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FondUrkunden Suben (1142-1397)
  1. Stiftsgeschichte
  2. Der genaue Zeitpunkt der Gründung eines Kollegiatsstiftes in Suben lässt sich aufgrund der Überlieferungssituation nicht eindeutig festmachen; der Zeitraum lässt sich aber auf die Jahre zwischen 1080 und 1100 eingrenzen. Das Stift wurde durch Tuta, die Tochter des Grafen Heinrich von Formbach und Gattin König Belas I. von Ungarn gegründet und ausgestattet. Auch Tutas Nachkommen beschenkten die junge Stiftung, die durch Bischof Altmann von Passau 1142 in ein Augustiner Chorherrenstift umgewandelt und dem Domstift Salzburg unterstellt wurde. Von dort wurden auch die Pröpste bestellt. 1236 beurkundet Papst Gregor IX. dem Stift zum ersten Mal die freie Propstwahl - sie konnte aber erst 1474 gegenüber Salzburg durchgesetzt werden.

    Der verhältnismäßig kleine Konvent - durchschnittlich gehörten ihm etwa 20 Chorherren an - erlebte bereits unter seinem zweiten Propst Chuno (1153-1167) eine bescheidene Blütezeit.

    Die Vogtei über die Kanonikergemeinschaft übten die Grafen von Schaunberg aus, die diese bis zu ihrem Aussterben 1559 innehatten.

    Ab 1207 erlangte das Stift mehrere Privilegien, die ihm die Mautfreiheit für Salz, Wein und Käse garantierten. Bis ins 15. Jahrhundert gibt es nur äußerst spärliche Quellen über die wirtschaftliche Lage im Stift, das fast völlige Fehlen inkorporierter Pfarren dürfte aber die finanzielle Lage des Konvents bescheiden gehalten haben.

    1356 ist in einer Urkunde die Existenz eines Frauenkonvents in Suben bezeugt; über die Dauer dieser Einrichtung schweigen die Quellen.

    Dasselbe gilt für die Einführung der Raudnitzer Reformstatuten im Jahr 1451, ob sie gelang, ist nicht bekannt. Man weiß aber, dass Subener Chorherren als Pröpste in andere Stifte berufen wurden.

    Im 16. Jahrhundert wurde auch die kleine Chorherrengemeinschaft am Inn von protestantischem Gedankengut durchdrungen. Erst am Ende des Jahrhunderts griff unter Propst Michael Hererig (1591-1599) die Gegenreformation.

    Anfang des 17. Jahrhunderts wurde dem Stift von Herzog Maximilian von Bayern die Bierbrauerei für den Eigenbedarf gestattet. Ab der Mitte des Jahrhunderts folgte eine Phase intensiver Bautätigkeit unter den Pröpsten Aquilin Sattelpogner (1672-1678), Ernest Theophil Scharrer (1679-1696) und Gregor II. Raiffauer (1696-1720).

    Die Auswirkungen der josephinischen Reform belasteten die Chorherrengemeinschaft schwer. 1781 überprüfte eine Kommission das Stift auf seine Notwendigkeit und befand es als erste oberösterreichische Klostergemeinschaft als entbehrlich. Am 6. März 1784 wurde das Augustiner Chorherrenstift aufgehoben. Der letzte Propst Wilhelm Weber starb 1789.

    1855 kam das Gebäude an den k.k. Strafhausfonds und beherbergt seit 1865 eine Männerstrafanstalt.

    Literatur:

    Gregor SCHAUBER, Suben, in: Die ehemaligen Stifte der Augustiner-Chorherren in Österreich und Südtirol, hrsg. von Floridus RÖHRIG (Klosterneuburg 2005) 609-641.

    Franz ENGL, Das ehemalige Augustiner Chorherrenstift Suben am Inn, in: 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. (=Katalog zur Ausstellung des Landes Oberösterreich 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn, Linz 1984) 67-79.

    Suben, in: Orden, Säkularinstitute und Geistliche Gemeinschaften in der Diözese Linz. Eine historisch-topographische Dokumentation, hrsg. von Monika WÜRTHINGER und Josef HÖRMANDINGER (Linz 2005) 43-45.

    Fritz DWORSCHAK, Neunhundert Jahre Stift Suben am Inn, in: Oberösterreichische Heimatblätter Jg. 6/Heft 3 (1952) 296-318.

    Ignaz ZIBERMAYR, Das Oberösterreichische Landesarchiv in Linz. Im Bilde der Entwicklung des heimatlichen Schriftwesens und der Landesgeschichte (Linz 31950) 232.

    Klaus RUMPLER, Stiftsarchiv Suben, in: Haus der Geschichte. Die Bestände des Oberösterreichischen Landesarchivs, hrsg. vom Oberösterreichischen Landesarchiv (= MOÖLA Erg.Bd. 10, Linz 1998) 104-105.

    Erich TRINKS, Die Bestände des oberösterreichischen Landesarchivs, in: MOÖLA 1 (1950) 7-105.

  3. Bestandsgeschichte
  4. Der größte Teil der Archiv- und Bibliotheksbestände ging bei der Aufhebung des Stiftes verloren. 62 Kisten Archivalien wurden nach Linz gebracht. Obwohl unter Propst Gregor Raiffauer 1697 die Bestände geordnet und in neuen Schränken untergebracht worden waren, war zum Zeitpunkt der Aufhebung kein Archivverzeichnis auffindbar. 22 Handschriften und etwa 30 Inkunabeln kamen in die Oberösterreichische Landesbibliothek, Archivalien aus der Zeit von 1589 bis 1800 werden im Oberösterreichischen Landesarchiv verwahrt. Einige ältere Bestände wie Privilegien aus der Zeit von 1142 bis 1659 landeten im Bayerischen Hauptstaatsarchiv in München. Von den spärlichen Überresten des Stiftsarchivs sind ein Kopialbuch mit wörtlichen Urkundenabschriften aus dem Jahr 1589 und das so genannte "Diarium Subense", das den Zeitraum von 1681 bis 1780 erfasst, erhalten.

  5. Benützte Editionen/Regestenwerke
  6. Oberösterreichisches Urkundenbuch 2 - 6, 8 - 11

  7. Editionskritik
  8. OÖUB

    In den Statuten des am 19.11.1833 gegründeten oberösterreichischen Musealvereines, der die Sammlung, Verzeichnung, Beschreibung und Erklärung der Denkmäler der oberösterreichischen Geschichte zur Aufgabe hatte, findet sich unter Punkt 2 folgende Aufgabe: "[...] eine Sammlung von Urkunden [anzulegen], welche die Geschichte dieser Provinz im allgemeinen oder einzelner Ortschaften oder denkwürdiger Personen insbesonders betreffen, vorzüglich aber jener, welche geeignet sind, das Andenken von Stiftern und Wohlthätern zu erhalten oder das Leben und die Verfassung längstverschwundener Jahrhunderte anschaulich zu machen". Um diesem Anspruch eines territorial ausgerichteten Urkundenbuchs gerecht zu werden, wurde 1836 eine eigene Sektion des historischen Fachs zur Sammlung und Bearbeitung urkundlicher Geschichtsquellen des Landes ob der Enns eingerichtet, deren erste Aufgabe die Anlage des so genannten "Diplomatariums", einer Sammlung von Abschriften aller das Land ob der Enns betreffenden Urkunden bis 1519, war. Dies sollte bereits hinsichtlich eines zukünftigen "Codex diplomaticus Austriae super Onasum" geschehen. Der dafür zuständige Referent war ab 1837 Jodok Stülz, Chorherr in St. Florian, seine unmittelbaren Mitarbeiter Georg Weishäupl, Ferdinand Wirmsberger und Mansuet Aust. Von 1837 bis 1862 wurde das Diplomatarium erstellt, das die Originale bis 1500 erfasst, die kopiale Überlieferung aber nicht systematisch berücksichtigt.

    Ab 1852 wurde das "Urkundenbuch des Landes ob der Enns" herausgegeben, wobei der erste Band die "Codices traditionum" enthält. Herausgeber war Andreas von Meiller, der für die endgültige Gestaltung verantwortlich war.

    Im Vorwort zum ersten Band des Urkundenbuches werden die Editionsrichtlinien folgendermassen definiert: "Bei dieser Sammlung wurde der Grundsatz festgehalten, dass es sich zuerst und vorzüglich darum handle, einen buchstäblich getreuen Text der Urkunden wiederzugeben. Zufolge desselben wurde jedes Original, welches aufgefunden werden konnte, mit sorgfältiger Genauigkeit abgeschrieben, und dann erst der Sammlung einverleibt, nachdem [...] die Abschrift mit der Urschrift war verglichen worden. [...] Wo kein Original mehr vorhanden war, musste man zu Copialbüchern oder anderen Abschriften seine Zuflucht nehmen. Nur von der genauen Copirung der urkundlichen Unterscheidungszeichen, und der Bezeichnung der Anfänge der Zeilen glaubte man Umgang nehmen zu müssen, da der daraus entfallende Gewinn in der That doch ziemlich gering anzuschlagen ist. Auch falsche oder verdächtige Urkunden, deren Anzahl indessen jedenfalls klein ist, glaubte man nicht ausschliessen zu dürfen. Oft ist nur die Form unecht, während der Inhalt Wahres bezeugt."

    Die Urkunden sind in chronologischer Reihenfolge in Volltext aufgenommen, Datum und Ort sind aufgelöst und sie verfügen über ein kurzes Kopfregest. Außerdem wird die wichtigste Literatur genannt.

    1869 wurde Stülz von Pius Schmieder als Referent abgelöst, dem 1875 Johann Nepomuk Faigl und 1899 Viktor Freiherr von Handel-Mazzetti nachfolgten. 1912 wurde das Unternehmen eingestellt und das gesamte Material des Diplomatars dem Oberösterreichischen Landesarchiv übergeben, das das Urkundenbuch ab 1929 fortführte.

    Im Vorwort von Erich Trinks zum zehnten Band des Urkundenbuchs (1938) geht dieser auf die Problematik des Diplomatars ein, dessen Abschriften teilweise nahezu hundert Jahre alt sind und in der Qualität naturgemäß unterschiedlich. "Eine Neuvergleichung der deutschsprachigen Urkunden, die in etwa 50 Archiven verstreut sind, wäre wegen des Aufwandes an Zeit und Kosten nicht ausführbar gewesen, hätte sich aber auch nicht gelohnt, [...] auch ist die genaue Berücksichtigung der Orthographie, besonders der Interpunktionen und phonetischen Zeichen, so wichtig sie für die sprachwissenschaftliche Forschung wäre, bei Urkundenveröffentlichungen für den allgemeinen Gebrauch nicht angebracht, weil die Fremdartigkeit des Schriftbildes [...] auf den Benützer überaus störend wirkt [...]." Nicht mehr alle Urkunden wurden volltextlich aufgenommen; bei denjenigen, die von den Herausgebern als stark formelhaft eingeschätzt wurden, "wurde [...] unter Hinweglassung aller Formeln der gegenständliche Inhalt der Urkunde mit deren eigenen Worten herausgelöst und in kurzer Form die Verbindung zwischen den einzelnen Teilen hergestellt [...]." Das führt dazu, dass ein Teil der Urkunden in einer Mischform zwischen Edition und Regest dargeboten wird, die sicher nicht allen Fragestellungen gerecht wird.

    1956 lagen mit dem 11. Band die Urkunden bis 1400 vor. Erst 2005 wurde vom Oberösterreichischen Landesarchiv gemeinsam mit der "Gesellschaft für Landeskunde" (früher Oberösterreichischer Musealverein) die Initiative ergriffen, um einerseits dieses Großprojekt über das Jahr 1400 hinaus weiter in die Neuzeit fortzusetzen und andererseits die bereits vorliegenden Bände kritisch zu überarbeiten und zu ergänzen. Die wesentlichen Ziele sind einerseits die Aufnahme aller urkundlichen Quellen im Bereich des heutigen Bundeslandes Oberösterreich bis in die Neuzeit in eine Datenbank und die Erstellung und Veröffentlichung zeitgemäßer Regesten und Transkriptionen, andererseits die Bereitstellung digitaler Abbildungen im Internet. Diese Zielsetzungen decken sich teilweise mit jenen des Projektes Monasterium.Net, weshalb eine intensive und für beide Seiten ertragreiche Kooperation vereinbart wurde.

    Literatur:

    Erich TRINKS, Das Urkundenbuch des Landes ob der Enns, in: JbOöMV 85 (= Festschrift zum hundertjährigen Bestand des oberösterreichischen Musealvereines und des Landesmuseums, Linz 1933) 587-636.

Kathrin Kininger