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FondUrkunden (1173-1846)
  1. Pfarr- und Bestandsgeschichte
  2. Das Kloster Hohenfurth wurde von Wok von Rosenberg, der aus dem in der frühen Geschichte Böhmens so berühmten und mächtigen Geschlecht der Wittigonen stammte, 1259 gegründet. Burg und Städtchen Rosenberg liegen wenige Kilometer flußabwärts von Hohenfurth an der Moldau. Die nähere Veranlassung der Gründung des Klosters Hohenfurth ist wie bei vielen alten Klöstern in das Dunkel der Vergangenheit gehüllt.

    Eine alte Volkssage erzählt, daß Wok, Landesmarschall von Böhmen, einen Tag nach Hohenfurth geritten war, wo er in der Kapelle an der Stelle des heutigen St. Anna-Kirchleins (auf dem späteren Klosterfriedhof) seine Andacht verrichten wollte. Dabei mußte er die Moldau durchreiten, die in der Nähe eine Furt besaß, wie der Name Hohenfurth besagt. Da der Fluß gerade Hochwasser führte, geriet Peter Wok in Lebensgefahr und gelobte, an der Stelle des Kirchleins ein Kloster zu gründen, wenn er dem Tode entginge. In den alten Urkunden des Klosters findet sich allerdings kein Hinweis auf einen geschichtlichen Kern dieser Sage. Nur ein großes, jedoch aus späterer Zeit stammendes Gemälde an der Epistelseite des Presbyteriums der Klosterkirche stellt dieses Ereignis im Bilde dar, während auf der gegenüberliegenden Seite des Presbyteriums ein entschprechendes Gemälde die Gründung des Klosters Hohenfurth und die Übergabe der neuen Gründung durch den Stifter an die ersten, aus Wilhering an der Donau oberhalb von Linz kommenden Mönche zeigt. Eine sehr alte, undatierte Urkunde berichtet jedenfalls, daß Peter Wok von Rosenberg zu seinem und seiner Verwandten Seelenheil ein Kloster gründen und dem Zisterzienserorden übergeben wollte. Er wandte sich deshalb an den Abt von Citeaux als Generalobern des Zisterzienserordens mit der Bitte, das neu zu gründende Kloster mit Mönchen aus dem Kloster Wilhering besiedeln zu lassen. Wilhering seinerseits wurde im Jahre 1146 zuerst von Mönchen aus der Abtei Rein besiedelt. Diese Abstammungslinie verläuft also von Rein über Ebrach (Erzdiözese Ebrach) nach Morimond, der vierten Tochter von Citeaux.

    Laut Urkunde vom 23. Mai 1259 bestätigte Bischof Johann III. von Prag die von Peter von Rosenberg den Zisterziensern gemachte Schenkung samt dem Patronatsrecht über die Kirchen von Rosenthal und Priethal. Laut Urkunde vom 1. Juni deselben Jahres erteilte er dem ersten Kirchlein des Klosters die Benediktion und bestätigte zugleich alle jene Bestizungen, Einkünfte und Rechte, welche Peter Wok von Rosenberg dem Kloster gemacht hatte. Der 1. Juni 1259 gilt deshalb seit altersher als der Gründungstag des Klosters Hohenfurth. In dieser Urkunde vom 1. Juni 1259 wird auch der Ort Hohenfurth mit eigener Kirche erwähnt, der also damals schon existierte, möglicherweise als Grenzwachtsiedlung an dem Saumpfad, der von Linz a.d. Donau durch den Haselgraben über den Paß von Hohenfurth an die Moldaufurt und dann weiter ins Landesinnere führte. Spätere Schenkungen des Gründergeschlechtes folgten. Durch die abgelegene Lage in den riesigen Wäldern des böhmischen Grenzwaldes war das Kolster Hohenfurth mehr geschützt und verschont von mancher Kriegsnot, die anderen Klöstern, so vor allem im 15. Jahrhundert während der Hussitenkriege, zum Verderben gereichte. Ob und inwieweit auch das Kloster Hohenfurth in den Hussitenkriegen zu leiden hatte, ist bis heute ungeklärt. Die zeitgenössischen Quellen widersprechen sich diesbezüglich oder sind unklar. Janauschek (Ordenshistoriker des 19. Jhs.) schreibt, daß Hohenfurth als einziges Zisterzienserkloster Böhmens von den Hussiten verschont geblieben sei. Auch die alte Klostertradition von Hohenfurth weiß nichts von einem Hussitenüberfall. Es scheint jedoch, daß die Hussiten im Jahre 1422 bis Hohenfurth vordrangen und den offenen Ort einäscherten. Das Kloster war damals schon durch eine Befestigungsmauer mit Wehrtürmen geschützt, wie sie teilweise bis heute erhalten ist. Vermutlich haben die Hussiten versucht, auch das Kloster anzuzünden, konnten jedoch nur die Dächer, vor allem der Klosterkirche, in Brand setzen. Der Konvent des Klosters fand in besonders gefährlichen Situationen des Krieges Zuflucht in der festen Stadt Krummau. Schwere Schäden erlitten dagegen die Stiftsgüter und die Patronatskirchen, von denen einige zerstört wurden und in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wieder erbaut werden mußten.

    Dem Klosterurbar bis zum Jahr 1530 nach besaß die Klosterherrschaft Hohenfurth Untertanen in 108 Dörfern. Die Summe aller Untertanen betrug 900, die meisten in der Umgebung von Hohenfurth bis hinein gegen Krummau und teilweise auch in der Umgebung von Budweis. Es besaß damit einen mäßigen Grundbesitz, vor allem im Vergleich mit der königlichen Stiftung zu Goldenkron, die in ihren besten Zeiten einen Grundbesitz von über 800 Quadratkilometern hatte, also mehr als so manches deutsche Fürstentum. Als sich in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts der Protestantismus auch in Böhmen sehr ausbreitete, fand er bei den Hohenfurther Klosteruntertanen verhältnismäßig wenig Anhang. Immerhin war die Folge des sinkenden Glaubenslebens der Mangel an Seelsorgegeistlichen, so daß wir gegen Ende des 16. Jahrhunderts zum ersten Mal hören, daß ein Mönch des Klosters als Seelsorger auf eine Patronatspfarrei kam, während bis dahin immer Weltgeistliche die Seelsorge versehen hatten. Der Priestermangel verstärkte sich im Laufe der Zeit derart, daß diese Ausnahme zur Regel wurde und allmählich, besonders seit dem Dreißigjährigen Krieg, alle Patronatspfarreien dauernd mit Klosterpriestern besetzt werden mußten, eine Entwicklung, die ja auch anderswo ähnlich verlief.

    Der Dreißigjährige Krieg

    Im Kloster selbst war die Zahl der Mönche nie so groß wie in vielen großen Abteien, von denen berichtet wird, daß sie in ihrer Blütezeit um die 100 Chormönche und auf die 300 Laienbrüder hatten. Als im Jahre 1616 der Generalabt Nikolaus Boucherat von Citeaux in Hohenfurth Visitation hielt, zählte der Konvent nur 14 Professen, 1 Novizen und 3 Laienbrüder; 6 weitere Professen waren in auswärtigen Stellungen. Das war allerdings knapp vor dem Dreißigjährigen Krieg, der, obwohl sich das große Kriegsgeschehen weit entfernt abspielte, doch für das Stift, seine Bewohner und Untertanen eine schwere Zeit war, in welcher, wie uns die Chronisten berichten, militärische Lieferungen, Einquartierungen, Raub und Plünderungen kein Ende nahmen. Im Jahre 1636 zählte man bereits 77 verödete Bauerngehöfte auf dem Stiftsgebiet und es wurden derer immer mehr. Das Stift selber hatte eine hohe Schuldenlast.

    Im Jahre 1648, gegen Ende des Krieges, drangen schwedische Kriegsscharen bis nach Südböhmen und sogar bis nach Hohenfurth vor. Während des Krieges war der Konvent zeitweise ganz oder zum Teil in anderen Klöstern untergebracht, nicht nur wegen der Kriegsgefahr, sondern auch, weil das Kloster zu Zeiten nicht in der Lage war, den ganzen Konvent zu erhalten. Doch gab es zwischendurch auch ruhige Zeiten, in denen sich das Stift von den Kriegsschäden etwas erholen konnte, vor allem dann unter dem tüchtigen, aus der Lausitz stammenden Abt Georg III. Wendschuh, Ritter von Zdir (1641-1668). Er war einer der markantesten Abtsgestalten in der Äbteserie von Hohenfurth, der zudem auch wissenschaftlich tätig war. Sein Hauptwerk sind die neun Foliobände umfassenden „Acta Altovadensia". Bemerkenswert ist, daß im Dreißigjährigen Krieg, im Gegensatz zu den Hussitenkriegen, kein einziges der böhmisch-mährischen Zisterzienserklöster unterging. Im Jahre 1627 erhielten die Äbte von Goldenkron und Hohenfurth als infulierte Prälaten Sitz und Stimme im böhmischen Landtag. Unter dem Abt Johann IV. Clavey (1669-1687), einem Elsässer, erreichte das Kloster den ungewöhnlich hohen Mitgliederstand von 58 Mönchen. Deshalb baute der Abt im Jahre 1671 das derzeitige Konventgebäude sowie - entgegen dem ursprünglichen Ordensverbot - den ersten Turm der Klosterkirche.

    Die Josephinischen Klosteraufhebungen

    Unter dem Abt Hermann Kurz (1767-1797) kam es in Böhmen und Mähren zu den Klosteraufhebungen durch Kaiser Joseph II. Das Ende des Klosters Hohenfurth schien nahe. Im Jahre 1786 wurde der Abt Hermann Kurz seines Amtes enthoben und auf den stiftseigenen Fischerhof verwiesen. Das Kloster wurde auf den Aussterbe-Etat gesetzt. Es zählte damals 65 Mitglieder, nun wurden bloß 18 erlaubt und die Aufnahme von Novizen verboten. Das Kloster bekam einen Chorherren aus Wittingau als Kommendatarabt. Der Stiftsbesitz wurde teilweise aufgeteilt und verpachtet. Im Jahre 1789 wurde jedoch durch kaiserliche Verfügung die Absetzung des Abtes rückgängig gemacht und 1790 wurden ihm alle Rechte wieder zuerkannt. So entging das Kloster, wenn auch mit empfindlichen Verlusten, der Aufhebung. Es blieb aber die Verpflichtung, unentgeltlich vier, später fünf Professoren für die philosophische Lehranstalt, später das deutsche Gymnasium, in Budweis zu stellen, oder pro Professor jährlich 300 fl zu zahlen, was zuerst vom Kloster vorgezogen wurde. Als im Jahre 1815 die Lehranstalt im Kloster aufgehoben wurde, konnte es für Budweis die Lehrkräfte stellen, welche Verpflichtung erst in der ersten tschechoslowakischen Republik (1921) entfiel.

    Das Kloster Hohenfurth mit eigener Patrimonialgerichtsbarkeit

    Im Jahre 1822 gelang dem heiligmäßigen Abt Isidor Teutschmann (1801-1827), dem letzten der aus der Lausitz stammenden Hohenfurther Äbte, die Befreiung und Loslösung des Stiftes und seiner Besitzungen aus dem Herrschaftsbereich des Herzogtums Krummau, in welchen es nach dem Aussterben der Rosenberger (1611) gekommen war, was aber immer wieder zu Unstimmigkeiten und Streit zwischen der weltlichen Herrschaft und dem Kloster führte. Dadurch erhielt das Kloster ein selbständiges Herrschaftsgebiet mit eigener Patrimonialgerichtsbarkeit, ein Zustand, der allerdings nur bis zur Grundentlastung im Jahre 1848 andauerte.

    Das wissenschaftliche Leben des Klosters im 19. Jahrhundert

    Unter der Regierungszeit von Abt Isidor Teutschmann ganz allgemein und dann im 19. Jahrhundert erlebte das Kloster eine wissenschaftliche Blütezeit. Unter den vielen Namen, die genannt werden könnten, seien hier nur zwei hervorgehoben: P. Maximilian Millauer, der eine Reihe theologischer und historischer Werke verfaßte, an der Prager Universität dozierte und dortselbst auch Rector magnificus wurde (1834). Aus späterer Zeit ist besonders P. Siegfried Kühweg zu nennen, aus dessen handschriftlichem Nachlaß vor allem der „Codex diplomaticus monasterii Altovadensis 1259-1844" zu erwähnen ist; es ist im wesentlichen das später von Mathias Pangerl veröffentlichte „Urkundenbuch des Zisterzienserstiftes B. Mariae Virginis zu Hohenfurth in Böhmen" (Band XXIII der „Fontes Rerum Austriacarum", Wien 1865).

    Leopold Wackarž, Abt von Vyssi Brod/Hohenfurth (1867-1901) und Generalabt des Zisterzienserordens (1891-1900)

    Nicht nur seine außergewöhnlich lange Regierungszeit, sondern auch seine besonderen Fähigkeiten und Tätigkeiten machen ihn zum wahrscheinlich größten Abt des Klosters Hohenfurth. Er stammte aus Oberplan, dem Geburtsort Adalbert Stifters. Seine rege bauliche Tätigkeit, die sich auf das Kloster und dessen Besitz, vor allem die inkorporierten Pfarreien erstreckte, im einzelnen zu erwähnen, würde zu weit führen. Im Jahre 1859 war die österreichisch-ungarische Ordenskongregation gegründet worden, welche sämtliche Zisterzienserklöster der Monarchie umfaßte. Von 1875-1890 war Abt Leopold Wackarž deren Generalvikar. Im Jahre 1891 wurde er, bereits im 82. Lebensjahr stehend, zum Generalabt des gesamten Zisterzienserordens gewählt, das heißt also auch der Trappistenklöster, welche sich während seiner Regierungszeit als selbständiger Orden konstituierten. Beim Generalkapitel 1900 legte er sein Amt als Generalabt nieder. Als er am 13. Dezember 1901 starb, hatte er, soweit Aufzeichnungen reichen, das höchste Alter unter den Hohenfurther Mönchen, die längste Regierungszeit unter allen Äbten des Stiftes und zugleich als einziger bis dahin die höchste Würde im Orden erreicht. Letzteres traf nur noch einmal für einen Hohenfurther Ordensmann zu: Dr. P. Matthäus Quatember, der von 1950-1953 Generalabt des Ordens war.

    Der Grundbesitz des Klosters Vyssi Brod/Hohenfurt vor einem Jahrhundert

    Nach den Angaben des Schematismus für Großgrundbesitz in Böhmen aus dem Jahr 1906 hatte das Stift Hohenfurth damals einen Grundbesitz von 4.351,72 Hektar. Davon waren 697 Hektar Äcker, 712 Hektar Wiesen, 2.886 Hektar (also der überwiegende Teil) Wälder. Der Katastral-Reinertrag betrug 29.656 Kronen, die Grundsteuer 7.792 Kronen. Dazu kam das Allodialgut Komarschitz bei Budweis mit 1.209,56 Hektar. Davon waren 321 Hektar Äcker, 147 Hektar Wiesen, 591 Hektar Wälder. Der Katastral-Reinertrag betrug 17.170 Kronen, die Grundsteuer 3.898 Kronen. Zusammengenommen hatte also das Stift Hohenfurth 1906 einen Grundbesitz von 5.561,28 Hektar mit einem Katastral-Reinertrag von zusammen 46.826 Kronen bei einer Grundsteuer von 11.690 Kronen. Zum Vergleich sei hier der Grundbesitz des anderen Zisterzienserstiftes Osek am Fuß des Erzgebirges angegeben. Dieses besaß zu gleicher Zeit 3.757 Hektar, davon 1.713 Hektar Äcker, 288 Hektar Wiesen und 1.593 Hektar Wälder. Der Katastral-Reinertrag betrug 120.105 Kronen, die Grundsteuer 27.263 Kronen. Daraus ist ersichtlich, daß das Stift Hohenfurth zwar flächenmäßig einen größeren Grundbesitz hatte, aber ertragsmäßig, vor allem das Gebiet um Hohenfurth selbst, infolge des rauhen Klimas und des wenig ertragreichen Bodens einen wesentlich niedrigeren Katastral-Reinertrag aufwies als Osek. Als nach dem 1. Weltkrieg die erste Tschechoslowakische Republik in den deutschen Gebieten die sogenannte Bodenreform durchführte, verlor das Kloster einen Teil seines Besitzes. Nach den Angaben des tschechischen Schematismus für den Großgrundbesitz in Böhmen aus dem Jahre 1933 besaß damals das Kloster Hohenfurth noch 4.990 Hektar, also ungefähr 571 Hektar weniger als 1906. Zu beachten ist jedoch, daß durch die Bodenreform wesentlich mehr als 571 Hektar konfisziert worden waren, da das Stift zwischen 1906 und 1933 einigen Grundbesitz dazugekauft hatte.

    Die inkorporierten Pfarreien

    Dem Stift Hohenfurth wurden 16 Pfarreien inkorporiert: Hohenfurth / Höhere Brod (mit einer eigenen in der Stadt gelegenen Pfarrkirche) Rosenberg / Rosenberg, Oberhaid / Oberösterreich Dvorište, Unterhaid / Niederösterreich Dvorište, Höritz / Hoøice im Böhmerwald, Rosenthal / Rožmitál im Böhmerwald, Deutsch-Reichenau / Neu in der Nähe von Nové Hrady, Strobnitz / Stropnice, Umlowitz / Omlenice, Kapellen / Kaplicky, Payreschau / Boršov, Driesendorf / Støížov, Stritschitz / Strýcice, Heuraffl / Front Výton, Malsching / Malšín und Priethal / Prídolí; ferner die Expositur Kienberg / Loucovice, der einzige Industrieort (zwei große Papierfabriken). Payreschau und Driesendorf, bei Budweis gelegen, waren überwiegend tschechisch, Stritschitz, ebenfalls bei Budweis, überwiegend deutsch, die anderen Pfarreien waren mehrheitlich deutsch. Vor allem für die Seelsorge in den tschechischen Pfarreien hatte das Stift Hohenfurth auch immer einige tschechische Mitbrüder in seinem Konvent. Der weitaus überwiegende Teil der Stiftspriester in arbeitsfähigem Alter befand sich demnach dauernd auf den Pfarreien, von denen allerdings die meisten in der Nähe des Stiftes lagen und zum Dekanat Hohenfurth gehörten. Für den ganzen Konvent hatte der Platz im Konventgebäude nicht gereicht.

    Der 1. Weltkrieg und seine Folgen

    Abt Bruno Pammer (1902-1924) war der vorletzte Abt des Klosters Hohenfurth. In seine Regierungszeit fällt der 1. Weltkrieg mit dem politischen Umsturz und der Gründung der ersten tschechoslowakischen Republik. Abt Bruno Pammer war im Rahmen der deutschen christlich-sozialen Bewegung politisch tätig, was ihn der neuen Regierung wenig genehm machte. Seine besondere Sorge galt dem Ordensnachwuchs, der auch seinem Nachfolger sehr am Herzen lag und dazu führte, daß das Kloster Hohenfurth in den Jahren vor dem 2. Weltkrieg den stärksten Konvent seiner Geschichte aufwies.

    In die Regierungszeit von Abt Bruno Pammer fällt die Einführung des elektrischen Lichtes im Kloster aus einem E-Werk (1904), das auf Klosterboden errichtet wurde, sowie (1911) der hauptsächlich vom Kloster finanzierte Bau der elektrischen Lokaleisenbahn, welche die Gegend an das Eisenbahnnetz anschloß. Abt Tecelin Jaksch (1925-1954; seit 1949 Administrator von Stift Rein) war der 43. Abt des Klosters Hohenfurth. Die großen Verdienste dieses schwer geprüften Abtes waren neben seiner bereits erwähnten Sorge für den Ordensnachwuchs die günstige Abwicklung der sogenannten Bodenreform für das Kloster Hohenfurth. Ursprünglich unterlag der Großteil des Stiftsbesitzes der Beschlagnahme durch den Staat. Ein Teil davon, vor allem einige Höfe, gingen dem Kloster verloren und wurden an tschechische Besitzer bzw. Pächter vergeben. Ein weiteres Verdienst dieses Abtes besteht in der Wiederbelebung des Konverseninstitutes, das fast ausgestorben war und vor dem 2. Weltkrieg wieder neun Laienbrüder zählte. Abt Tecelin entfaltete eine rege Bautätigkeit sowohl im Kloster (Renovierung der Klosterkirche) als auch auf den Pfarreien (an Kirchen und Pfarrhöfen). In der schweren Zeit der Weltwirtschaftskrise gab er damit vielen Arbeit und Brot, wie überhaupt das soziale und karitative Wirken des Klosters besonders hervorzuheben ist. Die Folge war, daß die einheimische Bevölkerung sich mit dem Kloster verbunden fühlte. Von den führenden Parteigenossen in der Zeit des Dritten Reiches waren die allerwenigsten Einheimische. Abt Tecelin hatte auch den Plan, das Kloster Goldenkron zu neuem Leben zu erwecken. Die großartige Klosterkirche war als Pfarrkirche gut instandgehalten, aber die Klostergebäude, besonders das Konventgebäude, waren in desolatem Zustand. In den letzten Jahren vor dem 2. Weltkrieg und noch in der Zeit des Krieges wurde im Kloster renoviert, so daß tatsächlich eine baldige Wiederbesetzung möglich erschien.

    Die sogenannte Böhmische Zisterzienserkongregation

    Die alte Ordenskongregation, die Zisterzienserklöster Österreich-Ungarns umfassend, war nach dem 1. Weltkrieg dreigeteilt worden. Es entstanden daraus die österreichische Kongregation vom Heiligsten Herzen Jesu, welche die Klöster des restlichen Österreich umfaßte (außer Mehrerau und Stams); ferner die ungarische Kongregation, welche die Klöster Ungarns umfaßte; schließlich die Kongregation vom Unbefleckten Herzen Mariens, gegründet am 23. 1. 1923, mit den beiden Männerklöstern Osek und Hohenfurth; dazu das Frauenkloster Porta Coeli in der Nähe von Tischnow bei Brünn und die beiden Frauenklöster Marienthal und Marienstern in der Lausitz (Ost-Deutschland), schließlich Allerslev in Dänemark, von Porta Coeli aus nach dem 1. Weltkrieg gegründet, nach dem 2. Weltkrieg nach Sostrup, ebenfalls in Dänemark, verlegt.

    Die erste Aufhebung des Klosters Hohenfurth 1938-41

    Während das Kloster bei der Bodenreform in der ersten Tschechoslowakischen Republik, nicht zuletzt durch das Verhandlungsgeschick von Abt Tecelin Jaksch, noch verhältnismäßig glimpflich davongekommen war, kam die Katastrophe, die erste Aufhebung des Klosters in seiner Geschichte, im Gefolge der Besetzung des Sudetenlandes durch das Dritte Reich. Politisch wurde das Gebiet, das heißt der deutsche Teil Südböhmens, dem damaligen Gau Oberdonau schrittweise angeschlossen, kirchlich der Diözese Linz als Generalvikariat Hohenfurth. Generalvikar wurde Dr. P. Dominik Kaindl, früher Theologieprofessor am Diözesanseminar in Budweis, gestorben im Jahre 1973 im Stift Heiligenkreuz. Anfangs Oktober 1938 begann der deutsche Einmarsch in den südlichen Böhmerwald. Bereits am 21. November 1938 wurde Abt Tecelin Jaksch wegen seiner loyalen Haltung gegenüber dem tschechoslowakischen Staat verhaftet und nach Linz, später nach Krummau ins Gefängnis gebracht. Dort wurde er zu einer Gefängnisstrafe von einem halben Jahr verurteilt. Er verbrachte die Zeit des Krieges im damaligen Protektorat Böhmen-Mähren, und zwar im Zisterzienserinnenkloster Porta Coeli - Tischnowitz. Für die Zeit seiner Abwesenheit wurde vom Konvent Dr. P. Dominik Kaindl, der zugleich Generalvikar für den deutschen Anteil der Diözese Budweis war, zum Abt-Koadjutor gewählt und von Rom bestätigt.

    Bereits im Januar 1939 übernahm ein vom Gau Oberdonau ernannter Regierungskommissar die Verwaltung des Klosters, sodaß von nun an der Abt-Koadjutor keinerlei Einfluß mehr auf das wirtschaftliche Geschehen hatte. Im Zuge der Klosteraufhebungen im Gau Oberdonau wurde auch das Kloster Hohenfurth am 17. April 1941 durch die Gestapo von Linz aufgehoben, und zwar in einer Art und Weise, wie sie für totalitäre Regimes bezeichnend ist, mit Leibesvisitation, Kreuzverhör usw. Die wenigen im Kloster damals noch anwesenden meist älteren Klosterpriester wurden auf die einzelnen Stiftspfarreien verteilt. Im Kloster durften während der Dauer des Krieges nur P. Vinzenz Pils als Rentmeister für die Weiterführung der Buchführung und P. Alois Martetschläger für die Weiterführung des Gottesdienstes in der Klosterkirche bleiben; später, als diese gesperrt wurde, in der kleinen Josefskirche, halbwegs zwischen Kloster und Stadt. Das leere Konventgebäude diente zuerst als Unterkunft für deutsche Umsiedler aus Bessarabien, gegen Ende des Krieges war es Reserve-Lazarett der Wehrmacht.

    Das Kloster von Vyssi Brod/Hohenfurth im Zweiten Weltkrieg und seine Gefallenen

    Im Rahmen der jüngsten Liste der böhmischen Ordensprovinz, erschienen im Jahre 1940, zählte Hohenfurth damals 53 Ordenspriester, 7 Kleriker und 9 Laienbrüder. Der Konvent hatte also 69 Mitglieder und war damit einer der zahlenmäßig stärksten des Ordens (jedenfalls soweit es einzelne Klöster betrifft) und hatte in diesen Jahren den höchsten Personalstand seiner fast 700jährigen Geschichte. Der Großteil des Konvents war als Pfarrer oder Kapläne auf den Pfarreien tätig. 21 Patres, Kleriker und Laienbrüder wurden im Laufe des 2. Weltkrieges zum Militär eingezogen. 10 davon fielen auf den Kriegsschauplätzen (9 im Osten, 1 in Italien), nämlich 6 Patres, 3 Kleriker und 1 Laienbruder. P. Engelbert Blochl ging in Dachau an Hunger und Mißhandlungen zugrunde (gestorben zu Allerheiligen 1942). Zum Vergleich sei das Kloster Osek erwähnt, welches laut Ordenskatalog von 1940 einen Konvent von 31 Mann, nämlich 30 Patres und 1 Kleriker hatte.

    Die Vertreibung des Konventes nach 1945

    Nach der totalen Kapitulation im Mai 1945 bemühte sich Abt Tecelin Jaksch sofort eine Rückkehr in das Kloster Hohenfurth und eine Rückgabe des Klosters samt rechtmäßigem Besitz zu beantragen. Ein Übereinkommen gelang ihm infolge seiner guten Beziehungen, vor allem zum zurückgekehrten Präsidenten Benesch, auch sehr schnell. Damit schien zunächst der Bestand des Klosters wieder gesichert zu sein und alles wie früher weitergehen zu können. Aber sehr bald zeigte sich, daß die Anfeindungen von seiten der schon von Anfang an stark kommunistisch beeinflußten Behörden gegen das Kloster den nationalsozialistischen Verfolgungen in keiner Weise nachstanden. Die Vertreibung der ansässigen deutschen Bevölkerung mit dem Motto „Heim ins Reich" war in all seiner Unmenschlichkeit inzwischen bereits angelaufen. Einige Ordenspriester, die als Seelsorger auf den inkorporierten Pfarreien waren, wurden gleich mit ihren Pfarrangehörigen ausgesiedelt. Anderen gelang entweder die Flucht über die nahe österreichische Grenze oder durch Vermittlung von Abt Tecelin bei den tschechischen Behörden und von Abt-Präses Karl Braunstorfer von Heiligenkreuz (dessen hier in Dankbarkeit gedacht werden soll) bei den österreichischen Behörden die Übersiedlung in österreichische Klöster. Infolge der österreichischen Nachbarschaft waren ja bis zum 1. Weltkrieg die Verbindungen jeder, auch verwandtschaftlicher Art nach Österreich, vor allem also nach Linz und Wien, viel enger als die nach Budweis oder Prag. Auch hatte der Zisterzienserorden in Österreich, im Gegensatz zu Deutschland, eine ganze Reihe alter Stifte, welche die Hohenfurther Mitbrüder bereitwillig aufnahmen und gut gebrauchen konnten. So vor allem Heiligenkreuz, Rein, das damals ohne Abt war und wegen seines Personalmangels die meisten Hohenfurther Mitbrüder erhielt, ferner Lilienfeld, Zwettl und schließlich auch Wilhering, das Mutterkloster von Hohenfurth.

    Die zweite Aufhebung des Klosters Vyssi Brod/Hohenfurth

    Im Kloster Hohenfurth blieben nur Abt Tecelin Jaksch, sowie zwei Tschechische und fünf ältere deutsche Mitbrüder zurück. Abt Tecelin hoffte, mit diesen und einigen Neueingetretenen, welche er von überallher zu bekommen trachtete, einen neuen tschechischen Konvent aufbauen zu können. Doch die Lage des Klosters und seines kleinen Restkonventes wurde immer unhaltbarer. Es gab Hausdurchsuchungen, Vorladungen, Drohungen. Nach der kommunistischen Machtergreifung im Februar 1948 kam es am 4. Mai 1950 zum zweiten Mal innerhalb von neun Jahren zur Aufhebung des Klosters Hohenfurth. Die letzten deutschen Mitbrüder mußten schon früher Hohenfurth, in Richtung Österreich, verlassen. Am 26. Juli 1948 überschritt auch der letzte Abt Tecelin Jaksch die böhmisch-österreichische Grenze und ging zuerst in das Kloster Zwettl. Im Kloster Hohenfurth waren zuletzt nur noch die beiden tschechischen Mitbrüder, drei Kleriker, ein Novize und ein Laienbruder, die nach der Aufhebung nun auch das Kloster verlassen mußten. Im Kloster waren, soweit bekannt, zunächst die Kaserne der Tschechoslowakischen Armee, dann jahrelang Grenzschutztruppen für die Bewachung der mit Drahtverhau und Wachtürmen versehenen Grenze einquartiert. Nachdem inzwischen weiter landeinwärts eigene Kasernen gebaut wurden, standen die Konventgebäude leer.

    Der Versuch einer Neugründung und die Union der Konvente Rein und Hohenfurth

    Abt Tecelin Jaksch war am 20. November 1949 zum Apostolischen Administrator von Rein ernannt worden. Er starb dortselbst am 23. Mai 1954, also an seinem Namenstag, der auch sein Erwählungstag als Abt von Hohenfurth im Jahre 1925 war. Nach seinem Tod versuchte P. Nikolaus Lonsing, letzter Pfarrer und Dekan von Hohenfurth, als "Prior regens" des verwaisten Konventes in Deutschland eine Neugründung, und zwar in dem alten Kapuzinerkloster Schillingsfürst in Mittelfranken, Erzdiözese Bamberg. Einige Mitbrüder folgten ihm dorthin. Es erwies sich jedoch bald, daß es dort keine Möglichkeit einer Entfaltung und Entwicklung gab. So wurde die Neugründung im Januar 1959 wieder aufgehoben und die Mitbrüder kehrten nach Rein zurück. Auch wenn vielleicht gleich nach dem Krieg eine Neugründung leichter möglich gewesen wäre, so war es nunmehr aus verschiedenen Gründen dafür zu spät. Das Generalkapitel des Zisterzienserordens von 1958 schlug eine Vereinigung der Konvente von Rein und Hohenfurth vor, womit beiden Konventen geholfen wäre. Beide Konvente gingen darauf ein und am 7. Oktober 1959 kam eine diesbezügliche Vereinbarung zustande, 700 Jahre nach der Gründung des Klosters Hohenfurth. Seitdem führte das Kloster Rein die Bezeichnung Stift Rein-Hohenfurth und übernahm damit die Verpflichtung, im Falle der Möglichkeit das Kloster Hohenfurth wieder zu besiedeln. So wurden die beiden Klöster Hohenfurth und Rein in besonderer Weise miteinander verbunden: von ihrem Beginn her durch die Gründung von Hohenfurth über Wilhering und Rein und später dadurch, daß der letzte Abt von Hohenfurth Apostolischer Administrator von Rein wurde und die letzten Mönche von Hohenfurth sich mit Rein zum Konvent von Rein-Hohenfurth vereinigten. Inzwischen ist durch weitere Sterbefälle die Zahl der ursprünglichen Konventsmitglieder von Kloster Hohenfurth im Jahre 1977 auf 9 zurückgegangen, 8 Priester und 1 Laienbruder.

    Die Erneuerung des Klosterlebens in Hohenfurth

    Gott ist allerdings der Herr der Geschichte. Im Jahr 1990, nach der politischen Wende in der Tschechoslowakei, konnten die zwei letzten Hohenfurther Patres aus Tschechien - P. Xaver und P. Ivo - ins Kloster zurückkehren und das Ordensleben allmählich neu beginnen. Damals lebten in Rein noch P. Maurus, in Lilienfeld P. Paulinus und in Bayern Kanisius und P. Frowin. Sie konnten aus Alters- und Gesundheitsgründen allerdings nicht zurückkehren und bald kam ihr Leben zu einem Ende. Der neue Anfang war allerdings sehr eigenartig und abenteuerlich. Es konnte keine vollständige Kommunität von Mönchen das Kloster besiedeln, die eigene Zisterzienserkongregation blieb gelähmt und ohne Wirkung und die heutige tschechische Regierung hat kein Interesse am Klosterleben und die Ordensleute werden eher ökonomisch unterdrückt. Dennoch konnte im Jahr 1998 eine junge kleine Mönchsgemeinschaft das 800-jährige Jubiläum des Zisterzienserordens feiern.

    Diese Kommunität kämpft weiter um das Klosterleben in Hohenfurth und sucht Wege, es zu stärken. Diese Erneuerung des Klosterlebens wurde und wird durch die materielle Hilfe aus Österreich wesentlich erleichtert. Letztlich ist vor Gott nicht das Bestehen der Klostergebäude und das rechtliche Wesen des Klosters das wichtigste, sondern wieviel das Leben der Mönche zu Heiligkeit und Lobe Gottes beiträgt.

    Vorwort von Mathias Pangerl zum Urkundenbuch des Cistercienserstiftes B. Mariae V. zu Hohenfurt in Böhmen. Mit einem Anhange. In: FRA II/23 (Wien 1865) V-VIII bzw. S. 392.

    Unter den drei grösseren Klöstern, welche in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts im Thale der Moldau erstanden und welche sämmtlich dem Orden der Cistercienser angehören, ist Hohenfurt das älteste. Während nun die Stiftungen Premisl Ottokars II. und Wenzls II., Goldenkron und Königssaal, schon seit einer Reihe von Jahren nicht mehr existieren, blüht die bereits mehr als 600 Jahre zählende Stiftung der Herren von Rosenberg noch immer fort. Als deren erster Stifter wird in den Urkunden genannt der fromme und edle Wok von Rosenberg, einer der ersten Getreuen des Königs Premisl Ottokar II. Wok von Rosenberg war böhmischer Landesmarschall und starb im Jahre 1262 als Landeshauptmann der Steiermark. Der Beginn seiner frommen Stiftung fällt in das Jahr 1259.

    Die Geschichte des Cistercienserstiftes Hohenfurt wurde zwar schon mehrfach bearbeitet, aber nur zwei dieser Bearbeitungen sind im Drucke erschienen (Pillwein´s Abriss der Geschichte des Cistercienserstiftes Hohenfurt (Österreich. Arch. 1833, Nr. 123 und 124) mit seinen falschen "Berichtigungen" ist kaum hieher zu rechnen.). Die erste derselben erschien als "eine diplomatische Skizze" im Jahre 1814 zu Prag unter dem Titel: "Der Ursprung des Cistercienser-Stiftes Hohenfurt in Böhmen". Ihr Verfasser war der Stiftsangehörige X. M. Millauer, der intime Freund des gelehrten Florianer Stiftsherrn F. Kurz. Es ist diese Schrift, in welcher 27 der älteren bis dahin theilweise ganz unbekannten Urkunden des Stiftes nebst guten Anmerkungen abgedruckt wurden, bereits ziemlich selten geworden.

    Die zweite Bearbeitung erschien im Jahre 1859 aus Anlass des Jubiläums, welches das Stift zur Erinnerung an sein 600jähriges Bestehen feierte. Diese Schrift: "Das Cistercienserstift Hohenfurt in Böhmen, von Dr. Franz Isidor Proschko, Linz 1859", ist aber ziemlich flüchtig und wenig kritisch gearbeitet und hat daher auch nur geringen Werth.

    Die Geschichte der bedeutendsten Rosenbergischen Stiftung hat also nach dem eben Gesagten bei ihrer Bearbeitung noch immer nicht die ihr gebührende Aufmerksamkeit gefunden. Der Herausgeber dieses Urkundenbuches hat sich nun mit großer Vorliebe für die Sache daran gemacht, eine ausführliche und kritische Geschichte dieser Stiftung zu verfassen. Als Vorläufer derselben gibt er dieses Urkundenbuch, dessen Erscheinen die Freunde böhmischer Geschichtsforschung wohl freundlich begrüssen dürften.

    Die Abschriften der Urkunden machte der Herausgeber mit grösstmöglicher Genauigkeit, so wie er auch auf die Beschreibung der Siegel bedeutende Sorgfalt verwendete. Nach seinem besten Wissen hat man bei Herausgabe von Urkundenbüchern bisher den an den Urkunden besfestigten Siegeln zu geringe Aufmerksamkeit geschenkt. Denn hat auch das an der Urkunde hängende Siegel für den Geschichtsforscher nur wenig oder gar kein Interesse, so hat es doch ein solches und vielleicht bedeutendes für den Diplomatiker und Sphragistiker. Diesen sollten nun darüber von den Herausgebern der Urkundenbücher wenigstens ausführlichere und verlässlichere Andeutungen gegeben werden, als es bis jetzt geschehen ist, da man sich meist mit höchst mageren Angaben über Gestalt, Legende, Zeichen u.s.w. des Siegels begnügt hat. Übrigens soll auch nicht übersehen werden, dass die Siegel zu den wichtigsten Quellen der Genealogie gezählt werden müssen.

    Man wird unter den nachstehenden Urkunden die eine und die andere finden, welche nach ihrem Inhalte in ein Urkundenbuch des Stiftes Hohenfurt scheinbar nicht gehören. Ich sage "scheinbar"; ein Beispiel soll diesen Ausdruck näher erklären. Die Cistercienser von Hohenfurt kauften z. B. im 16. Jahrhunderte von den Cisterciensern in Goldenkron ein Gut. Nun liessen sich jene von diesen, die Käufer von den Verkäufern, ausser dem Kaufobjecte auch alle auf dasselbe Bezug habenden und bis dahin ausgestellten Urkunden ausliefern. Ich fand daher keinen Grund, derartige Urkunden von dieser Sammlung auszuschliessen. Wenn sich nichts desto weniger auch einige wenige finden, auf welche obiges Beispiel keine Anwendung findet, so ist ihre Aufnahme hier wegen des Interesses, das sie sonst dem Geschichtsforscher bieten, erfolgt. Freilich ist durch dieses Verfahren das Urkundenbuch des Cistercienserstiftes zu Hohenfurt mehr zu einem Urkundenbuche, zusammengestellt aus den Schätzen des Hohenfurter Stiftsarchives, geworden. Ich hoffe aber, dass man mir dieses Verfahren nicht als groben Fehler anrechnen wird.

    Die Räumlichkeit, auf welche sich der Inhalt der in dieser Sammlung erscheinenden Urkunden bezieht, ist keineswegs eine beschränkte, von nur geringem Umfange, sondern eine ziemlich ausgedehnte. Denn nicht allein das südliche Böhmen, sondern auch das oberösterreichische Mühlviertel und Theile des Landes unter der Enns fallen in den Rahmen dieses Urkundenbuches. Namentlich in Nieder-Österreich erscheint das Stift Hohenfurt schon im zweiten Jahre nach seiner Gründung als begütert und ist es da geblieben bis zum heutigen Tage, während ihm seine Besitzungen in Ober-Österreich bereits ziemlich früh verloren gingen.

    Schliesslich sei noch bemerkt, dass sämmtliche nachstehende Urkunden im Stiftsarchive aufbewahrt, dass sie mit nur wenigen hier besonders namhaft gemachten Ausnahmen durchaus Originale und mit gleichfalls nur wenigen Ausnahmen durchaus auf Pergament geschrieben sind.

    Wien, im November 1862. Mathias Pangerl.

    (...)

    Das Stift Hohenfurt bewahrt unter seinen urkundlichen Schätzen (bei 300 Originalurkunden) aus den Jahren 1259-1500 auch die unten folgenden 21 Originalurkunden [siehe vorl. Nr. 298-319]. Es lässt sich gar nicht erklären, auf welche Weise dieselben den Weg in das Stiftsarchiv, wo sie schon seit ziemlich langer Zeit aufbewahrt werden, gefunden haben. Der Inhalt dieser Urkunden ist den früheren Verhältnissen des Stiftes Hohenfurt nicht nur gänzlich fremd, sondern liegt auch in örtlicher Beziehung, was besonders von den Urkunden Nr. 18 [vorl. Nr. 315] und 21 [vorl. Nr. 318] gilt, von diesem sogar weit abseits. Die Urkunden Nr. 18 und 21 betreffen nämlich Rechtsverhältnisse, die sich in Mähren abgewickelt haben. Die anderen dagegen, mit Ausnahme von Nr. 1 [vorl. Nr. 298], 13 [vorl. Nr. 310], 14 [vorl. Nr. 311] und 22 [vorl. Nr. 319], beziehen sich auf das alte Augustiner-Chorherrnstift zu Reichersperg im Innviertel und dessen Besitzungen in Niederösterreich, namentlich in und um Krems. Bis zum Jahre 1500 sind, soviel mir bekannt ist, die Reichersperger Augustiner mit den Cisterciensern zu Hohenfurt in keine Berührung gekommen. In den Urkunden lässt sich hiefür nicht der geringste Anhaltspunkt finden. Man kann daher auch nicht dem Gedanken Raum geben, dass die hier veröffentlichten Urkunden in Folge eines Besitzwechsels nach Hohenfurt gekommen sind.

    Die Urkunde Nr. 1 fand ich in einem Formelbuche aus dem 15. Jahrhunderte. Deren Inhalt bietet leider keinen solchen Anhaltspunkt, dass man bei einiger Mühe mit Gewissheit bestimmen könnte diese Urkunde könne nur dem Herzoge Rudolf II. und diesem oder jenem Jahre angehören. Es ist diese Urkunde, falls ihr Inhalt echt ist, wohl die interessanteste von allen Urkunden dieser kleinen Sammlung. Wenige Bedeutung haben dagegen Nr. 13, 14 und 22. Ich gab diese so wie einige andere in Form eines ausführlichen Regestes, welches alles enthält, was in der betreffenden Urkunde Wissenswerthes vorkommt.

    http://www.klaster.vyssibrod.cz/deutsch/geschichte.html