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FondAbt 1 A I
  1. Allgemeines
  2. Das sogenannte 'Reichsstädtische Archiv' (Abt. 1) ist die historisch bedeutendste Abteilung des Stadtarchivs. Sie umfaßt die mit der im Original erhaltenen Urkunde König Heinrichs IV. von 1074 für die Wormser Bürger einsetzende Urkunden- und die im Spätmittelalter beginnende Aktenüberlieferung zur Geschichte von Worms bis zum Ende der reichsstädtischen Zeit im Jahre 1798. Der Schwerpunkt der Akten- und Amtsbuchüberlieferung liegt deutlich in der Zeit nach der Stadtzerstörung im Jahre 1689. Beim Stadtbrand ist die Registratur bzw. das Verwaltungsarchiv in der Neuen Münze (an der Stelle des heutigen Hauses zur Münze) mit nahezu sämtlichen Reichstagsakten, den Rats- und Gerichtsprotokollen und den Unterlagen zum Finanzwesen (Rechnungen etc.) verloren gegangen. Von den Akten der Zeit vor 1689 sind teilweise bis in das 14./15. Jahrhundert zurückreichende umfangreiche Serien der Kurpfälzer und Dalberger Akten sowie Akten zu den Streitigkeiten zwischen der Stadt einerseits sowie Bischof, Klerus und geistlichen Institutionen andererseits erhalten geblieben. Zur Vernichtung vor allem von Rechnungsunterlagen - vornehmlich des 18. Jahrhunderts - kam es aufgrund von Platzmangel und Desinteresse an dem Material durch einen Beschluß des Gemeinderates vom Jahre 1844 (vgl. Einleitung zur Archivgeschichte). Der heutige Ordnungs- und Verzeichnungsstand der Unterlagen beruht maßgeblich auf den Bemühungen des Basler Universitätsprofessors Dr. Heinrich Boos in den Jahren 1880 bis 1885. Er nahm zunächst eine klare Trennung von Urkunden (Abt. 1 A) und Akten (Abt. 1 B) vor und reihte die in 27 speziell angefertigten Laden gelagerten, einzeln verpackten Urkunden in chronologischer Folge.

    Umfang: 78 Urkundenkästen = ca. 2900 Urkunden in drei Unterabteilungen = 23 (1 A I: 1133 Stücke, 1 A Ia: ca. 1500 Stücke, 1 A II: ca. 310 Stücke, z. T. abschriftlich)

    ÜberlieferungDie Überlieferung der Urkunden aus städtischer Provenienz ist insgesamt als recht gut zu beurteilen; starke Verluste sind jedoch bei den Siegeln zu beklagen, wobei hier erschwerend noch die Vernichtung der Siegelsammlung des Stadtarchivs im 2. Weltkrieg hinzukommt. Bis 1500 liegt die Zahl der in der Abt. 1 A erhaltenen Urkunden bei ca. 700. Die bis zum Jahre 1255 überlieferten Originale des Stadtarchivs wurden 1996 durch das 'Lichtbildarchiv älterer Originalurkunden' (Universität Marburg) fotografisch dokumentiert.BestandsstrukturZunächst bestand nur eine einzige, chronologisch geordnete Urkundenabteilung (jetzt Abt. 1 A I), die seit der Jahrhundertwende um eine zweite ergänzt wurde. Diese setzt sich aus den dem Aktenmaterial (in der Regel aus den Ratsprotokollanlagen) entnommenen Lehr-, Gesellen- und Wanderbriefen, Manumissionen, Bürgerrechts- und Legitimationsscheinen, Militärabschieden sowie Geburts-, Tauf- und Heiratsurkunden zusammen und bildet die Abt. 1 A Ia. Aus Ankäufen, Schenkungen und anderen Erwerbungen wurde seit den 1880er Jahren die überwiegend aus jüngeren Abschriften und Regesten zusammengesetzte, ebenfalls chronologisch geordnete Urkundenabteilung 1 A II gebildet. Die bei der Neuordnung durch Heinrich Boos chronologisch gereihte Haupt-Urkundenabteilung umfaßt insgesamt ca. 1100 Stücke, davon bis 1500 ca. 620 Urkunden, wobei es sich überwiegend um Originale handelt. Unter diesen Stücken befinden sich 236 Herrscherurkunden (187 im Original) und 25 Papsturkunden. Nach Jahrhunderten aufgestellt, ergibt sich insgesamt folgendes Bild:;bis 1100: 3 (1 Or. und 2 Abschr.)

    1101 bis 1200: 4 (Or.)
    1201 bis 1300: 83)
    1301 bis 1400: 228)
    1401 bis 1500: 301)
    1501 bis 1600: 249)
    1601 bis 1700: 180)
    1701 bis 1787: 42)

    Gesamtzahl Regesten: 1131 Stück (Stand nach Abschluss Konversion Word-Daten nach Augias auf Basis Regesten Boos, Nov. 2010)

    Abt. 1 A Ia (1659-1895)

    Die Unterabteilung enthält insgesamt knapp 1500 Urkunden aus der Zeit von 1659 bis 1895 mit einem deutlichen Schwerpunkt im 18. Jahrhundert. Da sich nach wie vor zahlreiche Stücke in den Akten befinden, kann diese Abteilung nicht als vollständig angesehen werden. Im einzelnen handelt es sich um:
    - 217 Lehrbriefe, Gesellenwanderbriefe
    - ca. 200 Manumissionen (Entlassungen aus der Leibeigenschaft)
    - ca. 115 Militärabschiede, Pässe, Bürgerrechtsscheine, Führungsatteste, Legitimationsscheine
    - ca. 960 Geburts-, Tauf- und Heiratsbriefe

    Abt. 1 A II (1184-1796)

    Die Unterabteilung umfaßt aus dem Zeitraum von 765 bis 1796 insgesamt ca. 310 Urkunden, Abschriften und Aktenfragmente. Bis 1500 sind 81 Nummern überliefert; darunter haben sich für den Zeitraum von 1184 bis 1499 52 Stücke im Original erhalten. Die Abteilung enthält u.a. die im Jahre 1906 dem Stadtarchiv geschenkten bzw. verkauften Stücke aus der sog. Bandelschen Urkundensammlung, die etliche Wormser Klosterarchivalien umfaßte. Abt. 1 A II birgt zwölf im Original überlieferte Herrscherurkunden und eine Papsturkunde (1184). 26 zumeist das Wormser Umland betreffende Urkunden des 15. bis 18. Jahrhunderts (Fund 1997) sind noch nicht durch Regesten erschlossen. Die Stücke aus dem Zeitraum von 1800 bis 1900 wurden im Zuge einer Bereinigung des Bestandes 2009 in die Abt. 202 verlagert und dort verzeichnet. Die letzte belegte Nr. ist 312 (1796).

    Bis 1500 im Original erhaltene Stücke: bis 1200: 1 (1184)
    1201 bis 1300: 6
    1301 bis 1400: 19
    1401 bis 1500: 26

  3. Findmittel und Erschließung
  4. Die Urkundenabteilung 1 A I ist durch handschriftliche Regesten von Heinrich Boos (zwei Bände) erschlossen. Nahezu alle Stücke bis zum Jahre 1400 wurden von ihm auch publiziert (Boos, Quellen, Bd. I-II), dazu in Auswahl für die Stadtgeschichte wichtige Urkunden bis zum Jahre 1525 (Boos, Quellen, Bd. III, vgl. dort die Übersicht auf S. 652-655). Ursprünglich hatte Boos eine vollständige Urkundenpublikation bis zum Jahre 1525 vorgesehen. Für die unedierten Urkunden ab 1400 liegt neben dem Inventar eine Orts- und Personenkartei vor. Die Regesten sind nach Abschluss der Retrokonversion (Nov. 2010) komplett in Augias recherchierbar (1133 VE), wenngleich eine Nachbearbeitung noch aussteht.

    Für die Abteilung 1 A Ia dient ein handschriftliches Inventar in Form eines alphabetischen Namensverzeichnisses als Findmittel.

    Die Urkunden der Abt. 1 A II wurden durch 1950/51 von Hellmuth Gensicke erstellte Vollregesten (masch. vervielfältigt) erschlossen. Zusätzlich steht (wie für die Urkunden von Abt. I ab 1400) eine Orts- und Personenkartei zur Verfügung. Die Eingabe der Regesten in die Datenbank schreitet voran, zur Zeit 8/ 2011) sind die Urkunden bis zum Jahr 1600 eingegeben.

  5. Digitalisierung
  6. Alle Urkunden des Stadtarchivs vor 1600 (und damit der weitaus größte Teil der Urkundenreihen 1 A I und 1 A II wurde 2011 im Rahmen des Projekts Monasterium.net im Stadtarchiv Speyer digitalisiert. Es ist geplant, die Daten Anfang 2012 online zu stellen. Die Fotoabteilung hat von den Fotos eine Festplatte mit tiff-Aufnahmen aller Stücke erhalten.

  7. Worms betreffende Urkunden- und Regestenwerke
  8. Unter den die Boos'sche Edition ergänzenden Urkunden- und Regestenwerken sind die von Erich Schwan publizierten Regesten Wormser Urkunden im Staatsarchiv Darmstadt für die Zeit von 1400 bis 1525 (Wormser Urkunden, 965 Nummern) ebenso hervorzuheben wie die ältere Edition von Baur (Hessische Urkunden, v.a. Bde. 2 und 5). Zahlreiche Wormser Urkunden enthält auch die Bistumsgeschichte von Schannat (Historia episcopatus Wormatiensis, 1734) sowie die auf diese als Antwort aus städtischer Sicht verfaßte Arbeit von Moritz (Historisch-diplomatische Abhandlung, 1756).