ausklappenVoravignoner Bischofsammelindulgenz

Bischofsammelablass aus Italien vor dem Niederlassen der Kurie in Avignon.

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Bischofsammelablässe wurden Ende des 13. Jahrhunderts mit stark vergrösserten, mitunter graphisch bereicherten Initialen in der Schreibertinte ausgestattet, deren Binnenfeld freilich zumeist leer verblieb. Eine Bischofsammelindulgenz sticht allein durch ihre Grösse und die Menge ihrer Siegel hervor, Seibold ermittelte als durchschnittliche Grösse 580 x 374 mm für die Voravignoner Exemplare (Seibold 2001, S. 55). Die Grösse hängt mit der Funktion zusammen, denn die Urkunden wurden wohl an den ausgelobten Tagen in den Kirchen an Stangen aufgehängt, ausgelegt oder sogar am Portal angeschlagen (teilweise sind die Schlaufen zum Aufhängen noch erhalten). Sicherlich wird der Priester während des Gottesdienstes die Ablassgelegenheit angekündigt haben. Ihr Text sollte auch aus grösserer Entfernung lesbar sein; dem entsprechend sind die Zeilenabstände gross. Die grossen Zeilenabstände geben den in der Anfangszeit schon unterschiedlichen Schriftarten Raum, Ober- und Unterlängen zu entfalten. Dabei wird man nicht nur die gute Lesbarkeit im Auge gehabt haben, die Schrift – wie auch die zahlreich an der Urkunde hängenden Siegel – werden auch als ikonisches Zeichen zu verstehen sein; nicht nur für die illiterati. Schon früh hat man deshalb in der Forschung von „Plakaten“ im Zusammenhang mit Sammelindulgenzen gesprochen.

Hippolyte Delehaye, der sich als erster grundlegend mit Bischofssammelindulgenzen beschäftigt hat – wenn er auch der Dekoration keine Beachtung schenkte – machte als erstes Exemplar mit 14 Ausstellern am päpstlichen Hof in Orvieto 1281 August 30 für die Michaelskirche in Lüneburg aus (Delehaye, 45, 1927, S. 109 – nur kopial überliefert; vgl. UB des Klosters St. Michaelis zu Lüneburg, S. 85, Nr. 114, online: http://reader.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb10477853_00093.html ). Unser bisher erstes im Original nachweisbares Exemplar, 1283 Oktober 1 für Marienstern, bietet noch keine Besonderheiten neben dem vergrösserten U(niversis) in der ersten Zeile. Doch bereits im September desselben Jahres (1284 September 1) für Mariengreden ist (U)niversis in Elongata geschrieben. Im Jahr 1287, im Ablass für Altenburg, ist das Binnenfeld mit Ornamenten gefüllt, ein Jahr später (1288 für Herzog Heinrich, Gründer des Wiener Schottenstifts) findet man Fleuronnée und einen recht ungewöhnlichen senkrechten Balken im Binnenfeld. 1288 für Einsiedeln hat man gar eine Ranke mit floralen und zoomorphen Motiven an den Rand gemalt.

Man probiert demnach in den ersten Jahren unterschiedliche Möglichkeiten aus, der Urkunde zusätzliche Attraktivität zu verleihen, damit sie den besonderen performativen Anforderungen dieser Urkundengattung besser genügen kann. Gelegentlich lässt man, wie z. B. 1289 Dezember 13 für Hersfeld die U-Initiale über den Textspiegel hinaus in den linken Rand ragen; etwas, was bei den späteren illuminierten und auch historisierten Avignoner Bischofsammelindulgenzen nahezu die Regel ist. Dort wird auch erstmals das ganze Wort „Universis“ in Zierschrift mit Begleitlinien gestaltet. Diesen Ansatz findet man im bisher bekannten Material auch bei 1296 für das Marienhospital in Braunschweig und 1297 für das Elisabethenhospital in Marburg. Aus dieser Grundidee werden auch umfänglicher gestaltete Urkunden entwickelt, wenn z. B. 1296 für die Wiener Schotten die Spatien zwischen den Buchstaben mit – ein wenig unprofessionell wirkendem – Fleuronnée gefüllt werden und lustige Gesichter hinzukommen(Schreiber mit den Drolerien. Weniger das höhere Ausstattungsniveau, sondern die Eleganz der U-Initiale mit ihren organisch anmutenden Aussparungen und den federstrichdünnen Serifen, die mit einem ebenso dünnen Bogen unten korrespondieren, machen den Ablass 1292 für die Petrikirche in Braunschweig zu einem ästhetischen Vergnügen, selbst wenn der Versuch, die Initiale in den Text einzurücken, nicht funktioniert hat.

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Wie später in der Werkstatt der Avignoner Bischofsammelindulgenzen zu beobachten, scheint es bereits in der römischen Kanzlei gestaffelte Dekorationsprogramme gegeben zu haben. Die unter diesem Aspekt prächtigste Version ist mit 1296 für Simon und Juda in Goslar erhalten: Dort wird die grosse und breite U-Initiale fünf Zeilen tief in den Textblock eingelassen und der Rest des Wortes zweizeilig geschrieben; auch die grösseren Initialen im Textblock sind mit Begleitlinien versehen. Die Jahre 1295-1297 erweisen sich somit als fruchtbare Experimentierphase in der Gestaltung der Sammelablässe in Italien. Farbige Tinten kommen 1297 hinzu (1297 für das Wiener Schottenkloster), zur gleichen Zeit sind auch erste Experimente zu beobachten, die es ermöglichen, die Initiale noch grösser zu gestalten, indem man sie in den Textblock einlässt (bereits z. B. 1295 Februar 13 für Allendorf).

Aus dem Jubeljahr 1300 ist eine grosse Menge erhalten, doch kann man in dem Jahr keine besonderen Entwicklungen bei Layout oder Dekoration bemerken.

Nach 1300 lässt die Produktion entschieden nach; Delehaye (45, 1927, S. 326 f.) kannte aus den Jahren 1301 bis 1310 nur 19 Erwähnungen; wir konnten bisher keine Urkunde nachweisen. 1309 hatte sich Clemens V. in Avignon niedergelassen; den ersten Ablassbrief, der in Avignon ausgestellt wurde, konnte Delehaye 1311 Juli 5 für die Stiftskirche in Essen nachweisen. Ein Jahr später wurde aber auch noch eine Indulgenz in Rom ausgestellt (1312 März 22 für die Johanneskirche in Unsar (Delehaye, 45, 1927, S. 327); auch im weiteren Verlauf des 14. Jahrhunderts werden immer wieder Indulgenzen in Rom ausgestellt (siehe Römische Bischofsammelindulgenz. Zur weiteren Entwicklung siehe Avignoner Bischofsammelindulgenz.

Gabriele Bartz

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