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FondUrkunden Gleink (1088-1762)

1. Stiftsgeschichte Die Auffassung der älteren historischen Darstellungen über die Anfänge des Benediktinerstiftes Gleink war lange Zeit durch eine große Zahl an im 13. Jahrhundert gefälschten Urkunden geprägt. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts konnte Mitis mit einer umfassenden diplomatischen Untersuchung, die seit den Sechzigerjahren durch die Arbeiten von Alois Zauner ergänzt wird, mehr Licht ins Dunkel der Überlieferung bringen. Die folgenden Ausführungen orientieren sich folglich an den Ergebnissen Zauners. Über den Gründungsvorgang des Klosters ist keine Urkunde erhalten und die älteste echte Urkunde von Gleink stammt aus dem Jahr 1151. In der "relatio de piis operibus Ottonis episcopi Bambergensis", die um 1140 enstanden ist, wird die Klostergründung, die wohl um 1123 stattfand, jedoch kurz geschildert. Markgraf Leopold von Steier (1122-1129) übergab die Abtei durch einen Beauftragten namens Rudiger an den Bamberger Bischof Otto I., da die eigentlichen Gründer, die steirischen Ministerialen Arnhalm und Bruno von Gleink(-Volkenstorf) zu dieser Übertragung nicht befugt waren. Die übergebenen Güter vermehrten das Bistumsgut und die Bamberger Bischöfe konnten bis in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts ihre Eigentumsrechte am Kloster behaupten. Bedeutendere Transaktionen waren bis zu dieser Zeit an die Zustimmung des Bischofs gebunden. An der Klostergründung waren somit drei Parteien beteiligt, nämlich die Ministerialen Arnhalm und Bruno, die späteren (Unter)Vögte des Klosters, Markgraf Leopold von Steier, der ein enges Verhältnis zum Kloster pflegte und Bischof Otto I. von Bamberg, der das Dotationsgut des Klosters vermehrte. Der erste Abt Ulrich und wohl ebenso die ersten Mönche kamen aus dem naheliegenden Kloster Garsten, das dem Kloster Gleink auch das Gedankengut der cluniazensischen Reform vermittelte. Mitte des 13. Jahrhunderts, unter der Leitung von Abt Pilgrim (1220-1249), dürfte der Konvent an die 14 Mönche umfasst haben. In diese Zeit fällt auch ein Tauschgeschäft zwischen dem Babenberger Leopold VI. und dem Kloster Gleink (1224), welches das Kloster in den Besitz von herzoglichem Gut brachte, das der Schutzvogtei des Herzogs unterstand. Somit erreichte das Kloster größere Unabhängigkeit. Die Fälschungen, die im 13. Jahrhundert entstanden sind, hatten den Zweck, den Einfluß der Vögte zurückzudrängen, dem Kloster größere Unabhängigkeit unter dem Schutz des Landesfürsten zu gewähren sowie den eigenen Besitz zu sichern und auszubauen. Während der Herrschaft Přemysl Otakars ermordeten Angehörige der Familie der Volkenstorfer dessen Landschreiber, wodurch diese ihre Vogteigewalt über Gleink verloren und das Kloster in der Folge unter die alleinige Schutzvogtei des Landesfürsten kam und die Exemtion vom Landgericht erhielt. Dafür musste innerhalb des Klosters das neue Amt eines Hofrichters, der immer ein Laie war, geschaffen werden. Die intensive Fälschungstätigkeit im 13. Jahrhundert ist auch ein Spiegel für den Bildungsstand und die Existenz eines Skriptoriums im Kloster Gleink. Die Bibliothek des Klosters ist aber erst 1599 zahlenmäßig erfasst worden; zu diesem Zeitpunkt waren 150 Handschriften und 110 Drucke vorhanden. Ob Gleink von der Melker Reform in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts erfasst wurde, geht aus dem vorhandenen Quellenmaterial nicht hervor. Nach bescheidener Bautätigkeit im 14. Jahrhundert - eine Urkunde vom 3. September 1349 bezeichnet das Kloster als exile et minutissimum inter omnia monasteria Pataviensis dyocesis - wurde es in den Auseinandersetzungen zwischen den habsburgischen Herzögen Ernst und Leopold 1406 mehrmals geschädigt. Nach einem Brand 1424 dauerten die Bauarbeiten bis zur Weihe von Kirche, Kapelle und Friedhof 1436 an. Kriegerische Auseinandersetzungen belasteten das Kloster auch in den folgenden Jahren. So erfährt man aus einer Privilegienbestätigung Friedrichs III. für Gleink, daß das Kloster durch Kriege schwer beeinträchtigt worden sei. Auch die Türkenkriege in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts und die daraus folgenden hohen Türkensteuern führten zur fortschreitenden Verarmung des Klosters. Gleichzeitig wirkte sich überdies der Protestantismus auf das Stift Gleink aus: Die Pfarrseelsorge konnte kaum aufrecht erhalten werden und die Priester, die sich dem Gedankengut der Reformation zugewandt hatten, lebten mit ihren Familien im Kloster. Erst Ende des Jahrhunderts konnte die Gegenreformation greifen und führte zu einer langsamen Stabilisierung des Klosterlebens. Trotz der nach wie vor schlechten wirtschaftlichen Situation konnte ein neues Dormitorium gebaut werden. Da es bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts nicht gelang, das Kloster sowohl personell als auch wirtschaftlich zu sanieren, war die Gefahr einer Auflösung groß. Die in Steyr ansässigen Jesuiten und das Kloster Schlierbach zeigten großes Interesse am Klostergebäude. Trotzdem konnte der Klosterbetrieb weiter geführt werden und es kam ab der Mitte des Jahrhunderts zur Barockisierung des Gebäudes. Erst in josephinischer Zeit wurde das Kloster tatsächlich aufgehoben. Am 21. Mai 1784 wurde der Konvent, der aus 17 Mönchen bestand, aufgelöst. 1791 kam das Klostergebäude als Realdotation an den Bischof von Linz. Von 1832 bis 1977 beherbergte das ehemalige Benediktinerstift ein Salesianerinnenkloster. Literatur: Peter MAIER, Gleink, in: Germania Benedictina Band III/1: Die benediktinischen Mönchs- und Nonnenklöster in Österreich und Südtirol, hrsg. von Ulrich FAUST und Waltraud KRASSNIG (St. Ottilien 2000) 650-688. Franz Xaver PRITZ, Geschichte der ehemaligen Benediktinerklöster Garsten und Gleink im Lande ob der Enns und der dazugehörigen Pfarren (Linz 1841). Alois ZAUNER, Das Benediktinerkloster Gleink im Mittelalter, in: Bericht über den achten österreichischen Historikertag in St. Pölten, veranstaltet vom Verband Österreichischer Geschichtsvereine in der Zeit vom 15. bis 18. September 1964 (= Veröffentlichungen des Verbandes Österreichischer Geschichtsvereine 16, 1965) 106-115. Alois ZAUNER, Die Urkunden des Benediktinerklosters Gleink bis zum Jahre 1300, in: MOÖLA 9 (1968) 22-162. Ignaz ZIBERMAYR, Das Oberösterreichische Landesarchiv in Linz. Im Bilde der Entwicklung des heimatlichen Schriftwesens und der Landesgeschichte (Linz 31950) 231-232. Klaus RUMPLER, Stiftsarchiv Gleink, in: Haus der Geschichte. Die Bestände des Oberösterreichischen Landesarchivs, hrsg. vom Oberösterreichischen Landesarchiv (= MOÖLA Erg.Bd. 10, Linz 1998) 101-102. 2. Bestandsgeschichte Die Archivbestände, die 200 Schachteln Akten, 148 Handschriften und 256 Urkunden umfassen, reichen zeitlich von 1082 bis 1792. 1626 hatte das Stiftsarchiv durch die Bauernkriege große Verluste erlitten, trotzdem sind die Urkunden in ziemlicher Vollständigkeit erhalten. Unter Abt Augustin Kaußler (1648-1658) waren erstmals Inventare und Briefprotokolle erstellt worden. In den Jahren nach der Aufhebung 1785/86 legte Johann Adam Wolfgang Trauner ein Repertorium an. 1850/51 kamen die Garstener Archivalien nach Gleink, wo die beiden Archivbestände miteinander vermengt wurden. Unter dem ersten Linzer Diözesanarchivar Konrad Schiffmann (1902-1910) wurden die Archivalien nach Linz überstellt; 1913 wurden sie wegen Raummangels unter Eigentumsvorbehalt an das Oberösterreichische Landesarchiv übergeben. 3. Benützte Editionen/Regestenwerke Oberösterreichisches Urkundenbuch 2 - 11 OÖLA, Archivverzeichnisse F 4, Stiftsarchiv Gleink 4. Editionskritik OÖUB In den Statuten des am 19.11.1833 gegründeten oberösterreichischen Musealvereines, der die Sammlung, Verzeichnung, Beschreibung und Erklärung der Denkmäler der oberösterreichischen Geschichte zur Aufgabe hatte, findet sich unter Punkt 2 folgende Aufgabe: "[...] eine Sammlung von Urkunden [anzulegen], welche die Geschichte dieser Provinz im allgemeinen oder einzelner Ortschaften oder denkwürdiger Personen insbesonders betreffen, vorzüglich aber jener, welche geeignet sind, das Andenken von Stiftern und Wohlthätern zu erhalten oder das Leben und die Verfassung längstverschwundener Jahrhunderte anschaulich zu machen". Um diesem Anspruch eines territorial ausgerichteten Urkundenbuchs gerecht zu werden, wurde 1836 eine eigene Sektion des historischen Fachs zur Sammlung und Bearbeitung urkundlicher Geschichtsquellen des Landes ob der Enns eingerichtet, deren erste Aufgabe die Anlage des so genannten "Diplomatariums", einer Sammlung von Abschriften aller das Land ob der Enns betreffenden Urkunden bis 1519, war. Dies sollte bereits hinsichtlich eines zukünftigen "Codex diplomaticus Austriae super Onasum" geschehen. Der dafür zuständige Referent war ab 1837 Jodok Stülz, Chorherr in St. Florian, seine unmittelbaren Mitarbeiter Georg Weishäupl, Ferdinand Wirmsberger und Mansuet Aust. Von 1837 bis 1862 wurde das Diplomatarium erstellt, das die Originale bis 1500 erfasst, die kopiale Überlieferung aber nicht systematisch berücksichtigt. Ab 1852 wurde das "Urkundenbuch des Landes ob der Enns" herausgegeben, wobei der erste Band die "Codices traditionum" enthält. Herausgeber war Andreas von Meiller, der für die endgültige Gestaltung verantwortlich war. Im Vorwort zum ersten Band des Urkundenbuches werden die Editionsrichtlinien folgendermassen definiert: "Bei dieser Sammlung wurde der Grundsatz festgehalten, dass es sich zuerst und vorzüglich darum handle, einen buchstäblich getreuen Text der Urkunden wiederzugeben. Zufolge desselben wurde jedes Original, welches aufgefunden werden konnte, mit sorgfältiger Genauigkeit abgeschrieben, und dann erst der Sammlung einverleibt, nachdem [...] die Abschrift mit der Urschrift war verglichen worden. [...] Wo kein Original mehr vorhanden war, musste man zu Copialbüchern oder anderen Abschriften seine Zuflucht nehmen. Nur von der genauen Copirung der urkundlichen Unterscheidungszeichen, und der Bezeichnung der Anfänge der Zeilen glaubte man Umgang nehmen zu müssen, da der daraus entfallende Gewinn in der That doch ziemlich gering anzuschlagen ist. Auch falsche oder verdächtige Urkunden, deren Anzahl indessen jedenfalls klein ist, glaubte man nicht ausschliessen zu dürfen. Oft ist nur die Form unecht, während der Inhalt Wahres bezeugt." Die Urkunden sind in chronologischer Reihenfolge in Volltext aufgenommen, Datum und Ort sind aufgelöst und sie verfügen über ein kurzes Kopfregest. Außerdem wird die wichtigste Literatur genannt. 1869 wurde Stülz von Pius Schmieder als Referent abgelöst, dem 1875 Johann Nepomuk Faigl und 1899 Viktor Freiherr von Handel-Mazzetti nachfolgten. 1912 wurde das Unternehmen eingestellt und das gesamte Material des Diplomatars dem Oberösterreichischen Landesarchiv übergeben, das das Urkundenbuch ab 1929 fortführte. Im Vorwort von Erich Trinks zum zehnten Band des Urkundenbuchs (1938) geht dieser auf die Problematik des Diplomatars ein, dessen Abschriften teilweise nahezu hundert Jahre alt sind und in der Qualität naturgemäß unterschiedlich. "Eine Neuvergleichung der deutschsprachigen Urkunden, die in etwa 50 Archiven verstreut sind, wäre wegen des Aufwandes an Zeit und Kosten nicht ausführbar gewesen, hätte sich aber auch nicht gelohnt, [...] auch ist die genaue Berücksichtigung der Orthographie, besonders der Interpunktionen und phonetischen Zeichen, so wichtig sie für die sprachwissenschaftliche Forschung wäre, bei Urkundenveröffentlichungen für den allgemeinen Gebrauch nicht angebracht, weil die Fremdartigkeit des Schriftbildes [...] auf den Benützer überaus störend wirkt [...]." Nicht mehr alle Urkunden wurden volltextlich aufgenommen; bei denjenigen, die von den Herausgebern als stark formelhaft eingeschätzt wurden, "wurde [...] unter Hinweglassung aller Formeln der gegenständliche Inhalt der Urkunde mit deren eigenen Worten herausgelöst und in kurzer Form die Verbindung zwischen den einzelnen Teilen hergestellt [...]." Das führt dazu, dass ein Teil der Urkunden in einer Mischform zwischen Edition und Regest dargeboten wird, die sicher nicht allen Fragestellungen gerecht wird. 1956 lagen mit dem 11. Band die Urkunden bis 1400 vor. Erst 2005 wurde vom Oberösterreichischen Landesarchiv gemeinsam mit der "Gesellschaft für Landeskunde" (früher Oberösterreichischer Musealverein) die Initiative ergriffen, um einerseits dieses Großprojekt über das Jahr 1400 hinaus weiter in die Neuzeit fortzusetzen und andererseits die bereits vorliegenden Bände kritisch zu überarbeiten und zu ergänzen. Die wesentlichen Ziele sind einerseits die Aufnahme aller urkundlichen Quellen im Bereich des heutigen Bundeslandes Oberösterreich bis in die Neuzeit in eine Datenbank und die Erstellung und Veröffentlichung zeitgemäßer Regesten und Transkriptionen, andererseits die Bereitstellung digitaler Abbildungen im Internet. Diese Zielsetzungen decken sich teilweise mit jenen des Projektes Monasterium.Net, weshalb eine intensive und für beide Seiten ertragreiche Kooperation vereinbart wurde. Literatur: Erich TRINKS, Das Urkundenbuch des Landes ob der Enns, in: JbOöMV 85 (= Festschrift zum hundertjährigen Bestand des oberösterreichischen Musealvereines und des Landesmuseums, Linz 1933) 587-636. Kathrin Kininger