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Collection: Illuminierte Urkunden - Bischofsammelablässe
Diese Sammlung ist eine Teilmenge der Sammlung Illuminierte Urkunden

Bischofsammelablässe

Bischofsammelindulgenzen sind Bestseller gewesen, seit man in den 1280er Jahren an der päpstlichen Kurie damit begann sie auszustellen. Denn einer ungeschriebenen Übereinkunft zufolge wurden die 40 Tage Erlass zeitlicher Sündenstrafen, die im Text erwähnt sind, mit der Anzahl der siegelnden Bischöfe multipliziert. Dadurch war es mit einer einzigen Urkunde möglich, je nach Anzahl der Aussteller gleich mehrere hundert Tage Ablass zu erhalten.

Um eine solche Urkunde zu erwerben, musste sich ein Bittsteller am jeweiligen Ort einfinden, wo sich der Papst, und mit ihm auch Bischöfe, aufhielt. Die mit einem Sammelablass begünstigte Kirche profitierte in mehrfacher Hinsicht von dieser Urkunde: Mehr Gläubige besuchten das Gotteshaus und sie brachten Spenden mit, von denen der Unterhalt oder gar Umbauten finanziert werden konnten.

Ablassbriefe sind somit als Werbemittel zu verstehen, denn ihre Funktion besteht darin, den Gläubigen auf die Ablassgelegenheit aufmerksam zu machen. Deshalb sind die Urkunden in den meisten Fällen gross, denn die vielen Bischofssiegel sollten ansprechend platziert werden. Wegen des üppigen Formats konnte die Schrift grosszügig auf dem Pergament verteilt werden; das diente wiederum der Lesbarkeit. Die Anfangsinitiale, das U(niversis), wurde schnell besonders gross geschrieben und löste so zusammen mit den vielen Siegeln eine Signalwirkung aus, gewissermassen ein Erkennungszeichen eines Sammelablasses. Bereits in Rom hatte man damit begonnen, die Anfangsinitiale zu dekorieren; Farbe kam jedoch erst hinzu, als Papst Clemens V. (amt. 1305-1314, Verlegung des Amtssitzes nach Avignon 1309) schon eine Weile in Avignon residierte.

Die Werkstatt für die Illuminierung der Ablässe in Avignon hat in den 34 Jahren ihres Bestehens eine rasante Entwicklung durchgemacht, um ihren Kunden ständig Neuerungen im Dekor liefern zu können. Aus unbekannten Gründen endete deren Tätigkeit 1348 – vielleicht wegen der Pest, die in dieser Zeit in Avignon wütete. Danach nämlich wurden Ablassurkunden zwar noch in Avignon geschrieben und ausgestellt, das grosse „U“ wurde jedoch nur mit dicken Tintenstrichen vorgezeichnet. Somit mussten sich die Bittsteller selbständig um die farbige Dekoration kümmern – entweder noch in Avignon oder in ihren Heimatorten. 1364 schliesslich brach die Produktion ab (der bisher letzte bekannte Ablass mit solchen nachträglichen Illuminationen datiert vom 1. Oktober für Wunsiedel). Papst Urban V. (amt. 1362-1370) bestimmte nämlich in diesem Jahr, dass alle sich an der Kurie aufhaltenden Bischöfe Avignon innerhalb von drei Monaten zu verlassen hatten. Bischöfe waren zwar auch danach noch vor allem in kurialen Ämtern am päpstlichen Hof nachweisbar, doch wurden kuriale Bischofsammelablässe bis in das erste Viertel des 15. Jahrhunderts nur mehr vereinzelt und dann ohne Illuminationen ausgestellt.

Gabriele Bartz, Markus Gneiss