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Charter: Illuminierte Urkunden 1330-10-08_Darmstadt
Signature: 1330-10-08_Darmstadt
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1330-10-08, Avignon
Bischofsammelindulgenz (12 Aussteller) für die Kapelle der heiligen Maria im Wald Dreieich:
Die Erzbischöfe Guillelmus von Bar (Antibarensis) und Petrus von Nazareth (Nazareni) sowie die Bischöfe Angelus von Grosseto (Grossetanensis), Pönitentiär des Papstes, Johannes von Serbien (Serbiensis), Thomas von [Lavata] (Laveriensis, Schrift verblasst, daher unsicher), Meletius von Gallipoli (Gallipolitanensis), Jordanus von Acerno (Acernensis), Vinzenz von Mariana (Maranensis), Jordanus von [?; Schrift verblasst], Bernardus von Sebaste (Sebastensis), Rudolfus von Cyzicus (Siriquensis) und Petrus von Strongoli (Stagulensis) erteilen all jenen einen Ablass von 40 Tagen (misericorditer in Domino relaxamus), die die in der Diözese Mainz gelegene Kapelle der heiligen Maria der Eremiten im Wald Dreieich (capella sancte Marie heremitarum in silva Trieyg, Maguntinensis diocesis) an bestimmten Festtagen und – soweit gegeben – in der jeweiligen Oktav reumütig und nach Ablegung der Beichte besuchen und dort Morgen- und Abendmessen oder welchen Messfeierlichkeiten auch immer beiwohnen, und zwar an den Feiertagen aller Heiligen, denen in dieser Kapelle ein Altar geweiht ist, am Weihetag der Kapelle, zu Weihnachten, zu den Festen der Beschneidung und der Erscheinung des Herrn, am Karfreitag, zu Ostern, Christi Himmelfahrt, Pfingsten, Fronleichnam, am Kreuzauffindungstag, am Kreuzerhöhungstag, an allen Marienfeiertagen,am Feiertag des heiligen Erzengels Michael, zu den Festen der Geburt und der Enthauptung des heiligen Johannes des Täufers am Peter- und Paulstag, zu allen Apostel- und Evangelistenfesten, an den Feiertagen des heiligen Stephan, des heiligen Laurenz, des heiligen Vinzenz, des heiligen Clemens, des heiligen Georg, des heiligen Martin, des heiligen Nikolaus, des heiligen Gregor, des heiligen Augustinus, des heiligen Ambrosius, des heiligen Hieronymus, der heiligen Maria Magdalena, der heiligen Katharina, der heiligen Margarete, der heiligen Cäcilie, der heiligen Lucia, der heiligen Agathe, der heiligen Agnes, der heiligen Barbara, der 11 000 Jungfrauen, zu Allerheiligen, zu Allerseelen und an allen Sonntagen. Weiters wird all jenen Ablass gewährt, die den Priester beim Versehgang begleiten, die beim Abendläuten mit gebeugten Knien drei Ave Maria beten, die beim Umgang am Friedhof der Kapelle für die dort liegenden Seelen der Verstorbenen beten, die für den Bau, die Beleuchtung und die sonstige Ausstattung der Kapelle aufkommen, die der Kapelle entweder testamentarisch oder auf anderen Wegen Gold-, Silber- oder Kleidungsspenden zukommen lassen und denen, die für [...] Gebete sprechen [die letzten beiden Zeilen sind zu verblasst, um genauere Angaben zu machen].
Markus Gneiss
Source Regest: FWF Projekt P 26706-G21 "Illuminierte Urkunden"
Bearbeitungsstand: HOCH
 

Original
Current repository
Darmstadt, Hessisches Staatsarchiv, A1 Nr. 209/ 1

alle abgefallen; Reihenfolge der Besiegelung durch Notizen auf der Plica vorgegebenMaterial: Pergament


  • notes extra sigillum
    • Vorderseite: auf der Plica Reihenfolge der Besiegelung durch Notizen der Bischofsnamen vorgegeben; Rückseite: keine mittelalterlichen Vermerke sichtbar.
Graphics: 
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  • Materielle Beschreibung: 
    Historisierte Avignoner Bischofsammelindulgenz: Historisierte Initiale U(niversis) zu Textbeginn, die weiteren vergrösserten Initialen der ersten Zeile: das (U)n(iversis) mit einer Christusbüste im Binnenfeld, S(ancte) mit zwischen Farbflächen ausgesparter Blattranke, M(atris) mit Fischen. Im Textfeld eine zweizeilige und drei vergrösserte einzeilige Initialen mit Aussparungen und En-Face-Gesichtern im Binnenfeld.
  • Achtzeilige historisierte Initiale zu Textbeginn: mit der Feder gezeichnet und mit Deckfarben koloriert (blau, rot, grün, orange, sowie hellbraun, braun und gelb). Im Binnenfeld stehende Maria mit Kind vor kariertem Mustergrund, im rechten Buchstabenschaft kniender Bittsteller mit Schriftband, bezeichnet: „S(an)c(t)a Maria ora pro me“ und im linken ausgesparte Blattranke vor roten, grünen und blauen Grund. Die Zwickel des Initialfeldes blau mit weissen Fadenranken (Filigran). Die Initiale greift weit auf den linken Rand aus. Teile der dazu notwendigen Linierung noch sichtbar.
  • Stil und Einordnung: 
    Mit dem Ablass für die Forstwaldkapelle befinden wir uns noch am Beginn der ikonographischen Diversifizierung der Avignoner Sammelablässe. Angesichts des Marien-Patroziniums der Kapelle ist die stehende Madonna eine einleuchtende Wahl.
  • Anders als die Urkunde für Benninghausen, aber wie 1330 September für Dinant, 1330 November 12 für die Kartause von Gent, 1331 Mai 12 für St. Laurenz in Wien und 1331 Oktober 15 für Cembra wird die n-Initiale mit einem Antlitz Christi gefüllt, wie um das vorher vorherrschende Motiv der Binnenfelddekoration (Christusbüste) der U-Initiale auch noch zu seinem Recht zu verhelfen.
  • Im Ablass für Dinant tauchte erstmals ein Petent im Buchstabenschaft auf, doch scheint die Darstellung beim Ablass für die Forstwaldkapelle einer anderen Vorlage zu entstammen. Passender scheint das zu sein, was man auch 1331 Jänner 25 für Echternach verwendet hat. Gleichzeitig sieht man am Vergleich beider Figuren, wie leicht solche Vorlagen abwandelbar waren: Volles Haar und Bart kennzeichnet den Laien, die Tonsur den Mönch; durch die Farbe des Gewandes ist weitere Variation möglich.
  • Die stehende Maria entspricht der Schutzmantelmadonna von 1330 Jänner 28 für Koblenz. Mit ihren üppigen Umhang-Draperien unterscheidet sich die Figur klar von der später genutzten Vorlage (z. B. 1332 April 30 für Heiligkreuztal oder 1332 Juni 16 für Wels). Dieser Vergleich führt anschaulich vor Augen, wie deutlich die stilistischen Unterschiede in der Werkstatt der Avignoner Bischofsammelindulgenzen zutage treten können. Besser vergleichbar, und wohl vom selben Maler, sind 1329 Oktober 24 für Benninghausen, 1330 Jänner 28 für Koblenz, 1330 September für Dinant und 1331 März 29 für Purgstall. Unter dem Gesichtspunkt von reicher Draperie, der Form der Blattranke im linken Schaft und dem weissen Fadenwerk in den Zwickeln wäre 1332 September 1 für Zürich gut zu vergleichen.
  • Die En-Face-Gesichter, die ohne inhaltliche Bedeutung gleichsam aus der Urkunde auf den Gläubigen schauen, trifft man z. B. auch bei 1330 April 5 für Wittichen und 1330 April 6 für Reifenstein an.
  • Gabriele Bartz
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Comment

Arenga (Incipit): Pia mater ecclesia ... .
Markus Gneiss
Places
  • Avignon
    • Type: Ausstellungsort
  • Deutschland
    • Type: Region
  • Dreieich
    • Type: Empfängerort
  • Frankreich (Kurie)
    • Type: Region
  • Hessen
    • Type: Region
Persons
  • Angelus von Grosseto
    • Bernardus von Sebaste
      • Guillelmus von Bar
        • Johannes von Serbien
          • Jordanus von
            • Jordanus von Acerno
              • Meletius von Gallipoli
                • Petrus von Nazareth
                  • Petrus von Strongoli
                    • Rudolfus von Cyzicus
                      • Thomas von [Lavata]
                        • Vinzenz von Mariana
                          Keywords
                          • Illuminated Charters: Niveaus:
                            • N1: historiated
                            • N1: Initials
                            • N1: with Additional Colours
                            • N1: painted
                            • N2: figural
                          • Illurk-Urkundenart:
                            • Bischofsammelindulgenz
                          • Glossary of illuminated charters (in German):
                            • Historisierte Avignoner Bischofsammelindulgenz
                            • Ikonographische Diversifizierung
                            • N-Initiale
                            • Christusbüste
                            • Der Petent
                            • Vorlage
                            • Werkstatt der Avignoner Bischofsammelindulgenzen
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