useridguestuseridguestuseridguestERRORuseridguestuseridguestuseridguestuseridguest
FondUrkunden (1144-1943)
  1. Stiftsgeschichte
  2. Das Benediktinerstift Altenburg wurde durch die Grafen von Poigen - genauer gesagt durch Graf Gebhard und dann seine Frau Hildburg - mitten in ihrem Herrschaftsgebiet, dem so genannten Poigreich, gegründet. Der auf uns gekommene Stiftungsbrief aus dem Jahr 1144 stellt dabei den Endpunkt eines längeren Gründungsvorganges dar.

    Die Entwicklung des Klosters war nicht nur von seinen Beziehungen zu den Grafen von Poigen, sondern auch von denen zu den Grafen von Maissau und den Burggrafen von Gars geprägt. Von diesen erhielt Altenburg eine nicht geringe Zahl von Besitzungen übertragen. Gertrud, die Witwe des Burggrafen Heidenreich von Gars, stiftete 1327 im Auftrag ihres verstorbenen Gemahls gar eine solche Menge an Gütern, dass sie als zweite Gründerin von Altenburg erscheinen konnte.

    Weniger förderlich für die wirtschaftliche Lage des Klosters wirkte sich die Stiftung eines Spitals durch die Familie der Sunnberger aus, machte selbige in der Folge doch eine ganze Reihe von Aufwendungen nötig.

    Dazu kam, dass das Stift Altenburg des öfteren durch Brände und im Rahmen von Kampfhandlungen auch durch feindliche Truppen in Mitleidenschaft gezogen wurde. So etwa bei Auseinandersetzungen mit Hermann von Baden oder den Hussiten. Durch eine ganze Reihe von Ablassverleihungen durch die Kurie versuchte man hier, zumindest in wirtschaftlicher Hinsicht einigermaßen Abhilfe zu schaffen, genauso wie mit der Inkorporierung einer Reihe von Pfarren. Dennoch war der Bestand des Klosters schon im Mittelalter mehr als einmal gefährdet.

    Der Beginn der Neuzeit brachte dann zwar 1516 die Verleihung der Pontifikalien für den Abt von Altenburg, gleichzeitig aber enorme Probleme, da man einerseits für die Finanzierung der Türkenkriege tief in die Taschen greifen musste und andererseits die Reformation auch im Horner Raum schnell um sich griff. Die Sitiuation wurde dabei so angespannt, dass 1576 der Konventuale Leonhard Heisermann, Pfarrer in St. Marein, gar von Protestanten zu Tode geprügelt wurde.

    Nachdem die Eskalation des Glaubensstreites im Dreißigjährigen Krieg weitere Rückschläge und Schäden für das Stift gebracht hatte, mussten unter dem Abt Benedikt Leiß große Anstrengungen getan werden, um die katastrophale wirtschaftliche Lage wieder zu verbessern. Schlussendlich hatte man damit aber Erfolg. Schon um 1658 hatte man alle Schuldenlast abgebaut. In der Folge konnten sogar wieder neue Güter erworben werden. Dazu wurden nun auch die alten Stiftsgebäude aufgegeben und teilweise auf diese darauf neue errichtet (was zu dem höchst interessanten Umstand führte, dass die Reste des mittelalterlichen Klosters seit 1983 ausgegraben und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden konnten). Unter den Äbten Maurus Boxler und Placidus Much entstand dabei die heute erhaltene Anlage. Dabei gelang es, den Baumeister Josef Munggenast, den Maler Paul Troger und andere, bedeutende Künstler nach Altenburg zu holen. Erst die Kriege nach dem Tod Kaiser Karls VI. brachten die Bautätigkeit ins Stocken.

    Die für andere Klöster in ihren Folgen so einschneidende Epoche Josephs II. überstand das Kloster, wenn auch mit Problemen. So war etwa bis 1794 die Aufnahme von Novizen untersagt.

    Als danach auch noch die napoleonischen Kriege schwierige Zeiten brachten, schlitterte man wieder in schwere finanzielle Probleme. Bei einer bischöflichen Visitation im Jahr 1828 zeigte sich, dass das Stift Altenburg einen Schuldenstand von 300.000 Gulden aufgehäuft hatte und nicht einmal die Zinsen aufbringen konnte. Hier einen Ausweg gefunden zu haben, war dann nicht zuletzt das Verdienst des Abtes Honorius Burger, der in seinen schriftlichen Arbeiten auch für die Erforschung der Geschichte des Klosters den Grundstein gelegt hat.

    Das 20. Jahrhundert brachte in der Zwischenkriegszeit dann nicht nur neuerliche Probleme, die einige Verkäufe notwendig machten, sondern 1940 sogar die Aufhebung des Klosters durch die Nationalsozialisten, wobei der Abt sogar inhaftiert wurde.

    Nach dem Krieg wurde der Konvent neu eröffnet und zählt mit seinen derzeit 13 Mönchen nun wieder zu den spirituellen und kulturellen Zentren Niederösterreichs, was sich etwa auch an einer Reihe von Landesausstellungen, Konzertveranstaltungen und Theateraufführungen deutlich zeigt.

  3. Bestandsgeschichte
  4. Sicher nicht alle Urkunden, die in Altenburg einst vorhanden waren, sind auf uns gekommen. Nicht nur die bewegte Klostergeschichte mit den vielen Bränden, Plünderungen und anderen Verheerungen legt das mehr als nahe. Auch aus den vorhandenen Urkunden selbst lässt sich das erschließen. So wird etwa dem Stiftungsbrief von 1144 noch eine - vermutlich noch von Graf Gebhard von Poigen 1138/) ausgestellte - Gründungsurkunde vorausgegangen sein.

    Auch bei der großen Stiftung des Burggrafen Heidenreich von Gars ist augenscheinlich nur ein Teil der vorbereitenden Kaufsurkunden erhalten geblieben und die Liste der nachweisbaren Verluste, lässt sich erweitern. Kaiser Friedrich III. nimmt in seiner Bestätigung der Rechte des Stiftes Altenburg aus dem Jahr 1460 ausdrücklich Bezug auf eine Reihe von Urkunden, die bei vergangenen Kampfhandlungen durch Brände vernichtet worden seien.

    Gleichwohl ist es ein nicht unbedeutender Bestand an Urkunden, der sich in Altenburg bis heute erhalten hat.

    Die für uns noch immer maßgebliche Erfassung des mittelalterlichen Teilbestandes erfolgte 1865 durch den Abt Honorius Burger, dessen Editionswerk Eingang in die Fontes Rerum Austriacarum fand. Es umfasst den Zeitraum von 1144-1522 und verzeichnet 472 Nummern. Die älteren Urkunden sind dabei mit dem Volltext gebracht, für die späteren Zeiten erstellte Burger meist Regesten. Nur besonders wichtig erscheinende Stücke werden dann noch in ihrem vollen Wortlaut abgedruckt.

  5. Editionen/Regestenwerke
  6. Honorius BURGER, Urkunden der Benedictiner-Abtei zum Heiligen Lambert in Altenburg, Niederösterreich K. O. M. B. vom Jahre 1144-1522 (=FRA II/21, Wien 1865).

    Karteikarten im Stiftsarchiv Altenburg.

  7. Vorwort von Honorius Burger zum Altenburger Urkundenbuch
  8. Um auch von Seite des hiesigen Stiftes zur Landeskunde Österreichs ein Schärflein beizutragen, unternahm ich schon 1825 mit Bewilligung des Abtes Alois Messer er, meines Vorgängers, weil kein Archivar vorhanden war, die Urkunden des Stiftes durchzublättern, und Daten für eine Geschichte des Stiftes, dessen Pfarren und Besitzungen zu sammeln. Allein auf eine vom Stifte entferntere Pfarre übersetzt, konnte ich meinen Plan nicht verfolgen, und war erst im Jahre 1842, als ich zur Würde eines Abtes erhoben wurde, im Stande, das Archiv zu ordnen, die Urkunden zu copiren, Auszüge aus selben zu machen, und für die Veröffentlichung vorzubereiten, musste aber viele Jahre dazu verwenden, weil es meine übrigen Geschäfte nicht erlaubten, ununterbrochen daran zu arbeiten, und ich überdies des zu geringen Personalstandes wegen Niemanden als Archivar anstellen konnte. Im Jahre 1862 gelang es, eine geschichtliche Darstellung der Gründung und Schicksale des hiesigen Stiftes, dessen Pfarren und Besitzungen, und mehrerer, die hiesige Gegend betreffenden Ereignisse der Presse zu übergeben, und so Gott will, werden einige Verbesserungen und Ergänzungen hiezu folgen. Was nun die Urkundensammlung betrifft, so übernahm die kais. Akademie der Wissenschaften die Drucklegung derselben, um sie in die Fontes rerum Austria-carum einzureihen, nachdem Herr Hippolyt Tauschinski die Urkunden in chronologische Ordnung gebracht, und mehrere, die noch nicht copirt waren, copirt hatte. So übergebe ich nun die älteren Urkunden des hiesigen Archives der Veröffentlichung, hoffend, dass in selben Manches enthalten sein dürfte, was bisher wenig bekannt war, oder was über Ein und Anderes Licht verbreiten könnte.

    Stift St. Lambrecht zu Altenburg, 6. December 1864.

    Honorius Burger, Abt

  9. Editionskritik
  10. Im Jahre 1865 erschienen, ist die von Honorius Burger erstellte Edition ein Werk, auf das man auch heute noch aufbauen kann, auch wenn es den heutigen Anforderungen an eine Edition sicher nicht mehr vollkommen entsprechen kann.

    Von den 472 erfassten Urkunden hatte Honorius Burger die meisten im Original zur Verfügung und somit vertrauenswürdige Quellen. Dazu sind die im Volltext gebotenen Urkunden im Allgemeinen sehr getreu wiedergegeben.

    Allerdings ist die Genauigkeit vor allem auf die Textgestalt beschränkt. Angaben zu den äußeren Merkmalen der Urkunden werden so gut wie nicht gemacht. Fast nur die Herkunft des Originals, das Vorhandensein bzw. Fehlen von Siegeln und der Beschreibstoff werden angegeben. Vermerke auf den Urkunden hingegen finden beinahe genauso wenig Beachtung wie Fragen des Layouts. Gerade in dieser Hinsicht vermag MOM mit den gebotenen Abbildungen eine Lücke zu füllen.

    Die von Honorius Burger nur in Regestenform aufgenommenen Stücke bieten eine brauchbare Findhilfe und erfassen meist auch den Rechtsinhalt einigermaßen hinreichend. Dazu werden Namen und bisweilen auch Sachbegriffe buchstabengetreu wiedergegeben. Für Fragen jenseits positivistischer Zielsetzungen sind die Regesten dagegen kaum verwendbar. Die Kopfregesten bei Stücken, die im Volltext wiedergegeben wurden, sind nur als grobe Zusammenfassung gedacht.

    Es ist daran gedacht, in einem weiteren Schritt, das Burger´sche Urkundenwerk heutigen Standards anzugleichen und neu herauszugeben.

    Zur Person des Honorius Burger:

    Honorius Burger entstammte einer Schusterfamilie, die sich seit 1736 in Horn nachweisen lässt, kam als sechstes Kind von Andreas und Theresia Burger auf die Welt und erhielt den Namen Joseph Andreas Burger. Nach dem Erreichen des Schulpflichtalters dürfte er zunächst die Horner Hauptschule besucht haben. Dann kam er auf das Piaristengymnasium in derselben Stadt, um danach auf die noch junge philosophische Lehranstalt in Krems zu wechseln, wodurch er die Voraussetzung für ein Theologiestudium schuf, zumal er einen ausgezeichneten Studienerfolg in Krems vorweisen konnte.

    1807 trat er unter dem Namen Honorius in das Stift Altenburg ein und wurde nach einem Jahr Noviziat nach Wien geschickt, um hier Theologie zu studieren.

    Drei Jahre später legte Burger die Profess ab, erhielt 1812 dann die höheren Weihen. Er wurde dann zuerst den Pfarren Gars a. Kamp, Tautendorf und Sitzendorf a. d. Schmida als Auxiliar zugeordnet und kam dann als Seelsorger noch in eine ganze Reihe von Pfarren. 1828 wurde er dann in das Stift zurückberufen und zum Kämmerer, Kanzleidirektor und Waisenamtsverwalter erhoben, ein Amt das nicht leicht zu erfüllen war, da sich das Stift zu diesem Zeitpunkt in einer äußerst prekären finanziellen Lage befand.

    Im Jahre 1833 wurde Honorius Burger dann zum Stadtpfarrverweser von Horn ernannt. In dieser Zeit widmete er sich auch schon historischen Studien, erstellte etwa eine Sammlung von Urkunden zur Geschichte der Stadt Horn oder schrieb eine Abhandlung über das Horner Bürgerspital.

    Als dann der Abt Alois Messerer verstarb, trat Burger 1842 in seine Fußstapfen. Er schaffte dann nicht nur eine vollkommene finanzielle Konsolidierung des Klosters sondern kümmerte sich nicht zuletzt auch um den Ausbau des Schulwesens und der sozialen Fürsorge. Dazu schuf er mit seiner "Geschichtlichen Darstellung der Gründung und Schicksale des Benedictinerstiftes St. Lambert zu Altenburg" und der Edition der "Urkunden der Benedictiner-Abtei zum Heiligen Lambert in Altenburg" Grundpfeiler einer Altenburgischen Stiftsgeschichte.

    Honorius Burger verstarb am 21. Juli 1878 im 90. Lebensjahr.

    [Quelle: Thomas Renner, Honorius Burger (1788-1878. Ein Horner Bürger auf dem Altenburger Abtsthron. In: Harald Hitz (Hg.), Waldviertler Biographien. Bd. 1 (Horn/ Waidhofen a. d. Thaya, 2001) 97-120.]

Bearbeiter: Mag. Lukas Wolfinger, Email: lukas.wolfinger@monasterium.net