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FondSt. Bernhard, Zisterzienserinnen (1263-1571)
  1. Stiftsgeschichte
  2. Die erste Nachricht über das Zisterzienserinnenkloster Alt-Melon stammt aus dem Jahr 1264, als Papst Urban IV. an die Äbte der Zisterzienserklöster Kaisersheim und Heilbronn den Auftrag erteilte, Heinrich von Kuenring in seinem Plan, ein Nonnenkloster in Alt-Melon zu errichten, zur Hand zu gehen. Vor allem Abt Konrad von Heilbronn unterstützte dieses Vorhaben, wie später auch Graf Heinrich von Hardegg und Maidburg. Noch 1264 konnten Nonnen aus Zimmern in Schwaben nach Alt-Melon entsandt werden, 1266 wurde das Kloster dem Zisterzienserorden inkorporiert. Erst 1269, nach dem Bau der Klostergebäude, kam es zur Ausstellung einer Stiftungsurkunde, in der Graf Heinrich von Hardegg und der Ministeriale Heinrich I. von Kuenring die Gründung des Frauenklosters dokumentierten; dabei erfolgte die Unterstellung unter das Stift Zwettl als Mutterkloster. Ein Zwettler Konventuale leitete als Prokurator die geistlichen Angelegenheiten und beaufsichtigte die Wirtschaft. Die Dotierung des neuen Klosters übernahmen ebenfalls die beiden Stifter. König Ottokar von Böhmen bestätigte 1270 außerdem die Rechte und Freiheiten des Zisterzienserordens und bewilligte ein Maut- und Zollprivileg für alle benötigten Nahrungsmittel.Das neugegründete Kloster geriet in den folgenden Jahren durch politische Ereignisse, aber auch durch Mangel an materiellen Gütern in eine bedenkliche Situation. Dabei spielten vor allem die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Rudolf von Habsburg und Ottokar von Böhmen eine Rolle, da die Kuenringer der Linie Weitra zu den treuesten Anhängern des Böhmenkönigs zählten. Die Besorgnis über den Fortgang des Klosters war schließlich so groß, dass der Abt von Zwettl einen neuen Schutzherren für sein Tochterkloster zu suchen begann und ihn in dem Ministerialen Stephan von Maissau fand. Dieser zeigte sich unter der Bedingung, dass die Kuenringer auf alle Rechte an ihrer Stiftung verzichten, bereit, die Schirmvogtei zu übernehmen. Dieser Verzicht erfolgte im Juli 1277. Laut Prolog des Stiftungsbuches erfolgte der Zeitpunkt der Übersiedlung nach Krug, das im Herrschaftsbereich des Stephan von Maissau lag, im November 1277. Die Darstellung des Stiftungsbuches, dass die Nonnen im Jahre 1273, vor der Versetzung nach Krug, ihren Sitz nach Neu-Melon verlegten, ist nicht zu beweisen; möglich wäre jedoch ein nur vorübergehender Aufenthalt in Neu-Melon. Schon vor der Fertigstellung des Klosterbaues in Krug und der Ausstellung der Stiftungsurkunde 1284 wurde die erste Dotierung von Seiten des Stephan von Maissau vorgenommen, der dadurch für die wirtschaftliche Grundlage des Klosters sorgte. Ihr folgten weitere Schenkungen durch denselben, der dem Kloster bis zu seinem Tod ein Wohltäter blieb, sowie Privilegienbestätigungen durch Papst und Landesfürst. Auch Gräfin Wilbirg von Hardegg bestätigte als Witwe des früheren Stifters die bei der ersten Gründung übergebenen Dotationsgüter.Die Besitzentwicklung St. Bernhards erreichte um 1350 ihren ersten Höhepunkt, der durch zahlreiche Schenkungen und Vermächtnisse ermöglicht wurde; vor allem die Stiftungen von Jahrtagen und Seelgeräten sind in diesem Zusammenhang zu nennen. Die Urkunden und Briefe geben uns einen Einblick in den Besitzstand des Klosters, der sich auf Wald- und Weinviertel, aber auch darüber hinaus erstreckte.Die kirchlichen Reformbestrebungen des 14. und 15. Jahrhunderts, die gegen den sittlichen und wirtschaftlichen Verfall auch des klösterlichen Lebens gerichtet waren, waren in St. Bernhard insofern spürbar, als Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts einige Visitationen durch die Äbte von Zwettl oder durch das Stift Heiligenkreuz durchgeführt wurden. Die Visitationsprotokolle zeigen dabei kein allzu schlechtes Bild: Im einzelnen waren die Zustände in Bezug auf die Ordensdisziplin sicher reformbedürftig, doch von einem Niedergang des Nonnenklosters zu diesem Zeitpunkt kann nicht gesprochen werden.Das 15. Jahrhundert war auch in politischer Hinsicht ein Zeitraum innerer und äußerer Wirren; Einfälle hussitischer Streifscharen in den 20er Jahren, Verwüstungen durch böhmische, ungarische und einheimische Banden und Söldner im Zuge der Streitigkeiten um Friedrich III. und sein Mündel Ladislaus, Bedrängungen durch Fehden oder Raubrittertum zogen das Nonnenkloster in arge Bedrängnis. Die ständige Unsicherheit der Lage scheint sich in zahlreichen Urkundenbeglaubigungen und Privilegienbestätigungen niedergeschlagen zu haben, die sich zu jener Zeit besonders häuften.1496 begann eine Kontroverse zwischen dem Kloster und den Herren von Puchheim auf Horn und Wildberg, die als Erben der Maissauer die Vogtei als Mittel zur Unterdrückung der Nonnen nutzten. Die Streitigkeiten zogen sich über mehr als ein Jahrhundert hin und hatten mehrere Prozesse zur Folge.War das Kloster im 13. und 14. Jahrhundert mit Schenkungen und Stiftungen überhäuft worden, so kann man im 15. Jahrhundert einen Rückgang derselben feststellen, der - einer allgemeinen Tendenz entsprechend - in den wirtschaftlichen Veränderungen des ausgehenden Mittelalters und den politischen Wirren des 15. Jahrhunderts begründet liegt. Im 16. Jahrhundert schließlich ist in St. Bernhard keine einzige Stiftung mehr getätigt worden. Dennoch dürfte der Konvent bis etwa 1500 sowohl in geistlicher als auch in ökonomischer Hinsicht ohne größere Probleme gelebt haben.Im 16. Jahrhundert verfiel das Kloster zusehends. Die von den Landesfürsten zur Abwehr der Türkengefahr geforderten Steuern, aber auch die Ausbreitung des Protestantismus gefährdeten vor allem den wirtschaftlichen Bestand St. Bernhards. Das katholische Landesfürstentum versuchte durch mehrere Klostervisitationen, gegenreformatorische Akzente zu setzen: Die Restauration der Ordenshäuser sollte zu einer Erneuerung des religiösen, katholischen Lebens führen. Während die Visitation von 1544 noch ein erfreuliches Ergebnis für St. Bernhard konstatierte, stellte man 1561 Missstände hinsichtlich sittlicher als auch religiöser Bräuche fest. 1566 konnte noch immer keine Verbesserung der Situation ausgemacht werden, woraufhin eine eigene kaiserliche Instruktion für St. Bernhard erlassen wurde, die sich auf die sittlich-religiösen und wirtschaftlichen Zustände des Klosters bezog. Auch der Klosterrat wurde in St. Bernhard tätig, doch blieb dies alles ohne Folgen, denn 1569 war das Kloster nahezu ausgestorben, die Äbtissin Barbara Gruber legte aus gesundheitlichen Gründen 1572 ihre Würde nieder. Man hatte zwar schon vor den großen landesfürstlichen Visitationen den Versuch unternommen, den reduzierten Konvent mit Nonnen aus anderen Frauenklöstern zu beleben; so übersiedelten 1534 die Nonnen von St. Nikolaus in Wien und 1557 die letzten fünf Nonnen von Göttweig nach St. Bernhard. Doch konnten auch diese Transferierungen den drohenden Niedergang nicht mehr aufhalten.Das Kloster wurde schon im Oktober 1572 zusammen mit Schlierbach, Erla und Traunkirchen von Kaiser Maximilian II. dem niederösterreichischen Prälatenstand verpfändet. Zusätzlich zu diesen Klöstern wurde 1573 noch ein fünfter Konvent dem Prälatenstand versetzt, das Heiliggeistkloster zu Ybbs. Ursprünglich sollte dafür St. Bernhard aus der Verpfändung gelöst werden, es blieb de facto aber versetzt. Die letzte Äbtissin von Ybbs, Petronilla, wurde nach St. Bernhard geschickt, starb aber spätestens zwei Jahre darauf. Die Äbte von Heiligenkreuz und Zwettl wurden vom Klosterrat mit der Nachbesetzung beauftragt, konnten aber keine Nachfolgerin finden.St. Bernhard war damit ab dem Jahr 1575 als vakant anzusehen und wurde 11 Jahre lang von verschiedenen Administratoren bald im Namen des Landesfürsten, bald im Namen des Prälatenstandes verwaltet; der letzte Adminstrator war Valentin Pirner. Mit der ständig wechselnden Verwaltung ging der völlige wirtschaftliche Zusammenbruch einher.1586 überließ Erzherzog Ernst als Statthalter den Wiener Jesuiten St. Bernhard auf unbestimmte Zeit zum Nutzgenuss. Im August dieses Jahres ergriffen sie auch davon Besitz und errichteten eine Residenz. Die Versuche der Zwettler Äbte, St. Bernhard für den Zisterzienserorden zurückzugewinnen, waren vergeblich. Kaiser Ferdinand II. erwirkte bei Papst Gregor XV. die Inkorporation des Klosters in den Jesuitenorden, die mit der Bulle 1621 ausgesprochen wurde. 1624 wurde diese promulgiert, und damit erhielten die Jesuiten St. Bernhard als ihr Eigentum.

  3. Bestandsgeschichte
  4. Der noch vorhandene Urkundenbestand des ehemaligen Zisterzienserinnenklosters St. Bernhard befindet sich heute im Haus-, Hof- und Staatsarchiv Wien.Die älteste erhaltene Originalurkunde des Archivs ist die Stiftungsurkunde des Grafen Heinrich von Hardegg und Heinrichs von Kuenring vom 2. November 1269. Eine erste Ordnung der Urkunden mit Signaturen aus den Buchstaben A bis H ist für das Jahr 1299 festzustellen und vermutlich auf den Prokurator Arnold zurückzuführen. 1350 dürften gleichzeitig mit der Anlage des Stiftungsbuches von St. Bernhard weitere Ordnungsarbeiten durchgeführt worden sein. Das Original dieses Stiftungsbuches ist heute leider verschollen, es existiert aber eine Abschrift aus der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts im Stiftsarchiv Klosterneuburg, die der k.k. Hofarchivar Ferdinand von Freysleben verfasste und dem damaligen Archivar des Stiftes Klosterneuburg, Willibald Leyrer, zum Geschenk machte. Bis zum Untergang des Klosters ist keine Neuordnung mehr zu erkennen, erst der Administrator Valentin Pirner (1584-1586) begann wieder systematische Arbeiten am Archiv vorzunehmen. Unter anderem legte er ein Kopialbuch an, das heute im Zwettler Stiftsarchiv liegt und alle wichtigen Urkunden von 1350 bis zum Erlöschen des Nonnenklosters verzeichnet; die letzte Eintragung erfolgte 1592. Da dieser Codex eine Abschrift des Stiftungsbuches enthält, ermöglicht er zum einen eine fast lückenlose Rekonstruktion des Originals, zum anderen lässt er erkennen, dass die Abschrift Freyslebens und damit die Edition Zeibigs einige Passagen des Stiftungsbuches nicht wiedergibt. Eine weitere Abschrift des Stiftungsbuches, die jener von Freysleben entspricht, findet sich ebenfalls im Archiv des Stiftes Zwettl und wurde vom Stiftskapitular Joachim Haggenmüller zusammengestellt.Mit der Übernahme des Klosters und seiner Güter erhielten die Jesuiten auch das Archiv von St. Bernhard, das sie zunächst noch vor Ort beließen. Die Bestände wurden überprüft, wobei die Originalurkunden einen Hinweis auf das Stiftungsbuch bekamen. Erst nach der endgültigen Vereinigung St. Bernhards mit dem Wiener Jesuitenkollegium im Jahre 1624 wurde das Urkundenarchiv in das Kollegium am Hof überführt. Hartmann Zeibig (Hg.), Das Stiftungs-Buch des Klosters St. Bernhard (=FRA II/6, Wien 1853) 125-346.Repertorium XIV/4 im HHStA. Für die Edition des Stiftungsbuches von St. Bernhard verwendete Hartmann Zeibig die in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts von Freysleben verfasste Abschrift, die sich heute im Stiftsarchiv Klosterneuburg befindet. Da Zeibig die Handschrift Valentin Pirners aus dem 16. Jahrhundert, die ebenfalls eine Abschrift des Stiftungsbuches enthält, für seine Edition nicht verwendete, können einige Lücken im Druck Zeibigs festgestellt werden. Nach Doris Schiller, St. Bernhard bei Horn S. 84f (vgl. Literaturliste) fehlen fol. 12-35 des Originalcodex mit den Diensten in Gumpendorf, dem Zehentverzeichnis, dem Güterverzeichnis, den Diensten in der Grafschaft Hardegg, der Einteilung der Ordensprivilegien und 43 Regesten päpstlicher Privilegien, 21 weitere Privilegienregesten sowie dem Urbar.Der Aufbau der Edition entspricht naturgemäß dem des Stiftungsbuches; aus diesem Grunde liegt hier keine chronologische Abfolge der Urkunden vor, sondern diese folgt thematischen bzw. ausstellerbezogenen Kriterien. Den Anfang bilden Urkunden mit besonderer Bedeutung, die die Gründung und Verlegung des Klosters und die Verleihung des Pfarrpatronats Neukirchen betreffen. Darunter befinden sich etwa Papsturkunden, Urkunden der österreichischen Landesfürsten, des Heinrich von Kuenring, des Stephan von Maissau, des Bischofs Wernhard von Passau u.a. Der Großteil des Stiftungsbuches besteht allerdings aus Schenkungsurkunden und Kaufbriefen, die nach den einzelnen Orten angeordnet sind und mit rubrizierten Überschriften versehen wurden (z.B. Nota privilegia super reditus in Zeldrendorf). Im Rahmen der Bearbeitung für das Projekt Monasterium.Net wurden diese Überschriften in die Datenbank nicht übernommen, die den Urkunden vorangestellten lateinischen Regesten jedoch schon, die nun im Feld "Kopf/Vollregest" vorzufinden sind. Die lateinischen Zusammenfassungen wurden teilweise - wenn vorhanden - durch deutsche Regesten aus dem Repertorium XIV/4 des Haus-, Hof- und Staatsarchivs Wien ersetzt.Die Ausgabe Zeibigs enthält einige Druck- und Datierungsfehler, daneben fehlen jegliche textkritische und inhaltliche Anmerkungen. Die Seitengestaltung seiner Vorlage ist ebenfalls nicht wiedergegeben. Da im Haus-, Hof- und Staatsarchiv in Wien einige Urkunden noch im Original vorhanden sind, scheint es unabdingbar, einen Vergleich des Stiftungsbuches mit den Originalen zu machen bzw. an eine neue Edition zu schreiten. Dafür spricht auch das Vorhandensein von Urkunden, die im Stiftungsbuch nicht vorkommen und als Blinddatensätze (d.h. Verzeichniseinheiten ohne Regest, aber mit einer Bildverknüpfung) in der Datenbank angelegt wurden.

  5. Folgende Ausführungen zur Stifts- und Bestandsgeschichte sind aus:
  6. Ralph Andraschek-Holzer, Meta Niederkorn u. Barbara Schedl, St. Bernhard und die Zisterzienser (=Beiträge zur Kirchengeschichte Niederösterreichs 8, St. Pölten 2001).Ignaz Chalaupka, Das Nonnenkloster zu Altmelon. In: Archiv für Diöcesan-Geschichte des Bisthumssprengels St. Pölten 6 (1863) 1-20.

    Friedrich Endl, Das ehemalige Cistercienserinnen-Kloster zu St. Bernhard bei Horn. In: Blätter des Vereines für Landeskunde von Niederösterreich NF 26 (1892) 191-243, NF 27 (1893) 68-79, NF 28 (1894) 83-94 sowie 455-476.

    Friedrich Endl u. Alfons Zak, Zur Geschichte des Frauenklosters St. Bernhard. In: Zisterzienser-Chronik 14 (1902) 1-13.

    Anton Erdinger, Beiträge zur Geschichte des ehemaligen Cistercienserinnen-Klosters St. Bernhard im Poigreich bei Horn. In: Geschichtliche Beilagen 2 (1885) 35-143.

    Berthold Hoffer, Zur Gründungsgeschichte des Frauenklosters St. Bernhard bei Horn. In: 24. Jahres-Bericht des kaiserl. königl. Obergymnasiums zu Melk (Wien 1874) 3-36.

    Ubald Kostersitz, Das ehemalige Cistercienser Frauen-Kloster zu St. Bernhard V.O.M.B. (Wien 1868).Walther Latzke, Die Klosterarchive. In: Inventare des Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchivs (=Gesamtinventar des Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchivs 3, Wien 1938) 293-679.

    Doris Schiller, St. Bernhard bei Horn. Geschichte des Zisterzienserinnenklosters 1269-1621 (phil. Diss., Wien 1996).

Heidemarie Specht