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Collection: Freising, Bistum und Hochstift (763-1364)

1. Geschichte

2. Vorwort von Joseph Zahn

3. Literatur

Vorliegender Bestand enthält die Edition von Joseph Zahn, Codex Diplomaticus Austriaco-Frisingensis. Sammlung von Urkunden und Urbaren zur Geschichte der ehemals Freisingischen Besitzungen in Österreich I (=FRA II/31, Wien 1870) mit Urkunden aus verschiedenen Archiven und Bibliotheken.

1. Geschichte

Die traditionsreiche Bischofsstadt an der Isar, deren Geschichte bis in die Zeit um 700 zurückreicht, begann bereits im frühen Mittelalter, ihre Fühler in den südöstlichen Raum Mitteleuropas auszustrecken. Die Missionierung und Kultivierung des östlichen Alpenraums zog die Gründung von Stützpunkten, zahlreiche Schenkungen und sonstigen Grunderwerb nach sich. Schließlich reichte das Netz der Freisinger Besitzungen in seiner Ausdehnung bis ins östlich von Wien gelegene Großenzersdorf und hinunter ins slowenische Bischoflack.
In den meisten Fällen wurden die Verbindungen zu Freising im Zuge der Säkularisation 1802 gekappt, als der Freisinger Bischof seiner weltlichen Machtbefugnisse entkleidet wurde. Als äußere Erinnerung an die Freisinger Vergangenheit verblieb allerdings teilweise der Mohrenkopf, das Herrschaftszeichen der Freisinger Fürstbischöfe, in den Wappen der betreffenden Orte.
In den Jahrzehnten nach dem 2. Weltkrieg wurde begonnen, das alte Kontaktnetz neu zu knüpfen. Aus den ehemaligen Herrschaftsbeziehungen wurden nun freilich Partnerschaften und Freundschaften.
Inzwischen sind die österreichischen Orte Obervellach, Maria Wörth und Waidhofen, das in Italien (Südtirol) gelegene Innichen sowie Bischoflack, das heutige Škofja Lokain Slowenien mit Freising wieder eng verbunden.Gerade mit Blick auf das neue, nach Osten erweiterte Europa stellen die auf historischer Grundlage erwachsenen vielfältigen Freisinger Kontakte zum Brückenraum Österreich-Norditalien-Slowenien eine sehr interessante und zukunftsträchtige Konstellation dar."Aus: http://www.freising.de/index.php?bereich=s1&size=0&rpage=partner/rechts.php&page=partner/index.php

2. Vorwort von Joseph Zahn

In: Codex Diplomaticus Austriaco-Frisingensis (=FRA II/31, Wien 1870) V-XII.
Was ich in Folgendem vorlege, ist der Wesenheit nach die erste Ausarbeitung jener Stoffe, deren einen Theil ich als Vorstudie 1861 im "Archive f. Kde. österr. Gesch.-Quellen" zu besprechen Gelegenheit hatte. Dort nämlich habe ich das zu München sowol im Reichsarchive, als auch in der Bibliothek des erzbischöfl. Consistoriums aufbewahrte buchmässige Materiale zur Geschichte der freising. Besitzungen in Oesterreich beschrieben und erörtert, hier biete ich nun das Materiale selbst und nicht von jenem Orte und aus jenen Fundstellen allein, sondern in jeder Form und von allerwärts her, wohin Zeit und Mittel zu gelangen mir erlaubten.
In den einleitenden Worten jenes Aufsatzes versuchte ich die grundherrliche Stellung des Bisthums Freising in Oesterreich und die Lagerung seines Besitzes in der Monarchie zu zeichnen. Damit war auch im Allgemeinen seine Bedeutung und die seiner geschichtlichen Stoffe für unsere Lande dargelegt. Ich darf wohl, da ich, umschreibend und erweiternd, nur denselben Gedanken durchführen konnte und die hier vorliegenden Documente füglich der passendste Dolmetsch selbst sind, auf jene Zeilen nur verweisen.
Einige wenige Bemerkungen hinsichtlich dieser Sammlung allein sei mir gestattet vorauszuschicken. Diese gliedert sich im Ganzen in zwei Gruppen, deren erste die Urkunden bilden, während die zweite die urbarialen Aufzeichnungen enthält. Durch den unmittelbaren Anschluss der Letzteren an Erstere handle ich gewissermassen im Gegensatze zu einem Herkommen, welches fast ausnahmslos in einem Codex diplomaticus die Urkunden allein, gleichsam als unergänzbare Serie, die für sich allein genügte, ans Licht stellt. Gewiss übersehe ich dabei nicht, dass nachträglich hin und wieder von dieser Regel abgegangen wurde, doch scheint mir dadurch nur eine örtliche Ergänzung, für die Auffassung des Stoffes selbst aber noch nicht das leitende Princip gegeben. Es kommt mir vor, als hafte man zu strenge an dem Begriffe eines Codex diplomaticus und schlösse damit Alles aus, was mit Diplomen oder Urkunden die Form nicht gemeinsam habe. Damit verband sich ganz natürlich ein Verkennen des wahren Charakters der Urkunden jener Sammlungen, die ich meine und welche der vorliegenden homogen sind, und der Richtungen, welche ihr Inhalt zu klären bestimmt war. Für geschichtliche Individualitäten, wie eben geistliche und weltliche Gemeinden sind, die Documente allein hinstellen, welche von Erwerbung, Entwickelung und Erhaltung des Besitzes sprechen, scheint mir ungenügend für den Zweck der Herausgabe. Dieser kann füglich kein anderer sein, als mit den zusammengehörigen Mitteln über das Leben einer solchen Individualität in bestimmtem Zeiträume soweit möglich Licht zu verbreiten. Zu den Urkunden gehören aber dann auch jene Aufzeichnungen, welche mit deren Gegenständen in nächster Beziehung stehen, und solcher Natur sind die Urbare. Sie sind es, welche den Inhalt der Documente so zu sagen ins Praktische übersetzen. Während diese von der Erwerbung des Besitzes im Allgemeinen sprechen, zirkeln jene uns denselben im Einzelnen aus, und während jene das Recht des Besitzes vorkehren und nachweisen lassen, zeigen uns diese die Vertheilung, die Bebauung und Bewirthschaftung. Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine ordentliche Geschichte irgendwelcher geistlicher oder weltlicher Gemeinde aus den Urkunden allein geschrieben werden könne, ebensowenig dass in diesen allein aller Fond für die Landesgeschichte und ihre Zweige, wie Rechts- und Sittenwesen, die Geschichte der Besiedelung des Landes, der Landescultur, die nationale Gliederung, die geschichtliche Topographie, die Orts- und Personennamenforschung, das Münzwesen u. dgl. gegeben sei. Im Gegentheile habe ich alle Ursache anzunehmen, dass in den Urbaren ein grosser Schatz nach diesen Richtungen hin liege, welchen weder die Forschung, noch die Darstellung bisher entsprechend sich zinsbar gemacht habe. .
Aus diesen allgemeinen Erwägungen glaubte ich überhaupt den Stoff in vorliegender Gliederung geben zu sollen. Bei Freising selbst kamen noch besondere Veranlassungen dazu. Der Besitz des Bisthums ist über acht Provinzen verstreut und wurzelt auf nahezu ebenso vielen in Rechtsanschauungen und Sprachen, in Sitten und Gebräuchen verschiedenen Gebieten. In solchem Falle ethnographischer Mannigfaltigkeit wäre es Nachlässigkeit gewesen, das wesentlich culturgeschichtliche Materiale der urbarialen Aufzeichnungen von der Hand zu weisen und damit zu verkennen, dass die Stellung des Bisthums in Oesterreich nie eine politisch bedeutende, culturgeschichtlich aber eine hervorragende gewesen. Dazu tritt, dass gerade bei Freising und wie es bei so zersplittertem Besitze nicht leicht anders möglich, ein eigentümliches Schwanken des Letzteren sich bemerkbar macht, über dessen zeitweiligen Umfang die Urkunden keine Aufklärungen haben. .
Auch hier fasse ich, wie bei jedem neuen mir erschlossenen Archive, in dessen örtlichem Gebiete ich mich orientiren will, die Urbare als die zweckmässigsten Nachschlagewerke für Constatirung der urkundlich vorkommenden Orte auf und haben sie mich öfter da ins Reine gebracht, wo die Urkunden im Stiche liessen. Welche Fülle endlich von Oertlichkeiten aus ihnen auftaucht, deren die Documente nicht erwähnen, und welches Correctiv darin für lückenhafte Anschauungen über Besiedelung des Landes in gewisser Zeit liegt, dürfte eine auch nur oberflächliche Vergleichung zeigen. Für die Zuziehung dieser Aufzeichnungen sprach auch noch das seltene Alter der einen und der grosse, ausnehmend mannigfaltige Reichthum der anderen. Diese letztere Bezeichnung will ich dermalen blos auf das merkwürdige Notizbuch Bischofs Konrads III. bezogen wissen, das in seiner Art des Gleichen wenig haben dürfte.Was die territoriale Umschreibung des in beiden Gruppen behandelten Gebietes betrifft, so stehe ich mit dem darin eingehaltenen Grundsatze eigentlich auf einem sogenannten überwundenen Standpuncte, auf jenem nämlich vor 1866, Noch beziehe ich das damals österr. Italien in die Monarchiegrenzen ein und führe demnach Urkunden und Urbare auch für diesen Boden mit auf. Damit stehen nun heute die Thatsachen im Widerspruche und enthält sonach der Titel eine bewusste Unwahrheit. Allein indem es sich darum handelte, entweder die neue politische Gruppirung zu berücksichtigen und einige wenige aber interessante Documente auszuscheiden, oder lieber Erstere als Letztere zu ignoriren, dürfte dem Zwecke noch am besten in der festgehaltenen letzten Form entsprochen sein. .
Wie sich die Arbeit betreffs Freisings zu theilen scheint, würde jenes Flecks Erde in anderem Falle Niemand sich annehmen.Innerhalb dieser Gruppen ist nur freisingisches und zwar entweder bischöfliches oder domcapitlisches Materiale gegeben. Es lag die Versuchung nahe, auch von Kirchen zu Freising (z. B. S. Andrä) ähnlichen Stoff anzuschliessen, doch wurde davon abgesehen, da die Grenzen unnöthig erweitert worden wären, zumal ohnehin mehrfach Gelegenheit sich ergab, den Urkundenschatz auch durch mittelbar zugehörige Stücke zu mehren. .
Darüber werde ich in der Einleitung zur ersten Abtheilung Aufklärung geben.Für die einigermassen beengende Frage betreffs der Zeit des Abschlusses der Sammlung lagen zunächst zwei Momente vor: entweder konnte derselbe, wie so häufig beliebt, an irgendeinem Zeitabschnitte, als etwa der Schluss eines Jahrhundertes ist, oder an einer in die Geschicke Freisings auf österr. Boden eingreifenden Thatsache, einer politischen Wendung genommen werden. Für Beide musste aber diess zur Norm gelten, dass innerhalb des fraglichen Zeitraumes der Stoff Viel und Namhaftes an Neuem böte, ohne desshalb zu weit in das spätere Mittelalter vorgeschoben zu werden. .
Ein Abschluss mit 1300 war damit unthunlich - abgesehen davon, dass ein Abhacken stets ein naturwidriges Verfahren -, denn eben von dieser Zeit an entwickelt in grosser Menge nicht nur überhaupt neuer, sondern auch neue Seiten aufdeckender Stoff, jener des freising. Lehenbesitzes. Dagegen war in der Regierung Bischof Pauls von Freising (1359-77) ein Moment gegeben, aussen zwar gelegen, für die Geschicke der freising. Besitzungen aber von grossera Einflüsse. Es ist thatsächlich ein Moment, den ein Erzähler desselben Thema's zum Abschnitte eines Capitels machen würde: der Tod Herzog Rudolfs IV. von Oesterreich und die Versöhnung des Bisthumes mit dessen Nachfolgern (1365). In seinen letzten Jahren stand der Herzog in offener Feindschaft zu Bischof Paul; diese ging sogar bis zur Confiscation der besten Güter des Bisthumes und Brandschatzung der Schlösser desselben durch herzogliche Machthaber. Mit dem Tode Rudolfs stellte sich das alte Verhältniss wie mit Einem Schlage wieder her. Eine der ersten Kundgebungen seiner Brüder war der Vergleich mit Bischof Paul und die bedrohte, ja gestörte Entwicklung des Besitzlebens nahm ihren ungehinderten Fortgang wieder auf. Dass gerade diese erste Hälfte des 14. Jhrh. auch die Zeit ist, bis wohin die Urbare mit den Urkunden gleichmässig fortschreiten, um dann lange stille zu stehen und erst nach grosser Pause in neuer Redaction zu erscheinen, ist mit ein Hinweis auf sie als den geeignetsten Abschlusspunkt. Eine gewisse Periode des ersten Schaffens und Gestaltens ist damit als abgethan angedeutet. Dass endlich das Abschlussjahr in säcularer Weise mit dem Jahre der ersten Urkunde dieser Sammlung in Beziehung steht (1365 zu 763), ist ein besonderer Zufall. .
Wie schon anfangs angedeutet, ist erstrebt worden, zur Herstellung der Sammlung alle Quellen sich zu öffnen, welche erreichbar waren. Zu den unerreichbaren gehören jene von Maria Wörth und Ardacker; für Ersteres scheinen alle Documente verloren und für Letzteres vermuthlich gleichfalls, denn, wie ich mir sagen liess, wurden sie vor wenigen Jahren von einem Antiquar zu München an einen unbekannt gebliebenen Privaten verkauft. Die bedeutendsten Beiträge lieferten das k. Reichsarchiv zu München, das k. k. geh. Haus-, Hof- und Staatsarchiv zu Wien und die Bibliothek des erzbischöflichen Consistoriums zu München. Aber auch am Lande liegt noch theilweise viel Materiale zerstreut. So fand ich welches zu Propstdorf im Marchfelde, zu Holenburg a. d. Donau, zu Waidhofen a. d. Ybs, zu Oberwelz und s. Peter am Kammersberge in Steiermark und endlich zu Innichen in Tirol. Ulmerfeld zeigte mir nur ein halbverwestes Gutsarchiv, dessen Be¬nützung nicht thunlich, Gross-Enzersdorf erst Urkunden vom 15. Jhrh. an; Rotenfels, bei Oberwelz konnte gleichfalls für die ältere Periode nichts bieten. Dagegen ergaben sich werthvolle Beiträge aus dem Landschaftsarchive zu Wien und aus dem Landesarchive zu Graz. Von ferne her, von Wolfenbüttel, wurde der in der Bibliothek daselbst befindliche Traditionscodex für Freising beigezogen. Verhältnissmässig viel lieferte das Archiv des Klosters Seitenstetten und ich fühle die Verpflichtung hier der grossen Opferwilligkeit des dortigen Capitulars, Herrn Prof. Gottfr. Fries, mit besonderem Danke zu erwähnen, der mir die zahlreichen Abschriften daraus zumittelte und dadurch eine wiederholte Reise ersparte. .
In Gleichem erstatte ich allen jenen Herren an den Archiven, welche ich besuchte und die mit grosser Zuvorkommenheit öfters durch lange Zeit hindurch meine Arbeiten förderten, hier meinen ergebensten Dank, wobei ich namentlich des hochwürdigen erzbischöflichen Consistoriums zu München, respect. der p. t. Herren Dompropst Dr. Prant und Secretärs Grundler, gedenke, welche mir Codices sogar in die Heimat mitgaben.Der Aufgabe, der Sammlung einen gewissen Grad von Vollständigkeit zu geben, habe ich nach Kräften versucht gerecht zu werden. Allerdings dürften sich hinwieder einzelne Nachträge einfinden; bei so zersplittertem Gebiete ist ihnen ja doch nicht auszuweichen. Doch werden sie kaum alterirend auf das hier Gegebene einwirken, das ich mit dem Bewusstsein vorlegen kann, seine Zusammenstellung nach Massgabe meiner Mittel und in dem Grade, der mir zu erreichen möglich war, ehrlich angestrebt zu haben.

Graz, im April 1869

Die freising. Sal-, Copial- und Urbarbücher in ihren Beziehungen zu Österreich 1. c. XXVII.. 199 uff. Das k. k. geh. Haus-, Hof- und Staatsarchiv hat 1868 von der Hofbibliothek eine ziemlich bedeutende Anzahl von Urkunden für Ardacker übernommen - wohl nur den Rest des ehemaligen Stiftsarchives -, die indess für die vorliegende Sammlung blos einige wenige Stücke boten.