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FondKloster Passau-Niedernburg Urkunden (Benediktinerinnen 1010-1801)
  1. Geschichte
  2. „Am Ostrand der Passauer Altstadt, unweit der landschaftlich einzigartigen Stelle, wo die Mutter Donau den ungebärdigen Alpensohn Inn unter feierlicher Trauzeugenschaft des St. Georgberges und des lieblichen Heiligtums auf dem Mariahilfberg mit der scheuen Tochter des Bayerwaldes, der schwarzsamtenen Ilz, vermählt, steht in würdevoller Demut das uralte Frauenstift Niedernburg.“ So blumig und bildreich schildert 1950 Josef Oswald die Lage des Klosters Niedernburg in Passau. Doch dürfte die Lage auf der Donauinsel, umgeben von zwei Flussarmen, wohl vor allem aus strategischen Gründen gewählt worden sein.

    Der Name ´Niedernburg´ benennt den unteren Teil der Stadt Passau im Gegen-satz zur oberen Stadt, der Bischofsstadt. Hier im unteren Stadtteil erstreckte sich die Herrschaft des Klosters von der östlichen Spitze bis zur heutigen Marktgasse (früher auch March = Grenzgasse). Über die Gründung des Klosters Passau-Niedernburg haben sich keine urkundlichen Zeugnisse erhalten, wahrscheinlich wurde es an der Stelle einer karolingischen Pfalz als Kanonissenstift errichtet.

    Die älteste urkundliche Erwähnung des Klosters ´Sancta Maria´ in Passau stammt von einer Urkunde Kaiser Arnulfs aus dem Jahre 888 und weist es als kaiserlichen Besitz aus. Im Jahre 1010, zur Zeit der Äbtissin Eilika, überträgt König Heinrich II. dem Kloster einen Teil des Zolls zu Passau und den böhmischen Zoll, die Rechtsprechung über alle Hörigen und Freien auf dem Grundbesitz des Klosters, ein zu Windorf gelegenes Gut und einen Teil des Nordwaldes (Bayerischer Wald). Damit war das Kloster mit gewichtigen Rechten und entsprechendem Grundbesitz ausgestattet, wobei die Urkunde über die Verleihung des Nordwaldes wahrscheinlich eine Fälschung des Bischofs von Passau aus den ersten Jahrzehnten des 12. Jhdts. ist.

    1042 trat die Schwester Heinrichs II. und verwitwete Ungarnkönigin Gisela in das Kloster ein und wurde zur Äbtissin gewählt. Sie könnte als Vorbild für die Figur der Kriemhild im Nibelungenlied gewählt worden sein, wenn es nach Berta Lösel-Wieland-Engelmann geht, die den Entstehungsort des Nibelungenliedes im Kloster Niedernburg sieht. Denn ihrer Meinung nach könnte die ´frauenfreundliche´ und aus weiblicher Sicht geschriebene, möglicherweise erste Fassung C durchaus von einer Nonne des Klosters stammen.

    Mit der Schenkung des Reichsklosters an den Passauer Bischof 1161 durch Kaiser Friedrich I. Barbarossa sank es in den Rang eines bischöflichen Eigenklosters herab und der gesamte Besitz des Klosters zwischen Ilz und Rodel, Donau und Böhmischem Wald ging an den Bischof über. Die bisherige Äbtissin wurde zur Dechantin herabgestuft. Gemäß einer auf das Jahr 1198 datierten Urkunde (s. Urk. Nr. 5) wurden dem Passauer Bischof auch die Vogteirechte über das Kloster verliehen, doch scheint es sich hier wiederum um eine Fälschung zu handeln.

    Nach dem Konzil von Basel versuchte der Passauer Bischof das Kloster zu reformieren, wogegen sich die Nonnen massiv wehrten, worauf sie der Bischof in den Kirchenbann legte, von dem der Papst sie schließlich erlöste. Weitere Streitigkeiten mit dem Bischof folgten, bis die Nonnen schließlich den Widerstand aufgaben.

    Im Jahre 1500 verlieh Papst Alexander VI. der Dechantin wieder die Äbtissinnenwürde. Aufgehoben wurde das Kloster erst im Jahre 1806.

  3. Bestandsgeschichte
  4. Zwei Stadtbrände 1662 und 1680 haben die Klostergebäude beide Male in Schutt und Asche gelegt und beide Male wurde es wieder aufgebaut. Der zweite Brand nahm seinen Ausgang sogar im Kloster selbst, und zwar im Apothekenlabor. Nach dem Brand vom 27. April 1662, bei dem viele alte Dokumente, darunter der Liber Traditionum, verbrannt sind, hat der kaiserliche Notar Johann Brunpaur die im Kloster noch vorhandenen Urkunden, und Akten, wie sie in 23 Schubladen in einem Archivschrank aufbewahrt waren, in einem ´Registeraturpuech´ verzeichnet. Insgesamt waren es 883 Urkunden bis zur jüngsten Urkunde aus dem Jahre 1660. Bis zum April 1662 sind es im heutigen Bestand 1085 Urkunden. Das vorliegende Repertorium umfaßt 1168 Urkunden aus dem Zeitraum vom Jahre 1010 bis 1801.

  5. Literatur
  6. Egon Boshof, Die Regesten der Bischöfe von Passau, Bd.I: 731 - 1206, München 1992; Bd. II: 1206 - 1254, München 1998; Bd. III: 1254 - 1282, München 2007. Alexander Erhard, Das ehemalige Nonnenkloster Niedernburg in Passau, in: VHVNB 1/II (1851), S.19-33. Josef Oswald, Niedernburg, in: Alte Klöster in Passau und Umgebung, Passau 1950, S.11-43. Gottfried Schäffer, Kloster Niedernburg, München-Zürich 1983 (=Schnell und Steiner Kunst-führer Nr. 1407). Karl Ludwig Seyffert, Einleitung zu einer Kloster-Niedernburgischen Chronik, 1775. (unveröffentlichte Handschrift in der Bayerischen Staatsbibliothek. Sign.: Cgm 5620) Ludwig Veit, Passau. Das Hochstift, München 1978 (=Historischer Atlas von Bayern. Teil Altbayern, Heft 35) Herbert Wurster, Passau, Kloster Niedernburg, Regensburg 2002, 2.Aufl. (Schnell u. Steiner Kunstführer Nr. 1407)

Dr. Peter Urbanek