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FondSmíchow (dt. Mariengarten), Kartäuser (1352-1454)
  1. Stiftsgeschichte
  2. In der unter Leitung der Archivkommissäre verfaßten "Consignation" über die in das Klosterarchivdepositorium gelangten Gaminger Archivalien taucht zum erstenmal eine eigenartige Urkundengruppe auf, die, obschon zweifellos im Archiv der Kartause bis zu deren Aufhebung befindlich, doch als ausgesprochener Fremdkörper in keinem der Gaminger Archivkataloge Aufnahme gefunden hatte. Es sind dies 33 Urkunden aus dem Archiv der einstigen Kartause Mariengarten (Hortus Beatae Mariae Virginis) bei Prag (Smíchov). Diese Kartause, die älteste Böhmens, war 1341 von König Johann von Böhmen gegründet worden. Im 14. Jahrhundert von den böhmischen Königen mit Privilegien begünstigt (1383 Nov. 21 befreite König Wenzel ihr Gut Mokrow von allen Landesabgaben), zogen sich die Kartäuser von Mariengarten später durch ihr eifriges Auftreten gegen den Hussitismus den fanatischen Haß der Taboriten zu. Am 19. Aug. 1419 erstürmte eine Schar von Hussiten das Kloster, plünderte es vollkommen aus und machte es tags darauf dem Erdboden gleich. Die Mönche, zunächst gefesselt in das Altstädter Rathaus gebracht, wurden vom Rate heimlich entlassen und konnten sich durch die Flucht retten. (Anton Frind, Die Kirchengeschichte Böhmens II (1866), S. 326f. und III (1872), S. 300.) Sie scheinen schließlich bis nach Österreich gekommen zu sein und dürften in ihrem Schwesterkloster Gaming ein Asyl gefunden haben.

  3. Bestandsgeschichte
  4. So merkwürdig es klingt: es war ihnen gelungen, die wichtigsten Urkunden ihres Archivs mit sich zu nehmen. Nach der Beendigung der Hussitenkriege scheinen die noch überlebenden Kartäuser von Mariengarten mehrfache Versuche zur Wiederherstellung ihres Klosters gemacht zu haben. Am 25. Nov. 1454 erließ König Ladislaus Posthumus ein Mandat, in dem er allen denen, die Güter der Kartause in Pfand hätten, befahl, sie gegen Erlag der Pfandsumme herauszugeben; (Original ehedem StA., Rep. XIII, jetzt Archiv d. Min. d. Inn., Prag.) 1456 erging ein neuerliches Mandat des gleichen Inhaltes. ("Hauptbuch" I B, f. 3 Nr. A 50.) Aber der Tod des jungen Königs dürfte die Hoffnungen der Kartäuser zerstört haben. Mariengarten wurde nicht wiederhergestellt. Seine Urkunden blieben, wertlos geworden, in Gaming und führten hier drei Jahrhunderte lang ein völlig unbeachtetes Dasein. Von den Klosterarchivkommissären 1782 mit den Gaminger Archivalien vermischt, teilten sie zunächst deren Schicksale.Am 12. April 1783 begann die Zerteilung der Gaminger Archivalien des Depositoriums: die Abteilung N kam an die Stiftungshofbuchhaltung, die Abteilung P an die Lehenstube. Die Hauptmasse, Abteilung A-I mit insgesamt 1959 Archivstücken, wanderte am 16. Mai in die Kameraladministration. Am 10. Juni kam die Abteilung O an die Vizehofkammerprokuratur. Der Rest, Abteilung K, L, M und Q, wurde am 31. August in die niederösterreichische Regierungsregistratur übernommen. (Ebendort, f. 114, 134, 139, 148, 170.)Schon bei der Auslieferung der Abteilungen A-I und N-P waren an der Stelle der ausgelieferten Stücke genaue Rezepisse (kurze Regesten) im Depositorium hinterlegt worden. Auf Grund dieser Rezepisse und der Abteilungen K-M und Q wurde in der Regierungsregistratur unter Leitung Franz von Wallenfelds von einem Tagschreiber Thomas Ferdinand Frank in der Zeit vom 1. April bis zum 1. Juli 1786 der umfangreiche "Gaminger Index", ein Großfolioband von 738 Blättern, angelegt. (StA., Klosterakten, Verzeichnisse (früher Hs. Böhm Suppl. 220); (vgl. Bericht Wallenfelds von 1786 Juli 12; Original AfNö., Fasz. C 28 Nr. 1786 C 3508/1286).) Die Rezepisse scheinen später vernichtet worden, die Abteilung M zum größten Teil an die Hofbibliothek gekommen zu sein (nur die beiden schönen Kopialbücher des 14. Jahrhunderts kamen in die "Sammlung Prandau" und von dort 1812 ins StA.); von Abteilung Q wurde wahrscheinlich viel vernichtet, aus Abteilung K und L sowie dem Rest von Q wurden später die Fasz. 2-7 der "Klosterratsregistratur" gebildet. 1812 erwarb Hormayr 58 Stücke der Abteilung K (darunter 4 Urkunden von Mariengarten) und 2 Stücke der Abteilung L für das StA. (Beilage zu Reg. des StA., Nr. 40/1813.) Das übrige brachte Meiller am 26. April 1844 gleichfalls ins StA. (Reg. des StA., Nr. 24/1844.) 1851 folgte dahin auch der Wallenfeldsche Index nach. (Reg. des StA., Nr. 31/1851.)Die gewaltige Masse der Gaminger Archivalien, die 1783 in die Kammeraladministration gekommen und die bald darauf um die Abteilung P aus der Lehenstube vergrößert worden war, ist leider zu zwei Dritteln (meist Akten und Geschäftsbücher) verlorengegangen. Wie dies im einzelnen zuging, läßt sich heute nicht mehr erweisen. Zweifellos ist bei dem 1826 erfolgten Verkauf der Religionsfondsherrschaft Gaming an Graf Albert Festetics de Tolna vieles nach Gaming abgegeben worden (eine Urkunde hatte Hormayr 1813 für das StA. erworben). Der Rest übersiedelte 1830 in die Kameral-Gefällen-Verwaltung. Das Wertvollste davon, 695 Urkunden (darunter 23 von Mariengarten), kam am 9. April 1836 ins StA., (Reg. des StA., Nr. 22/1836.) eine weitere Lieferung (81 Urkunden und 26 Geschäftsbücher) am 20. Nov. 1846, eine dritte (16 Urkunden und 55 Geschäftsbücher) am 5. Febr. 1850. Endlich erhielt das StA. am 11. März 1869 aus der Hofbibliothek noch zwei Gaminger Urkunden, von denen freilich nicht zu sagen ist, wie sie dahin gekommen waren. (Reg. des StA., Nr. 62/1846, 6/1850, 62 1/2 /1869.)Wenn so trotz aller Verluste noch ein erheblicher Teil der Gaminger Archivalien, vor allem die Hauptmasse des Urkundenarchivs, im StA. vereinigt werden konnte, so ließ diese Vereinigung leider sehr viel zu wünschen übrig. Die Repertorisierung der Urkunden verteilte sich je nach dem Zeitpunkte der Einlieferung auf die verschiedensten Repertorien. Die Erwerbungen von 1812 und 1813 kamen in die "Familienurkunden" und in Rep. I (AB.375), II (AB.378) und XII (AB.387e) (Mariengarten), die Erwerbungen von 1836 in Rep. IV (AB. 379/1) und XIII (AB. 393) (Mariengarten), die von 1844 in Rep V. (AB. 357) später in Rep. ad IV (AB. 379/2), die von 1846, 1850 und 1869 in Rep. ad IV, die 1846 erworbenen Papierurkunden gerieten nach 1872 gar in Fasz. 492 der Abteilung "Österr. Akten, Geistliches Archiv". Die 1844 aus der Klosterratsregistratur erhaltenen Korrespondenzen wurden am 20. April 1872 an das niederösterreichische Landesarchiv abgetreten, (Reg. des StA., Nr. 62/1872.) mit Ausnahme der Korrespondenzen des 15. Jahrhunderts, die zurückbehalten und in die Abteilung Österr. Akten, Niederösterreich eingeteilt wurden. Die 27 erhaltenen Urkunden von Mariengarten (Rep. XII und XIII) wurden 1920 an die Tschechoslowakische Republik ausgeliefert und kamen so nach 500 Jahren wieder nach Prag zurück.Über das Schicksal der in Gaming, Scheibbs und im Gamingerhof zu Wien verbliebenen Registraturen fehlt uns leider jede Kunde. Die Registratur des Gaminger Berghofs zu Baden wurde am 22. Sept. 1783 mit dem Hof an die Stadt Baden verkauft und gelangte so in das Badener Stadtarchiv. (StA., nö. Kameraladministration Fasz. Nr. 23.)

  5. Folgende Ausführungen zur Stiftsgeschichte sind aus:
  6. Walther Latzke: Die Klosterarchive, in: Inventare österreichischer staatlicher Archive. V. Inventare des Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchivs. 6. Gesamtinventar des Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchivs. Dritter Band des Gesamtinventars. Wien: 1938, S. 448-450.

  7. Benützte Editionen/Regestenwerke
  8. HHStA, Repertorium XIV/4.