ausklappenDas Layout der Avignoner Bischofsammelablässe

Die erste, bisher bekannte Indulgenz, die in Avignon ausgestellt wurde (Avignoner Bischofsammelablässe), 1311 Juli 5 für die Stiftskirche in Essen, geht noch hinter das zurück, was bei den Voravignoner Bischofsammelablässen praktiziert wurde: Die U-Initiale ist schmal und lediglich über die Höhe der ersten Zeile geführt; 1313 für St. Gertrud in Klosterneuburg bringt (U)niversis in Auszeichnungsschrift und greift damit eine Dekorationsstufe auf, die seit 1289 Dezember 13 für Kloster Hersfeld bei der römischen Kanzlei praktiziert wurde. Doch bereits 1317 für Kloster Mondsee ist die Initiale deutlich vergrössert und in das Textfeld eingelassen. Mit 1323 März 10 für Maiden Priory vom Zeichner mit den Masswerkmotiven beobachtet man ein Ausgreifen der U-Initiale in den linken Rand.

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Ein erstes Mal erscheint bildlicher Schmuck im Binnenfeld bei 1323 Mai 11 für Saint-Martin-de-Picquigny mit einer Vera Ikon, dicht gefolgt von 1323 Juni für den Dom zu Trier mit einem hl. Matthias und einem Stifter. Die U-Initiale gewinnt mit der bildlichen Gestaltung des Binnenfeldes (Illuminierte Avignoner Bischofsammelindulgenz) zunehmend an Höhe und wird in den Textblock eingelassen. Mit der Christusbüste und damit dem Beginn der farbigen Gestaltung der Indulgenzen (bisher frühestes Beispiel 1328 Juni 7 für Zoutleeuw) ist letztlich festgeschrieben, dass auch die weiteren vergrösserten Initialen der ersten Zeile (U)n(iversis) S(ancte) M(atris) mit farbigen Aussparungen versehen werden (Historisierte Avignoner Bischofsammelindulgenz). Selten wird das „n“ zu weiteren Historisierungen genutzt, so z. B. 1330 September 1 für Dinant (n-Initiale), wo die vorher das Binnenfeld der U-Initiale beherrschende Sujet der Christusbüste erscheint (vgl. Ikonographische Diversifizierung). 1328 Juni 7 für Zoutleeuw wird ein erstes Mal der Rand für Illuminierung genutzt. Die Christusbüste erscheint im Binnenfeld der Initiale und der Titularheilige Leonhard wird in einem Bildfeld links platziert, unter ihm erscheint – ohne Bildfeld - der Petent.

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Weckte der extrem wichtige Ablass für Zoutleeuw den Eindruck, dass weitere Gestaltungsmöglichkeiten im Hinblick auf den Rahmentyp dort bereits angedacht waren, verstärkt auch der dort noch nicht in einem Rahmen erscheinende Bittsteller (Petent) diese Vermutung. Auch die Urkunde 1330 September 1 für Dinant belegt, dass man in der Werkstatt der Avignoner Bischofsammelindulgenzen bereits zu diesem frühen Zeitpunkt mit einer Rahmung um Initiale und Textblock experimentierte, hier noch in Form eines Streifens aus ausgesparten Kreuzblumen abwechselnd vor grünem und rotem Grund. Der Wunsch der Auftraggeber, mehr als eine Figur auf ihrer Urkunde zu sehen, führt zur Veränderung der U-Initiale und damit letztlich auch des Layouts.

Die Bittsteller für die 1328 gegründete Kartause Koningsdal bei Gent erbaten sich ein im erhaltenen Material unikales Layout; 1330 November 12 datiert ihre Indulgenz, die im Binnenfeld eine Kreuzigung mit Maria und Johannes enthält, im „n“ eine Christusbüste (n-Initiale) sowie im Textblock im Q(uoniam) eine stehende Maria mit Kind. Offenbar hat dieses Verfahren beim Schreiben zu viel Mühe bereitet, weshalb man es nicht mehr anwandte. Einen weiteren Sonderfall stellt die Urkunde 1331 Februar 26 für Albi dar; bei dieser Urkunde hat man dem bestätigenden Bischof in einer Initiale am Ende der Urkunde dargestellt. Freilich ist dort die Illuminierung ausserhalb der Werkstatt der Avignoner Bischofsammelindulgenzen erfolgt; der Bischof Béraud de Fargues war wohl zugleich Bittsteller und Bestätiger.

Bei 1331 September 15 für Cembra endet die U-Initiale erstmals tiefer als die erste Zeile. Dieses Vorgehen beobachtet man immer wieder, bis zum Ende der Tätigkeit der Werkstatt der Avignoner Bischofsammelindulgenzen, 1348 März 5 für das Heilig-Geist-Spital in Nürnberg. Doch wird es sich dabei kaum um eine individuelle Entscheidung des Ausführenden handeln. Anders verhält es sich mit dem Ausgreifen in den linken und den oberen Rand der Initiale: Im Ablass 1332 September 1 für Zürich wird die Initiale mit einem Feld umgeben, das so weit in den linken Rand geführt wird, dass darunter ein Bildfeld für den bestätigenden Bischof entstehen kann. Letztlich 1332 Oktober 15 für Lahnstein, die erste erhaltene Indulgenz des Rahmentyps, setzt oberhalb der U-Initiale einen Bordürenstreifen an, damit sie in die Bildleiste integriert ist. Erst in den 1340er Jahren, vielleicht mit dem Eintritt eines neuen Mitarbeiters in die Werkstatt, ist das Layout mit dem Bildstreifen vollendet (z. B. 1342 März 22 für Maaseik).

Die U-Initiale wie die Auszeichnungsschrift der ersten Zeile nehmen im Lauf der Zeit immer grösseren Raum ein; dabei können sie sowohl in den Textblock eingesetzt sein (z. B. 1339 April 4 für Mergentheim), oder die U-Initiale ragt weit in den oberen Rand (z. B. 1335 Juli 2 für Imola). Es wäre folgerichtig, wenn man sich auf das Einrichten eines Bildfeldes geeinigt hätte, denn mit zunehmender Bevölkerung der Initiale in den Schäften und im Binnenfeld gerät die Lesbarkeit des Buchstabens in den Hintergrund. Doch nur in seltenen Fällen hat man das probiert (besonders gelungen: 1335 Juli 5 für Kloster Zeven); wie man bei Veränderungen im Layout und Dekoration bei den Avignoner Sammelablässen häufig ein Beharren auf einmal Entwickeltem beobachten kann.

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1331 September 15 für Cembra, der bisher ersten bekannten Indulgenz mit je einer Figur in den Buchstabenschäften zeigt die Schwierigkeit dieses Vorgehens, denn es kann keine gemeinsame Standhöhe für die Figuren gefunden werden. Während sich Johannes Ev. rechts ein wenig windschief in die unten abgeschrägte Form der Initiale zwängen muss, wird bei Johannes d. T. links kurzerhand die Buchstabenform ignoriert und die Figur hinter deren Kontur fortgeführt. Diese Entwicklung, weg vom Buchstaben hin zu einem triptychonartig aufgeteilten „Bildfeld“, ist bei 1333 Jänner 18 für Kirchberg zu einem ersten Höhepunkt getrieben (bisher späteste Wiederholung 1342 April 12 für Pusarnitz; dort freilich werden die flankierenden Figuren in den Schäften untergebracht): Die thronende Maria im Binnenfeld wird von einer Dreipass-Arkade überfangen, die sie flankierenden Figuren ignorieren im unteren Bereich den Buchstabenkontur und stehen – ganz im Sinne einer Nachahmung eines Altarwerks – wie Skulpturen auf Postamenten. Es entsteht deshalb eine Tendenz, das Binnenfeld deshalb so rechteckig wie möglich zu formen, bei 1340 Jänner 3 für St. Michael in Wien wird unterschiedlich gefärbter Mustergrund eingesetzt, um den Buchstaben kenntlich zu machen; gleichzeitig jedoch werden gerade durch diese Hintergrundgestaltung Assoziationen mit Buch- und Tafelmalerei geweckt.

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Der Rahmentyp erfordert oben einen breiten Rand, um auch dort einen Bildstreifen unterbringen zu können (extremstes Beispiel ist 1342 März 22 für Maaseik). Dadurch rutscht der Textblock nach unten. Auch bei Indulgenzen ohne einen Bildstreifen oben findet man diesen auffällig breiten Streifen, wohl weil man bei der Linierung des Pergaments generell einen vorsah (z. B. 1332 Oktober 27 für St. Jakob in Hohenberg oder bei einer einfachen Ausführung 1333 für St. Katharinen in Schönemoor). Beim Ablass 1333 Mai 20 für St. Gallen haben die Empfänger diese Freifläche für eine Illuminierung genutzt.

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Neben dem Rahmentyp hat man die Ränder auch ohne Bildfelder für Darstellungen genutzt und damit den Weg zum Blattrankentyp geebnet. 1336 September 15 für das Kloster Ahnaberg erscheinen Petentengruppen auf den Aussenrändern; 1343 Jänner 22 für den Wiener Stephansfriedhof wird gar die erzählende Szene dorthin ausgeweitet. Nachdem einmal dekoratives Blattwerk die Ablassurkunden erobert hat, das von der Initiale ausgehend meist nur wenig ausstrahlt, aber auch den ganzen oberen Rand einnehmen kann (1344 April 28 für Frauenberg), ist der Katalog für die Besteller um ein weiteres Baukastenteil ergänzt. Es scheint, als wäre auch alles Frühere möglich (z. B. Rahmentyp 1347 Juli 5 für Borken).

Bisher ist die letzte bisher bekannte Indulgenz mit Illuminierungen aus der Werkstatt der Avignoner Bischofsammelindulgenzen 1348 März 5 für das Heilig-Geist-Spital in Nürnberg ausgestellt worden. Daraufhin ändert sich beim Layout der Urkunden nur wenig; die U-Initiale wird noch grösser, ebenso wie die erste Zeile (z. B. 1357 November 20 für Nidda; vgl. unilluminierte Avignoner Bischofsammelindulgenz). Immer ist das Format querrechteckig; nur seltene Ausnahmen (z. B. 1357 November 20 für Nidda, 1343 Juli 18 für S. Maria del Ponte, 1345 Juli 31 für St. Georgen im Attergau, 1347 Februar 5 für Hirsau, 1363 März 6 für Sarmensdorf und 1362 Dezember 10 für St. Gallen) haben ein etwas schmaleres Textfeld.

Gabriele Bartz

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