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FondTulln, Dominikanerinnen (1204-1742)
Bestandsgeschichte

Tulln – Dominikanerinnenkloster Hl. Kreuz Zur Erinnerung und als Dank an die siegreiche Schlacht auf dem Marchfeld von 1278 stiftete König Rudolf I. 1280 in Tulln ein Kloster und übergab es dem Orden der Dominikanerinnen. Es war dies die erste Klostergründung eines Habsburgers in Österreich und zugleich die einzige Gründung durch Rudolf I. Die Grundsteinlegung erfolgte noch im gleichen Jahr der Stiftung und schon 10 Jahre später, 1290, konnte die Kirche in Anwesenheit König Rudolfs I. zu Ehren Unserer Lieben Frau Verkündigung geweiht werden. Die Klosterfrauen waren bis zur Fertigstellung in das Haus des Landschreibers Konrad von Tulln gezogen, das der an Geld und politischem Einfluss reiche Konrad für den Orden zur Verfügung gestellt hatte. Dieser Teil des Klosters wurde später Pfalz oder Altes Klosterhaus genannt. Die diesem Hof benachbarte Kapelle zum Hl. Kreuz diente bis zur Fertigstellung der neuen Nonnenkirche als Gotteshaus, nachher war es die Klosterkirche des Männerklosters, dem sie den Namen gab. Konrad gründete ca. 1283 ein Dominikaner-Männerkloster und trat selbst in diesen Orden. Als Prior leitete er dieses kleine Männerkloster, das das Frauenkloster seelsorglich zu betreuen hatte. In der Reformationszeit verfiel das Kloster und erlosch im 16. Jahrhundert.Die ersten Nonnen kamen aus dem Dominikanerkonvent in Laa an der Thaya, das 1280 mit der Gründung von Tulln hierher verlegt worden war. Damit kam auch der Besitz des Laaer Konvents an Tulln.Rudolf, der sein Kloster als Familiendenkmal wissen wollte, ließ das Kloster reichlich mit Besitz ausstatten, aber auch die Kirche wurde aufwendig gestaltet. Die dreischiffige saalartige Hallenkirche sollte Vorbildwirkung auf die Architektur in den folgenden Jahrzehnten haben. Wahrscheinlich wollte Rudolf die Kirche auch als Grablege für seine Familie bauen, zu dem ist aber nicht gekommen. Als einzige Habsburgerin ist Euphemia, eine illegitime Tochter Friedrichs des Schönen, die auch Nonne im Kloster war, hier begraben. Das Dominikanerinnenkloster Tulln aber hatte großes Ansehen bei den Habsburgern, die dem Kloster immer wieder Schenkungen machten und Privilegien ausstellten. Auch die Stiftung von Jahrtagen hob das Ansehen des Klosters.Der Besitz des Klosters lag vornehmlich im Gebiet um Tulln und im Weinviertel, Weingärten hatte das Kloster auch in Döbling und Nußdorf, die Vogtei behielt sich der Landesfürst vor. Auch der Landschreiber Konrad vermachte dem Kloster reiche Schenkungen, u.a. schenkte er dem Kloster sein Haus auf dem Kienmarkt in Wien mit der darin befindlichen Dreifaltigkeitskapelle.Durch Brände 1626 und 1752 und die Türkeninvasion 1683 wurde das Kloster schwer in Mitleidenschaft gezogen, konnte aber jeweils wieder aufgebaut werden. 1782 wurde das Kloster unter Joseph II. aufgehoben und sollte in ein Ursulinenkloster umgewidmet werden. Nach der Selbstauflösung dieses Ordens 1785 wurde in den folgenden Jahren die Kirche vollständig abgetragen, die Klostergebäude dienten zunächst als Fabriksgebäude, wurden aber schließlich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ebenfalls abgetragen und durch Neubauten ersetzt. Die ehemaligen klösterlichen Wirtschaftsgebäude übernahmen zunächst verschiedene private Besitzer, nach dem 2. Weltkrieg wurden sie als NÖ. Landeskrankenhaus verwendet, das 1990 abgerissen wurde. Durch Grabungsarbeiten 1997-1999 konnten die Klosterkirche und die ehemaligen Klostergebäude nachgewiesen werden.Von der prachtvollen Innenausstattung der Kirche zeugen nur mehr die Kupferstiche von Marquard Herrgott.Rekonstruierung durch Barbara SchedlLiteratur in Auswahl:Biack, Otto, Geschichte der Stadt Tulln (Tulln 1966).Dolezal, Christine, Die Geschichte des Dominikanerinnenklosters in Tulln (Diss. Wien 1970).Kerschbaumer, Alois, Das kaiserliche Frauenstift und die Habsburgergruft zu Tuln, in: Berichte und Mittheilungen des Althertums-Vereines zu Wien 13 (1873) 131-173.Kerschbaumer, Alois, Geschichte der Stadt Tuln (Wien 1874).Latzke, Walter, Die Klosterarchive, in: Gesamtinventar des Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchivs 3 (1938) 501-516 (Tulln).Röhrig, Floridus, Tulln, in: Die Zeit der frühen Habsburger. Dome und Klöster 1279-1379. Katalog zur Niederösterreichischen Landesausstellung (Wiener Neustadt 1979) 275-276.Schedl, Barbara, Der König und seine Klosterstiftung in der Stadt Tulln. Eine Selbstinszenierung Rudolfs I. im Herzogtum Österreich (= Beiträge zur Kirchengeschichte Niederösterreichs 14; Geschichtliche Beilagen zum St. Pöltner Diözesanblatt 31, St. Pölten 2004). Im Bestand des Frauenklosters Tulln haben sich auch 2 Urkunden aus dem Nonnenkloster Laa an der Thaya sowie Urkunden des Landschreibers Konrad von Tulln erhalten. Auch die Urkunden des Männerklosters wurden nach dessen Beendigung im Frauenkloster aufbewahrt.Nach der Aufhebung des Klosters 1782 kamen die Urkunden in das Klosterarchivdepositorium nach Wien und wurden hier nach bestimmten Kriterien neu geordnet. Sie kamen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts unter kleinen Verlusten in mehreren Teilen in das Haus-, Hof- und Staatsarchiv in Wien und wurden hier in den Repertorien verzeichnet. Diese Repertorien bildeten nun die Grundlage für die Aufnahme in die MOM-Datenbank. Die Regesten, welche die Grundlage für die Aufnahme in diese Datenbank bilden, wurden den Archivrepertorien entnommen. Die Schreibung der Orte und Personen, soweit möglich, in moderne Schreibweise übertragen.In bezug auf den Inhalt ist die Qualität der Regesten in den meisten Fällen für einen ersten Überblick ausreichend, für eine diplomatische Analyse der Stücke bieten die Regesten allerdings kaum Anhaltspunkte, nur wenige Angaben gibt es zur Art der Überlieferung, über das Vorhandensein von Siegeln etwa geben die Regesten keinerlei Auskunft.Da die Urkunden des Dominikanerinnenklosters Tulln kaum gedruckt sind, bietet die Aufnahme der Regesten in die MOM-Datenbank eine wertvolle Grundlage für weitere Studien und Forschungen. Bearbeiter: Mag. Renate Spreitzer, Email: