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Projekt

Monasterium - Oberösterreich

Viele Jahrhunderte hindurch waren die Stifte und Klöster Oberösterreichs wichtige Mitgestalter der historischen Entwicklung. Die Bestände der Stifts- und Klosterarchive spiegeln die Geschichte und Entwicklung der jeweiligen klösterlichen Institution wieder. Sie ermöglichen auch den Blick auf ein breiteres Spektrum. Familien-, Orts- und Flurnamenforschung sind durch diese historischen Dokumente ebenso möglich, wie neue Erkenntnisse zur Besitz- und Rechtsgeschichte. Das Material deckt in seiner Fülle oft lückenlos ein ganzes Jahrtausend ab. Es ist deshalb auch Basis hilfswissenschaftlicher Fragestellungen der Diplomatik, Sphragistik oder der Paläographie. Diese Fakten zeigen das große Potenzial der Stifts- und Klosterarchive. Sie befruchten die historische Forschung in vielen Bereichen und erweitern unseren Kenntnisstand über die allgemeine Landesgeschichte.

Das Projekt „Corpus Austriae Superioris diplomatum“

Das Oberösterreichische Urkundenbuch ist bis heute die einzige größere gedruckte Urkundensammlung des Landes. Es besteht aus elf Bänden. Der erste Band erschien 1855. Die bislang letzte Ausgabe wurde 1983 abgeschlossen. Insgesamt wurden Urkunden bis zum Jahr 1399 von verschiedenster Herkunft veröffentlicht. Diese Dokumente wurden in eine chronologische Reihenfolge gebracht und jeweils mit einer zwei- bis dreizeiligen Inhaltsangabe (Kurzregest) versehen. Wo die Originale nicht mehr vorhanden waren, stützten sich die Herausgeber auf die noch älteren Editionen der "Monumenta Boica" aus dem 18. Jahrhundert. Mit Ausnahme des Stiftes Schlägl, dessen Urkunden jüngst von Isfried Pichler bis in die Neuzeit in einem eigenen Urkundenbuch veröffentlicht wurden, existieren von bestehenden und aufgehobenen Klöstern Oberösterreichs kaum Editionen oder Regestenwerke, die auch jene Bestände, die jünger als 1399 sind, abdecken.

Eine Fortsetzung des Oberösterreichischen Urkundenbuches über diesen Zeitraum hinaus ist daher ein wichtiges Anliegen der Landesgeschichte. Allein in den Archiven der sieben großen Stifte Oberösterreichs gibt es aus dem 15. und 16. Jahrhundert geschätzte 5000 Urkunden. Diese müssen für Wissenschaft, Forschung und Lehre erst erschlossen und zeitgemäß aufbereitet werden.
Das Projekt hat das Ziel, im Rahmen des „Corpus Austriae Superioris Diplomatum“ die geistlichen Urkunden (Archive der Stifte, Klöster, sowie der Bistümer Passau und Linz) zu bearbeiten. Hier werden bestehende Editionen und Regesten im Oberösterreichischen Urkundenbuch aufgearbeitet. Ebenso werden Volltexte und Regesten für die Zeit zwischen 1400 und 1600 neu bearbeitet. Diese Urkunden werden in einer Online-Datenbank bereitgestellt. Inkludiert sind hier auch Abbildungen der Originale. Insgesamt entsteht ein virtuelles Archiv der oberösterreichischen Stifte und Klöster im Kontext des „Corpus Austriae Superioris Diplomatum“. Die Daten werden zusätzlich in das virtuelle Archiv mitteleuropäischer Klöster und Bistümer (Monasterium.Net) integriert. Die Urkunden können dadurch in einem größeren Zusammenhang recherchiert werden. Jenen Dokumenten mit Oberösterreich-Bezug, die nicht in oberösterreichischen Archiven liegen, kann ebenso nachgeforscht werden. Das Baumgartenberger Archiv und der Mondseer Traditionskodex, die auf das Haus-, Hof- und Staatsarchiv sowie das Oberösterreichische Landesarchiv verteilt sind, werden dadurch beispielsweise virtuell zusammengeführt.

Neue Möglichkeiten und Perspektiven

Die im Zuge des Projektes entstandene Datenbank kann nach ihrer Fertigstellung in mannigfaltiger Art und Weise genutzt werden.

    1. Wissenschaft und Regionalforschung:
    die vernetzte Bereitstellung der Quellen eröffnet für verschiedenste Bereiche kulturwissenschaftlicher Disziplinen maßgebliche Erleichterungen und völlig neue Forschungsperspektiven.
    Die Datenbank ist im großen Bereich der inhaltlichen Recherche einsetzbar. Erstmals können diese Arbeiten mit Hilfe digitaler Unterstützung durchgeführt werden. Die vollständige Indizierung der oberösterreichischen Daten und ihre Vernetzung mit anderen Datenbanken (vgl. www.monasterium.net) ermöglichen erstmals komplexere, überregionale Rechercheabfragen auf Knopfdruck. Darüber hinaus wird es möglich, nach eigenen, frei gewählten Kriterien virtuelle Archive selbst zusammenzustellen bzw. auch zu rekonstruieren. So können zum Beispiel die weit verstreuten Urkunden mancher „kleinerer“ Adeliger jetzt zusammenhängend auch auf Schrift und äußere Form untersucht werden.

    Neben den erweiterten Möglichkeiten des Recherchierens gibt es eine breite Palette weiterer Nutzungsfelder. Zusätzlich zu bloßen Suchfunktionen steht eine Reihe von externen Hilfsmitteln zur Verfügung. Diese betreffen die historischen Hilfswissenschaften (Paläographie, Chronologie etc.), die Ortsnamen-Identifizierung (z.B. Orbis latinus) und diverse Wörterbücher ebenso, wie Links zu nützlichen Online-Nachschlagewerken bzw. Bibliothekskatalogen. Durch diese weiterführenden Möglichkeiten können die Suchergebnisse bis zu einem gewissen Grad selbst interpretiert werden.

    2. Unterricht:
    die Quellen in Text und Bild sind für den Unterricht - an Schulen/Universitäten oder in der Erwachsenenbildung - auch interdisziplinär einsetzbar. Schülerinnen und Schüler können das Lesen und Übersetzen lateinischer und mittelhochdeutscher Texte üben. Sie können aber auch am Schriftbild selbst die Schriftentwicklung nachvollziehen.

    3. Kultur und Tourismus:
    als Teil des allegemeinen kulturellen Erbes werden die Originalquellen zur Landesgeschichte auch in diesen Bereichen reges Interesse hervorrufen. Das Projekt trägt auf breiter Ebene zum erweiterten Bewusstsein für die Bedeutung dieses kulturellen Erbes bei.

Information:
Institut zur Erschließung und Erforschung kirchlicher Quellen
A-3100 St. Pölten, Domplatz 1
Tel.: +43 2742 324 321
Fax: +43 2742 324 325
Email: info@monasterium.net

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