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Charter: Illuminierte Urkunden 1435-11-05_Dijon
Signature: 1435-11-05_Dijon
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1435-11-05, Basel
Das Konzil von Basel an Herzog Philipp den Guten von Burgund: Notifikation des Friedens von Arras (Paix d’Arras) zwischen dem Burgunderherzog und König Charles VII von Frankreich.
Décret du Sacro sancta generalis synodus Basiliensis in spiritu sancto légitimé congregata universalem ecclesiam representans portant ratification du traité de paix conclu à Arras par son intercession, le 22 septembre, entre Charles VII, roi de France, et Philippe le Bon, duc de Bourgogne (nach Archivdatenbank).
Source Regest: FWF Projekt P 26706-G21 "Illuminierte Urkunden"
Bearbeitungsstand: MITTEL
 

Original
Current repository
Dijon, Archives départementales de la Côte d’or, fonds de la chambre des comptes, B 11616

  • SealBleibulle
  • Material: Pergament
  • Dimensions: 20 Blätter
    • Graphics: 
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      • Materielle Beschreibung: 
        Titelseite eines besiegelten Libells von 16 Seiten mit Zierschrift und historisierter Initiale.
      • Die Initiale S(acrosancti) als Stoffband (vgl. Kollane des Ordens vom Goldenen Vliess), die sich links des Schriftspiegels fortsetzt und mit einem Hammel endet (bélier de l’ordre de la Toison d’or). Im oberen Binnenfeld der Feuerstahl (fusil), im unteren der Feuerstein, jeweils von Feuerstrahlen umgeben. Technisch handelt es sich ium Federzeichnung, die mit tintenfarbiger und gelblicher Farbe koloriert wird.
      • Die Schrift in höchstem Formalisierungsgrad, die erste Zeile als ornametüberladene Zierschrift. Weitere Initialen (vor allem S[ynodus] und B[asiliensis]) in Zeile zwei sind als Flechtwerkcadellen (Strapwork-Initials; cadellures) gestaltet. Unter dem Schriftspiegel feines, kunstvoll geschlungenes Fadenwerk, ober der ersten Zeile bilden diese, die Initiale und Ornamentformen über der ersten Zeile (Spirale rechts, Fadenwerk und Fruchtkolben) eine optische Einheit.
      • Stil und Einordnung: 
        Das Dokument ist in vielerlei Hinsicht epochemachend. Zu nennen ist die Form als Libell (1), die Darstellung der Ordenscollane des Ordens vom Goldenen Vliess (2) und die Neuentwicklung der Initialform „Flechtwerklombarde“ (3).
      • (1) Besiegeltes Libelle (statt als Einzelblatt) sind als äussere Form von Urkunden erst ab dem 15. Jahrhundert (vor allem aber in der Neuzeit) häufiger. Als ein früher Vertreter des Libells ist das Reichsgrundgesetz Kaiser Karls IV. (Goldene Bulle von 1356) zu nennen, die in mehreren Ausfertigungen überliefert ist. Im Bereich der illuminierten Urkunden scheint dieses Stück das älteste uns bekannte zu sein. Das Konzil von Basel hat, zum Beispiel 1439 April 24 auf Bitten des Deutschen Ordens 85 Papsturkunden bestätigt; die erste Zeile der Incipitseite ist in Zierschrift, die Initiale S ist vergrössert und mit floralen Aussparungen, aber es fehlen die historisierten Elemente.
      • Das hier besprochene Libell von 1435 zeichnet sich durch die formale Gestaltung der Incipit-Seite (um einen Begriff aus dem Buchwesen zu verwenden) aus. Die Zierschrift und der Federzeichnungsdekor in einem schwarzen und einem hellbraunen Farbton gezeichnet werden zum Träger des offenbar sehr hohen Repräsentationsanspruchs des Konzils gegenüber dem Herzog von Burgund. Man vergleiche die Unionsbullen, die das Konzil von Florenz, gleichsam die päpstliche Gegenveranstaltung, 1439 an den burgundischen Hof schicken wird (1439 Juni 6 und 1442 Februar 4). Auch hier wurde für Burgund eine deutlich über den Ausstattungsgrad anderer Empfänger liegender Standard gewählt.
      • (2) Die Initiale S wird aus einem offenbar textilen Band gebildet, dessen Vorderseite aus inenandergehakten Feuerstahl-Elementen und Feuersteinen besteht, genau so wie sie, als Goldschmiedearbeit, für die Kollanen in den Statuten (1431 November 22, Lille, Kapitel 3) vorgesehen sind. Der Orden liess den Brügger Goldschmied Jean Peutin 24 Kollanen anfertigen (De Gruben, Chapitres, 1997, S. 118f., Nr. 2a: Les colliers des chevaliers [https://books.google.at/books?id=iMT2zmNKTA8C&pg=PA118]), von denen jedoch keine erhalten blieb. Die älteste bildliche Darstellung der Kollane scheint das Brustbildnis des Baudouin de Lannoy, Gründungsmitglied des Ordens (1430), das sich in der Gemäldegallerie in Berlin erhalten hat, zu sein. Das Eichenbrett des Bildes und jenes des 1434 datierten Arnolfini-Portraits (siehe unten) stammen von demselben Baum und erlauben so eine doch relativ präzise Datierung. Verglichen mit dieses Darstellung erweist sich die illuminierte Urkunde als kreatives Derivat der „echten“ Kollane. Neben der textilen Struktur, der Tatsache, dass die Rückseite des Bandes anders gestaltet ist und der nicht zu eine geschlossenen Form verbundenen Anordnung, fällt vor allem der Hammel auf, der hier von der später standardisierten Form etwas abweicht. Der Körper hängt deutlich weniger durch, ist also nicht bloss auf das Fell reduziert, und die Hörner sind nicht so sehr symmetrisch in die Fläche gekippt. Die bisher in diesem Zusammenhang gänzlich unbeachtet gebliebene Urkunde, deren Inhalt ja auch keinen Zusammenhang mit dem Orden hat, stellt ein zentrales Dokument der frühen Ikonographie des Ordens vom Goldenen Vliess dar und ist jedenfalls die früheste datierte Darstellung.
      • (3) Die Flechtwerkcadellen sind eine topaktuelle Neuentwicklung, die erst in den 1430er (und 1440er) Jahren an verschiedenen Stellen Europas zu beobachten ist. Dieses Dokument steht zusammen mit der Urkunde für die Brüder Schlick (1433, August 8, Rom) aus der Kanzlei Sigismunds, dem Pfalzgrafen-Wappenbrief (Dal Cortivo – Capodilista) von 1435 Juli 19, so wie die hier behandelte Urkunde in Basel ausgestellt, erste Höhepunkte dieser dann sehr weit verbreiteten Zierform dar.
      • Ein ganz früher Paralellfall aus der Tafelmalerei ist das Arnolfini-Doppelportrait des Jan van Eyck (London, National Gallery), bei dem die Künstler-„Signatur“ und die Datierung solche Schriftformen aufweist (vgl. das oben erwähnte gleichzeitige Portrait des Baudouin de Lannoy). Das Zusammenführen zweier bisher getrennter formaler Traditionen, der Cadelle und der Flechtwerk-Initiale haben eine neue Zierform gebildet, die vor allem (aber nicht nur) im pragmatischen Schrifttum und bei Urkunden Anwendung fand.
      • Francesca Manzari schreibt die Ausstattung Barthélemy Poignare zu. Dieser ist als Scriptor der päpstlichen Kanzlei und des Konzils von Basel belegt. Noch bedeutender sind freilich seine Werke in Bereich des Buchwesens.
      • Der vielseitige Künstler ist auch Sänger und Komponist belegt.
      • Martin Roland, Gabriele Bartz
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      Bibliography
      Places
      • Basel
        • Type: Ausstellungsort
      • Frankreich
        • Type: Region
      • HRR
        • Type: Region
      • Schweiz (Kurie)
        • Type: Region
       
      Keywords
      • Illuminated Charters: Niveaus:
        • N2: Penwork(Fleuronnée)
        • N1: historiated
        • N2: Display script (with decorative character)
        • N2: Initials
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