werden, wurde 1836 eine eigene Sektion des historischen Fachs zur Sammlung und Bearbeitung urkundlicher Geschichtsquellen des Landes ob der Enns eingerichtet, deren erste Aufgabe die Anlage des so genannten "Diplomatariums", einer Sammlung von Abschriften aller das Land ob der Enns betreffenden Urkunden bis 1519, war. Dies sollte bereits hinsichtlich eines zukünftigen "Codex diplomaticus Austriae super Onasum" geschehen. Der dafür zuständige Referent war ab 1837 Jodok Stülz, Chorherr in St. Florian, seine unmittelbaren Mitarbeiter Georg Weishäupl, Ferdinand Wirmsberger und Mansuet Aust. Von 1837 bis 1862 wurde das Diplomatarium erstellt, das die Originale bis 1500 erfasst, die kopiale Überlieferung aber nicht systematisch berücksichtigt.

    Ab 1852 wurde das "Urkundenbuch des Landes ob der Enns" herausgegeben, wobei der erste Band die "Codices traditionum" enthält. Herausgeber war Andreas von Meiller, der für die endgültige Gestaltung verantwortlich war.

    Im Vorwort zum ersten Band des Urkundenbuches werden die Editionsrichtlinien folgendermassen definiert: "Bei dieser Sammlung wurde der Grundsatz festgehalten, dass es sich zuerst und vorzüglich darum handle, einen buchstäblich getreuen Text der Urkunden wiederzugeben. Zufolge desselben wurde jedes Original, welches aufgefunden werden konnte, mit sorgfältiger Genauigkeit abgeschrieben, und dann erst der Sammlung einverleibt, nachdem [...] die Abschrift mit der Urschrift war verglichen worden. [...] Wo kein Original mehr vorhanden war, musste man zu Copialbüchern oder anderen Abschriften seine Zuflucht nehmen. Nur von der genauen Copirung der urkundlichen Unterscheidungszeichen, und der Bezeichnung der Anfänge der Zeilen glaubte man Umgang nehmen zu müssen, da der daraus entfallende Gewinn in der That doch ziemlich gering anzuschlagen ist. Auch falsche oder verdächtige Urkunden, deren Anzahl indessen jedenfalls klein ist, glaubte man nicht ausschliessen zu dürfen. Oft ist nur die Form unecht, während der Inhalt Wahres bezeugt."

    Die Urkunden sind in chronologischer Reihenfolge in Volltext aufgenommen, Datum und Ort sind aufgelöst und sie verfügen über ein kurzes Kopfregest. Außerdem wird die wichtigste Literatur genannt.

    1869 wurde Stülz von Pius Schmieder als Referent abgelöst, dem 1875 Johann Nepomuk Faigl und 1899 Viktor Freiherr von Handel-Mazzetti nachfolgten. 1912 wurde das Unternehmen eingestellt und das gesamte Material des Diplomatars dem Oberösterreichischen Landesarchiv übergeben, das das Urkundenbuch ab 1929 fortführte.

    Im Vorwort von Erich Trinks zum zehnten Band des Urkundenbuchs (1938) geht dieser auf die Problematik des Diplomatars ein, dessen Abschriften teilweise nahezu hundert Jahre alt sind und in der Qualität naturgemäß unterschiedlich. "Eine Neuvergleichung der deutschsprachigen Urkunden, die in etwa 50 Archiven verstreut sind, wäre wegen des Aufwandes an Zeit und Kosten nicht ausführbar gewesen, hätte sich aber auch nicht gelohnt, [...] auch ist die genaue Berücksichtigung der Orthographie, besonders der Interpunktionen und phonetischen Zeichen, so wichtig sie für die sprachwissenschaftliche Forschung wäre, bei Urkundenveröffentlichungen für den allgemeinen Gebrauch nicht angebracht, weil die Fremdartigkeit des Schriftbildes [...] auf den Benützer überaus störend wirkt [...]." Nicht mehr alle Urkunden wurden volltextlich aufgenommen; bei denjenigen, die von den Herausgebern als stark formelhaft eingeschätzt wurden, "wurde [...] unter Hinweglassung aller Formeln der gegenständliche Inhalt der Urkunde mit deren eigenen Worten herausgelöst und in kurzer Form die Verbindung zwischen den einzelnen Teilen hergestellt [...]." Das führt dazu, dass ein Teil der Urkunden in einer Mischform zwischen Edition und Regest dargeboten wird, die sicher nicht allen Fragestellungen gerecht wird.

    1956 lagen mit dem 11. Band die Urkunden bis 1400 vor. Erst 2005 wurde vom Oberösterreichischen Landesarchiv gemeinsam mit der "Gesellschaft für Landeskunde" (früher Oberösterreichischer Musealverein) die Initiative ergriffen, um einerseits dieses Großprojekt über das Jahr 1400 hinaus weiter in die Neuzeit fortzusetzen und andererseits die bereits vorliegenden Bände kritisch zu überarbeiten und zu ergänzen. Die wesentlichen Ziele sind einerseits die Aufnahme aller urkundlichen Quellen im Bereich des heutigen Bundeslandes Oberösterreich bis in die Neuzeit in eine Datenbank und die Erstellung und Veröffentlichung zeitgemäßer Regesten und Transkriptionen, andererseits die Bereitstellung digitaler Abbildungen im Internet. Diese Zielsetzungen decken sich teilweise mit jenen des Projektes Monasterium.Net, weshalb eine intensive und für beide Seiten ertragreiche Kooperation vereinbart wurde.

    Literatur:

    Erich TRINKS, Das Urkundenbuch des Landes ob der Enns, in: JbOöMV 85 (= Festschrift zum hundertjährigen Bestand des oberösterreichischen Musealvereines und des Landesmuseums, Linz 1933) 587-636.

    Repertorien:

    Für den größten Teil der Urkunden bis zum Jahr 1399 wurden die Regesten und Transkriptionen der Bände 2-11 des Oberösterreichischen Urkundenbuchs (OÖUB) herangezogen. In den Fällen, in denen die jeweiligen Urkunden nicht anderweitig - durch Editionen oder Regestenwerke - erschlossen waren, wurde auf die Repertorien des Stiftes bzw. des OÖLA zurückgegriffen. Diese archivischen Findbehelfe, die im 19. Jahrhundert handschriftlich bzw. im 20. Jahrhundert angefertigt wurden, dienten der Erschließung und leichteren Zugänglichkeit der Urkunden vor Ort und sind daher eigentlich nicht für eine Publikation vorgesehen. Die kurzen Regesten, die in den Repertorien enthalten sind, folgen dementsprechend auch nicht den allgemeinen Richtlinien, die für heutige Regestenwerke opportun sind. Der Informationsgehalt der Repertorien kann demnach sowohl qualitativ als auch quantitativ sehr unterschiedlich sein und geht im Normalfall über eine oberflächliche inhaltliche Zusammenfassung nicht hinaus - was für den Zweck der Anfertigung völlig ausreichend ist.

    Die Veröffentlichung der Regesten im Rahmen des MOnasteriuM-Projekts dient einer ersten Orientierungshilfe und soll ansonsten nicht erschlossenes Urkundenmaterial zumindest vorläufig und unter Berücksichtigung des Charakters der Repertorien leichter benützbar machen. Längerfristig soll die Bereitstellung der Urkunden im Netz aber zu einer tieferen und heutigen Standards entsprechenden Erschließung ihrer formalen und inhaltlichen Merkmale führen.

Kathrin Kininger