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FondGaming, Kartäuser (1311-1753)
  1. Stiftsgeschichte
  2. Als Herzog Friedrich der Schöne 1322 in Gefangenschaft Ludwigs des Bayern geriet, gelobten Herzog Albrecht II. von Österreich und sein Bruder Leopold ein Kloster zu stiften, wenn er befreit würde. Aber auch zu Ehren der hl. Dreifaltigkeit, der Gottesmutter und aller Heiligen sowie zum Seelenheil seiner Vorfahren sollte dieses Kloster erbaut werden. Unmittelbarer Anlass für die Klostergründung im Jahr 1330 dürften für Herzog Albrecht II. der Tod seines Bruders Friedrich und der Beginn seiner eigenen durch Vergiftung erlangten schweren Krankheit gewesen sein. Unter Beteiligung seiner Frau Johanna von Pfirt und seines Bruders Otto, der schon das Zisterzienserkloster Neuberg an der Mürz gegründet hatte, ging Albrecht II. daran, dieses Kloster in der Gegend von Gaming ("iuxta villam quae Gemnich dicitur") zu errichten und es den Kartäusern zu übergeben. Der Orden des heiligen Bruno hatte sich von Chartreuse aus zuerst in Frankreich und schließlich in ganz Europa ausgebreitet und konnte Anfang des 14. Jahrhunderts auch in Österreich Fuß fassen. Für die Wahl dieses Ordens war ausschlaggebend, dass er von Rom mehrfach privilegiert worden war und Albrechts Brüder, vor allem Friedrich, der 1316 die Kartause Mauerbach gegründet hatte, für diesen Orden eintraten. Auch der Einfluss des Priors Gottfried von Mauerbach, der ein enger Berater der Herzöge war, ist einzubeziehen. Mit der Auswahl des Standorts Gaming hofften die Herzöge, in diesem Gebiet noch weiteres Land erschließen und kultivieren zu können und damit auch ein Zeichen zu setzen, dass die Habsburger ihren Herrschaftsschwerpunkt vom Südwesten des Reiches nun in die österreichischen Länder verlegen und hier heimisch werden wollten. Hier, gleichsam im Mittelpunkt der Herzogtümer Österreich und Steiermark, sollte eine Doppelkartause, also für 24 Mönche und für einen Prior, errichtet werden und damit die größte Kartause der deutschen Ordensprovinz entstehen. Die ersten Mönche kamen aus Mauerbach. Mit dem Prior Martin von Ungarn, der der erste Prior von Gaming wurde und ebenfalls aus Mauerbach gekommen war, hatte Gaming einen tatkräftigen Mann an der Spitze des Klosters, der umsichtig die Geschicke der ersten Jahre des Klosters lenkte. Dem ersten Stiftungsbrief vom 24. Juni 1330 folgte nach beträchtlichen Besitzerwerbungen eine zweite Urkunde von 1352, in denen die Ausstattung des Klosters angegeben und bestätigt wurden: die Besitzschwerpunkte des Klosters bildeten die Gebiete um den Lunzer See und Scheibbs, die Pfarren Gaming, Oberndorf an der Melk, Ruprechtshofen und Scheibbs wurden der Kartause einverleibt. In der Steiermark unterstand die Herrschaft Donnersbach der Kartause und weiteren Streubesitz hatte das Kloster im Weinviertel und Weingärten in Wien 19 (Sievering, Grinzing, Nussdorf), Kritzendorf, Perchtoldsdorf und Baden. Weiters sollte das Kloster Einkünfte aus der Saline in Hallstatt, aus der Maut in Mauthausen, Eisen aus Vordernberg erhalten, und alles, was für den Bau des Klosters sowie für den Eigenbedarf der Mönche notwendig ist, sollte frei von Abgaben sein. Die Vogtei behielt sich der Herzog vor. Die Mönche wiederum verpflichteten sich für den Stifter Albrecht II., für seine Frau Johanna, ihre Kinder und weitere Personen der engeren Verwandtschaft Jahrtage abzuhalten. Die kirchliche Anerkennung durch den Passauer Bischof Albrecht, der ein Onkel Herzog Albrechts war und in dessen Diözese das neue Kloster stand, und päpstliche Bestätigungen erfolgten kurz nach der ersten Stiftungsurkunde. Die Aufnahme des Klosters in den Ordensverband wurde 1337 vorgenommen, was schon auf eine gewisse Normalisierung des Klosterlebens zu diesem Zeitpunkt schließen lässt. Da der Herzog vorerst kaum Eigengut in der Umgebung von Gaming hatte, war Albrecht bemüht, das Stiftungsgut durch Käufe und Tausch für die Ausstattung des Klosters und der Mönche zu erweitern. Angesichts der Errichtung als Doppelkartause musste eine entsprechend hohe Ausstattung den Lebensunterhalt der Mönche gewährleisten. Der Herzog war ständig bestrebt, die Besitzungen des Klosters abzurunden und zu vermehren. Der Bau der Klosteranlagen ging zügig voran: 1333 erfolgte die Grundsteinlegung, bereits 1340 konnte der Kapitelsaal geweiht werden und 1342 erfolgte die Weihe der Klosterkirche und des Klosters. Bis zum Tod Albrechts 1358 konnte die Klosteranlage fertiggestellt werden. Albrecht II., seine Frau Johanna von Pfirt und Elisabeth von Böhmen, die Frau ihres Sohnes Albrechts III., wurden in der Klosterkirche beigesetzt. Die Grabanlage wurde nach der Aufhebung des Klosters zerstört, die herzoglichen Gebeine wurden 1797 in die Pfarrkirche transferiert. Im Zuge der Renovierung und Wiederherstellung der Kartause ab 1983 konnten die herzoglichen Gebeine 1985 wieder in die Klosterkirche übertragen werden. Mitte des 15. Jahrhunderts wurde die Friedhofskapelle im Großen Kreuzganghof gebaut. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts erlebte Gaming eine kulturelle Blüte, mehrere Professoren an der Wiener Universität kamen aus Gaming. Anfang des 17. Jahrhunderts wurde unter Prior Hilarion (1609-1640) die Klosteranlage einer gründlichen Renovierung unter Beibehaltung des ursprünglichen Zustands unterzogen, Anfang des 18. Jahrhunderts wurden Klosterkirche und Bibliothek barockisiert. 1782 wurde die Kartause unter Kaiser Joseph II. aufgehoben, Teile des Klosters wurden abgerissen, die Mönchszellen privatisiert, das Inventar verkauft. Einige Teile aus dem Kircheninventar sind so für die Nachwelt erhalten geblieben. Nach mehreren Besitzerwechseln und verschiedenen Nutzungen in den folgenden Jahren gelangte die Kartause 1983 in Privatbesitz und wurde bis 1994 gründlich renoviert und neuen Widmungen zugeführt: es entstanden Museum, Hotel, Restaurant und 3 Universitäten errichteten in den ehemaligen Klostergebäuden ihre Niederlassungen.

  3. Bestandsgeschichte
  4. Nach der Aufhebung des Klosters 1782 wurde das Gaminger Archiv nach Wien in das Klosterarchivdepositorium verbracht. Dort wurden die Archivalien nach bestimmten Kriterien neu geordnet und auf neu dafür eingerichtete "Behörden" aufgeteilt. Viele wertvolle Stücke aus dem reichhaltigen Gaminger Archiv gingen in den folgenden Jahren auf verschiedene Arten verloren, aber 1836 konnte ein Großteil, 1846 und 1850 weitere Teile des Urkundenbestandes in das Haus-, Hof- und Staatsarchiv in Wien übertragen werden. Bei der jeweiligen Übernahme wurden die Urkunden in den Repertorien verzeichnet, die nun die Grundlage für die Aufnahme in die MOM-Datenbank bildeten.

  5. Folgende Ausführungen zur Stifts- und Bestandsgeschichte sind aus:
  6. Hildebrand, Walter (Hg.), Kartause Gaming. Ausstellung anläßlich der Wiederherstellung des Herzogsgrabes. Herzog Albrecht II. und die Kartause Gaming (Gaming 1985).

    Karlitzky, Felix Anton, Studien zur Geschichte der Kartause Gaming mit besonderer Berücksichtigung des 16. Jahrhunderts (DA Wien 1993).

    Latzke, Walter, Die Klosterarchive, in: Gesamtinventar des Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchivs 3 (1938) 434-455 (Gaming).

    Paulhart, Herbert, Die Kartausen Gaming und Mauerbach, in: Die Zeit der frühen Habsburger. Dome und Klöster 1279-1379. Katalog zur Niederösterreichischen Landesausstellung (Wiener Neustadt 1979) 279-284.

    Spreitz, Edmund Ferdinand, Zur älteren Geschichte der Kartause Gaming (Diss. Wien 1929, gedruckt: Analecta Cartusiana 58/4, 1986).

    Stelzer, Winfried, Gründung und Grablege Herzog Albrechts II. von Österreich, in: Kunst des Heilens. Aus der Geschichte der Medizin und Pharmazie. Katalog zur Niederösterreichischen Landesausstellung (Gaming 1991) 29-36.

    Für weitere Literaturhinweise siehe:

    Paulhart, Herbert, Schrifttum zur Geschichte der niederösterreichischen Kartausen Aggsbach, Gaming und Mauerbach, in: Unsere Heimat 39 (1968) 129-132.

    Grausam, Georg, Weiteres Schrifttum zur Geschichte der Kartausen NÖ Aggsbach, Gaming und Mauerbach, in: Unsere Heimat 39 (1968) 234-237.

  7. Editionskritik
  8. Die Regesten, welche die Grundlage für die Aufnahme in diese Datenbank bilden, wurden den Archivrepertorien entnommen. Die Schreibung der Orte und Personen wurde, soweit möglich, in moderne Schreibweise übertragen. In Bezug auf den Inhalt ist die Qualität der Regesten in den meisten Fällen für einen ersten Überblick ausreichend, für eine diplomatische Analyse der Stücke bieten die Regesten allerdings kaum Anhaltspunkte, nur wenige Angaben gibt es zur Art der Überlieferung, über das Vorhandensein von Siegeln etwa geben die Regesten keinerlei Auskunft. Da die Urkunden der Kartause Gaming kaum gedruckt sind, bietet die Aufnahme der Regesten in die MOM-Datenbank eine wertvolle Grundlage für weitere Studien und Forschungen.

Mag. DI Renate Spreitzer, Email: renate.spreitzer@monasterium.net