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Charter: Illuminierte Urkunden 1343-01-22_Wien
Signature: 1343-01-22_Wien
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1343-01-22, Avignon
Bischofsammelindulgenz (12 Aussteller) für die Magdalenenkapelle am Stephansfriedhof in Wien:
Erzbischof Nerses von Manasgerd (Manasgardensis) und die Bischöfe Manfredus von Ajaccio (Aiocensis), Alexius von Pera (Pera Armenorum), Petrus von Monte Marano (Montismarani), Gregorius von Oppido (Oppidensis), Thomas von Knin (Tiniensis), Petrus von Cagli (Calliensis), Bernardus von Ganos (Ganensis), Avancius von Xanthi (Sanchiensis), Vinzenz von Mariana (Marinensis), Paganus von Sagona (Sagonensis) und Amedeus von Lango (Langonensis) erteilen all jenen einen Ablass von 40 Tagen (misericorditer in Domino relaxamus), die das Bildnis Jesu Christi neben dem neuen Karner auf dem in der Diözese Passau gelegenen Stephansfriedhof in Wien (ymago sancti Salvatoris), die das Bildnis Jesu Christi neben dem neuen Karner auf dem in der Diözese Passau gelegenen Stephansfriedhof in Wien (ymago sancti Salvatoris iuxta novum karnarium in cimiterio sancti Stephani in Vienna) reumütig und nach Ablegung der Beichte an bestimmten Festtagen besuchen und dort ein Vater Unser und den Engelsgruss beten, Spenden tätigen, zur Verehrung Jesu Christi Lichter oder Fackeln darreichen oder darreichen lassen, mit gebeugten Knien drei Vater Unser sprechen und das Bildnis an allen Festtagen des heiligen Salvators, zu Weihnachten, zu den Festen der Beschneidung und der Erscheinung des Herrn, am Karfreitag, zu Ostern, zu Christi Himmelfahrt, zu Pfingsten, am Dreifaltigkeitstag, zu Fronleichnam, an allen Marienfeiertagen, am Kreuzauffindungstag, am Kreuzerhöhungstag, zum Fest der Geburt des heiligen Johannes des Täufers, am Peter- und Paulstag, zu Allerheiligen und zu Allerseelen ehrfürchtig anbeten sowie all jenen, die beim Umgang am Stephansfriedhof für die darin liegenden Verstorbenen Gebete sprechen und die für die Impetratoren der vorliegenden Indulgenz, den Goldschmied Friedrich und seine Frau Agnes (magistro Friderico aurifabro et Agnete uxore sua, presentis indulgencie impetratoribus), beten.

1343 April 6, s. l.
Bischof Gottfried von Passau bestätigt (confirmamus) die vorliegende Indulgenz und fügt weitere 40 Tage Ablass hinzu.
Markus Gneiss
Source Regest: FWF Projekt P 26706-G21 "Illuminierte Urkunden"
Bearbeitungsstand: HOCH
 

Original
Current repository
Wien, Diözesanarchiv, sub dato

zehn Reste von Seidenschnüren mit Überresten von Wachssiegeln (rotes Wachs), ein Siegel (wohl des bestätigenden Bischofs) an Pergamentpressel, nicht mehr erhalten.Material: Pergament


  • notes extra sigillum
    • Vorderseite rechts am Rand oberhalb der Plica: VI C d(ies) qui ut prius fecerint specialem orationem circa carnarium [ante] ymaginem Christi. Rückseite (um 1400): Qui tria pater noster dixerit ante ymaginem Salvatoris apud novum carnarium XL dies vel qui circuerit cimiterium orando pro defunctis.
Graphics: 
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  • Materielle Beschreibung: 
    Historisierte Avignoner Bischofsammelindulgenz: Historisierte Initiale U(niversis) zu Textbeginn, von der Initiale ausgehend eine Figurengruppe links, drei vergrösserte Initialen mit farbigen Blattwerkaussparungen in der ersten Zeile, drei farbig markierte einzeilige Initialen im Textblock.
  • Zehn Zeilen hohe historisierte, unterhalb der ersten Zeile endende Initiale: mit der Feder gezeichnet und koloriert. Im Binnenfeld stehender Christus mit Schriftband („P[ate]r si fieri p[otes]t [t]ra[n]seat a me calix iste“, Mt. 26,39), vor Mustergrund. Im rechten Schaft ein kniendes Donatorenpaar. Der linke Buchstabenschaft einfarbig und mit aufgemalter Blattranke, oben in ein Akanthusblatt mit einem Dornblatt mündend. Die Initiale schliesst mit dem Binnenfeld auf Höhe des Textspiegels ab; seine Wölbung in den Rand wird von den zwölf stehenden Aposteln überschnitten.
  • Am Rand weitere Linierung.
  • Stil und Einordnung: 
    Obwohl es sich beim Sammelablass für die Magdalenenkapelle auf dem Stephansfriedhof in Wien um keine besonders aufwendige Ausstattung handelt (vgl. Rahmentyp sowie Blattrankentyp), ist er doch in verschiedener Hinsicht bemerkenswert. Vom Layout her gehört er zur Gruppe, die die Initiale unterhalb der ersten Zeile enden lassen. Darüber hinaus findet man hier das Akanthusblatt, auf dem die Initiale gleichsam gebettet scheint; ausgeprägter konnte man das z.B. 1342 Februar 12 für Nenkersdorf beobachten, wo allerdings nicht deutlich wird, ob dieser Akanthuswedel zum Buchstaben gehört. Der kleine Akanthusausläufer links oben ist am besten mit 1342 August 4 für Deutschnofen zu vergleichen, doch auch 1342 August 12 ebenfalls für Deutschnofen und 1342 Februar 12 für Nenkersdorf lassen sich solche Versuche beobachten. Erstes und bisher zum häufigeren Vorkommen von Ranken noch nicht durch weitere Funde angeschlossenes Beispiel ist 1331 September 15 für Cembra. Weitere Untersuchungen müssen zeigen, ob der Ablass für Cembra nicht als einzige erhaltene Urkunde dieser frühen Versuche von Akanthusdekoration zu gelten hat.
  • Das weltliche Bittstellerpaar ist so im bisher bekannten Material noch nicht vorgekommen; der Aachener Bürgermeister Gerardus Chorus und seine Frau hatten sich freilich 1335 Jänner 11 für Kloster Burtscheid einzeln in gerahmten Bildfeldern am Rand verewigen lassen. Der Goldschmied Friedrich Straicher und seine Frau Agnes sind im Text namentlich erwähnt. Als Stifter des Ölbergreliefs auf dem Friedhof wird das ungewöhnliche Sujet der Initiale verständlich (vgl. ikonographische Diversifizierung), denn auf dieses Bildnis ist der Ablass bezogen. Damit gehört die Indulgenz zu den wenigen Stücken, die den Ablass auf ein Kunstwerk beziehen. So dezidiert wie hier sind freilich kaum andere Textformulare auf ein Bildwerk gemünzt.
  • Auch die Ausweitung der Szene auf den Rand ist ein Novum; formal wären dazu die Stiftergruppen 1336 September 15 für Ahnaberg zu vergleichen. Offenbar hat man neben dem Rahmentyp auch andere Layouts ausprobiert, wie man z.B. auch an 1342 April 12 für Pusarnitz sehen kann, wo zwei Heilige ohne Rahmung rechts am Rand positioniert wurden. (vgl. Blattrankentyp).
  • Zwar konnte man bereits 1336 Mai 6 für Mondsee mit einer Verkündigung und 1339 November 5 für St. Stephan in Wien mit einer Steinigung des Stephanus eine Szene auf Buchstabenschaft und Binnenfeld beobachten, doch dass die Figuren in den Rand ausweichen, ist neu.
  • Tatsächlich ist auch die Ikonographie der Szene merkwürdig, denn Christus kniet normalerweise, wie auch die Apostel zu schlafen hätten. Tatsächlich erinnert die Gruppe eher an Petentengruppen, wie sie 1336 September 15 für Ahnaberg aussen an den Rändern erscheinen. Einziges Zugeständnis an die Wiedererkennbarkeit des Sujets ist der Hügel, auf dem Christus steht.
  • Die Ausführung der Malerei ist besonders sorgfältig mit vielen Farben und dem Weiss, das einigen Ornamenten aufgelegt ist. Interessant ist dabei die unterschiedliche Behandlung der Inkarnate der Figuren: Die lebenden Personen werden mit Schatten, ungewöhnlicher Weise in Rot, an Kinn und Kopftuch belebt, während die heiligen Figuren rote „Apfelbäckchen“ bekommen. Radocsay (1970, S. 12) schrieb diesem Maler auch 1342 März 27 für Pergkirchen und 1342 April 12 für Pusarnitz zu.
  • Gabriele Bartz, Martin Roland
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Bibliography

Comment

Arenga (Incipit): Splendor paterne glorie ... .
Diese Sammelindulgenz bezieht sich auf das durch den Goldschmied Friedrich und dessen Frau Agnes gestiftete Ölbergrelief auf dem Stephansfriedhof in Wien, das neben dem neuen Karner errichtet worden ist; zu diesem Gebäude, das ab Mitte des 14. Jahrhunderts auch als Maria-Magdalena-Kapelle bezeichnet wird, vgl. Perger, Brauneis, Kirchen, 1977, S. 70–72 (Volltitel auf Zotero).
Der Stifter und Impetrator dieses Stücks Fridericus aurifaber ist wahrscheinlich mit dem Goldschmied Friedrich Straicher identisch, der Angehöriger einer gleichnamigen ratsbürgerlichen Familie war, zu dieser vgl. Sailer, Ratsbürger, 1931, S. 412–414 (Volltitel auf Zotero). Dieser fertigte unter anderem ein goldenes Kreuz für den Bischof von Freising an, der jedoch offenbar längere Zeit die Zahlung des gesamten ausgemachten Lohnes schuldig blieb, wie eine über diesen Schuldenstand ausgestellte Urkunde des Goldschmieds aus dem Jahre 1344 vermuten lässt, siehe für einen Druck Zahn, Codex diplomaticus 2, 1871, S. 283 Nr. 691 (Volltitel auf Zotero). Friedrich dürfte jedenfalls vor 1349 gestorben sein, da in diesem Jahr sein Sohn Jakob eine Urkunde ausstellt, in der dessen Vater bereits als verstorben bezeichnet wird (Ich Jacob maister Fridreichs sun des goltsmide des Straicher, dem got gnade...), vgl. dazu Lampel, Urkundenbuch 1, 1891, S. 419f. (Volltitel auf Zotero).
Das Ölbergrelief ist heute nicht mehr erhalten, eine barocke kopiale Überlieferung teilt jedoch die deutschsprachige Inschrift mit, die in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts dort angebracht wurde und die einen Teil der Ablassgelegenheiten aus der Sammelindulgenz paraphrasiert, siehe dazu Zajic, Strategies, 2014, S. 416f. (Volltitel auf Zotero).
Das Diktat der vorliegenden Indulgenz ist bemerkenswert, stellt es doch ganz besonders die fromme und ehrfürchtige Verehrung des Ölbergreliefs in den Mittelpunkt der Ablassgelegenheiten. Die gängige Formularsabfolge wird deswegen auch geändert: Die Tage, an denen der Ablass gewonnen werden kann, rücken nach hinten, das Gebet am Friedhof und vor dem Relief wird zuerst erwähnt und gewinnt dadurch an Gewicht. Dass auch die Impetratoren der Indulgenz in das Gebet eingeschlossen werden sollen, ist eine gängige Ablassgelegenheit, erscheint hier aber im Zusammenhang mit der bildlichen Darstellung des Petentenpaares trotzdem als bemerkenswert.
Markus Gneiss
Places
  • Avignon
    • Type: Ausstellungsort
  • Frankreich (Kurie)
    • Type: Region
  • Wien
    • Type: Empfängerort
  • Österreich
    • Type: Region
Persons
  • Alexius von Pera
    • Amedeus von Lango
      • Avancius von Xanthi
        • Bernardus von Ganos
          • Gottfried von Passau
            • Gregorius von Oppido
              • Manfredus von Ajaccio
                • Nerses von Manasgerd
                  • Paganus von Sagona
                    • Petrus von Cagli
                      • Petrus von Monte Marano
                        • Thomas von Knin
                          • Vinzenz von Mariana
                            Keywords
                            • Illuminated Charters: Niveaus:
                              • N1: historiated
                              • N1: Initials
                              • N1: Borders
                              • N1: with Additional Colours
                              • N1: painted
                            • Illurk-Urkundenart:
                              • Bischofsammelindulgenz
                            • Glossary of illuminated charters (in German):
                              • Historisierte Avignoner Bischofsammelindulgenz
                              • Rahmentyp
                              • Blattrankentyp
                              • Das Layout der Avignoner Bischofsammelablässe
                              • Ikonographische Diversifizierung
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