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Charter: Illuminierte Urkunden 1335-10-22_Bern
Signature: 1335-10-22_Bern
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1335-10-22, Avignon
Bischofsammelindulgenz (10 Aussteller) für das Heiliggeistspital vor den Mauern von Bern:
Erzbischof Guillelmus von Bar (Antibarensis), die Bischöfe Johannes von Terralba (Terrealbensis), Thomas von Lavata (?, Laveriensis), Erzbischof Franziskus von Kertsch (Wospriniensis) sowie die Bischöfe fraterRicardus von Scurschi (Cersonensis), Raimundus von Kotor (Catharensis), Petrus von Monte Marano (Montismarani), Alamannus von Soana (Suanensis), Philipp von Salona (Salonensis) und comes [!] Gorzias von Belluno-Feltre (Feltrensis et Beluensis) erteilen all jenen einen Ablass von 40 Tagen (misericorditer in Domino relaxamus), die die in der Diözese Lausanne gelegene Spital[kirche] zum Heiligen Geist vor den Mauern von Bern, die zu Ehren des heiligen Johannes des Täufers gegründet wurde, sowie den Marienaltar daselbst (hospitale pauperum sancti spiritus extra muros in Berna, Lausanensis diocesis, fundatum in honore sancti Johanni baptiste et altare beate Marie ibidem) an bestimmten Festtagen und – soweit gegeben – in der jeweiligen Oktav reumütig und nach Ablegung der Beichte besuchen und dort Morgen- und Abendmessen oder welchen Messfeierlichkeiten auch immer beiwohnen, und zwar an den Feiertagen aller Heiligen, deren Reliquien oder Altäre sich in dieser Spital[kirche] befinden, zu Weihnachten, zu den Festen der Beschneidung und der Erscheinung des Herrn, am Karfreitag, zu Ostern, Christi Himmelfahrt, Pfingsten, am Dreifaltigkeitstag, zu Fronleichnam, am Kreuzauffindungstag, am Kreuzerhöhungstag, zu den Festen der Geburt und der Enthauptung des heiligen Johannes des Täufers, am Peter- und Paulstag, zu allen Apostel- und Evangelistenfesten, zu Allerheiligen, zu Allerseelen, am Feiertag des heiligen Erzengels Michael, an allen Marienfeiertagen, an den Feiertagen des heiligen Stephan, des heiligen Laurenz, des heiligen Vincenz, des heiligen Georg, des heiligen Blasius, des heiligen Dionysius, des heiligen Nikolaus, des heiligen Martin, des heiligen Augustinus, des heiligen Antonius, des heiligen Ambrosius, der heiligen Maria Magdalena, der heiligen Katharina, der heiligen Agathe, der heiligen Agnes, der heiligen Margarete, der heiligen Lucia, am Kirchweihtag sowie an allen Sonntagen. Weiters wird all jenen Ablass gewährt, die die den Priester beim Versehgang begleiten, die beim Abendläuten mit gebeugten Knien drei Ave Maria beten, die für den Bau, die Beleuchtung und die sonstige Ausstattung der Spital[kirche] aufkommen, die derselben bzw. dem genannten Altar entweder testamentarisch oder auf anderen Wegen Gold-, Silber- oder Kleidungsspenden bzw. andere Notwendigkeiten zukommen lassen, die die Armen im Spital unterstützen und ihnen Gaben zukommen lassen sowie jenen, die den Friedhof umschreiten und dabei für die Verstorbenen beten.

1340 Jänner 8, Lausanne
Bischof Johannes von Lausanne bestätigt die obige Indulgenz und fügt weitere 40 Tage Ablass hinzu.
Markus Gneiss
Source Regest: FWF Projekt P 26706-G21 "Illuminierte Urkunden"
Bearbeitungsstand: HOCH
 

Original
Current repository
Bern, Archiv des Burgerspitals, Urkunden des oberen Spitals, Nr. 8 (O. 8)

Reste von zehn Siegeln an Seidenfäden, das Siegel des bestätigenden Bischofs an PergamentpresselMaterial: Pergament


  • notes extra sigillum
    • Arenga (Incipit): Splendor paterne glorie ... .
      Vermerke: auf der Vorderseite keine sichtbar, kein Bild der Rückseite vorhanden.
Graphics: 
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  • Materielle Beschreibung: 
    Historisierte Avignoner Bischofsammelindulgenz: Historisierte Initiale U(niversis) zu Textbeginn, Bildfeld rechts am Rand. Erste Zeile mit fünf Initialen mit Aussparungen vor farbigem Grund in den Binnenfeldern. Im Textfeld zwei vergrösserte einzeilige Initialen farbig gefüllt.
  • Sieben Zeilen hohe historisierte Initiale zu Textbeginn: in Feder vorgezeichnet und mit Deckfarben ausgemalt. Im Binnenfeld thronender Christus, segnend und mit Weltkugel (Salvator mundi) vor kariertem Mustergrund. Der Buchstabenkörper ornamental mit Aussparungen aus Blattranken vor farbigem Grund gestaltet. Der Buchstabe ragt nach links in den Rand hinaus, wobei die innere Begrenzung des Bogens in etwa am Textspiegel ansetzt. Am rechten Rand in der Höhe des gesamten Schriftspiegels ein hohes Bildfeld mit stehendem hl. Johannes dem Täufer mit Lamm-Gottes-Scheibe unter einer Spitzarkade.
  • Stil und Einordnung: 
    Im Rahmen der ikonographischen Diversifizierung, die im Wesentlichen 1329 bei der Illuminierung von Avignoner Bischofsammelindulgenzen stattgefunden hat, stellt der Salvator mundi eine Alternative zum vorher genutzten Christusbüsten-Typus dar; im erhaltenen Material ist er hier zum ersten Mal greifbar. Tatsächlich aber wird dieses Sujet nicht so angenommen, man begegnet ihm ein weiteres Mal 1336 September 15 für Ahnaberg.
  • Bemerkenswert ist die ovale Aussparung im Gewand Christi, die dem Betrachter den Blick auf die Seitenwunde ermöglicht. Die beim Christusbüsten-Typus oft dargestellten Nagelwunden sind hier trotzdem nicht dargestellt.
  • Das Layout mit dem auf den Randstreifen herausgreifenden „U“ bietet stets Probleme, den linken Randstreifen organisch mit einem Bildfeld zu versehen, wenn ein den Textspiegel rahmender Bildstreifen vorgesehen ist (Rahmentyp). Die Lösung für Bern mit dem hochformatigen Bildfeld rechts und der durch die Wendung des Täufers entstehende Blickbeziehung zum thronenden Christus erscheint deshalb äusserst befriedigend, selbst wenn es den landläufigen Sehgewohnheiten widerspricht. Francesca Manzari (2006, S. 355) sah als Miniatoren/ Kopisten Galterius Alamannus am Werk, jedoch ohne eine Begründung zu liefern. Dabei spielt sie wohl auf die Überlegungen Homburgers an, doch hat sich im Rahmen dieser Untersuchung herausgestellt, dass es wenig sinnvoll erscheint, einen der identifizierbaren Maler mit diesem Namen zu belegen (Werkstatt der Avignoner Bischofsammelindulgenzen).
  • Martin Roland, Gabriele Bartz
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Bibliography

Comment

Das Formular entspricht weitgehend dem für Spitäler gebräuchlichen Usus. Die üblichen Ablassgelegenheiten werden durch den Besuch und/oder die Unterstützung der Armen im Spital ergänzt. Die Liste der im Ablass genannten Heiligenfeste entspricht grossteils einer Auflistung der Heiligenfeste, die sich im zwischen 1325 und 1340 entstandenen Jahrzeitenbuch des St. Vinzenz-Münsters in Bern findet; bei den in die Indulgenz aufgenommenen Festen dürfte also auf die lokale Heiligenverehrung geachtet worden sein, vgl. dazu Homburger, von Steiger, Zwei Ablassbriefe in Bern, 1957, S. 142f.
Unter den zehn Ausstellern erscheinen zwei Erzbischöfe, einer am Beginn der Ausstellerliste, einer jedoch – ungewöhnlich – an vierter Stelle mitten unter den Bischofen.
Markus Gneiss
Places
  • Avignon
    • Type: Ausstellungsort
  • Bern
    • Type: Empfängerort
  • Frankreich (Kurie)
    • Type: Region
  • HRR
    • Type: Region
  • Schweiz
    • Type: Region
Persons
  • Alamannus von Soana
    • Franziskus von Kertsch
      • Gorzias von Belluno-Feltre
        • Guillelmus von Bar
          • Johannes von Lausanne
            • Johannes von Terralba
              • Petrus von Monte Marano
                • Philipp von Salona
                  • Raimundus von Kotor
                    • Ricardus von Scurschi
                      • Thomas von Lavata
                        Keywords
                        • Illuminated Charters: Niveaus:
                          • N1: historiated
                          • N1: Initials
                          • N1: Borders
                          • N1: with Additional Colours
                          • N1: painted
                        • Illurk-Urkundenart:
                          • Bischofsammelindulgenz
                        • Glossary of illuminated charters (in German):
                          • Historisierte Avignoner Bischofsammelindulgenz
                          • Ikonographische Diversifizierung
                          • Christusbüste
                          • Das Layout der Avignoner Bischofsammelablässe
                          • Rahmentyp
                          • Werkstatt der Avignoner Bischofsammelindulgenzen
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