MOnasteriuM - Virtuelles Archiv mitteleuropäischer Klöster und Bistümer Navigation Niederösterreich

Monasterium - Niederösterreich

Niederösterreich kann wohl wie kein anderes Land auch „Klösterreich“ genannt werden. Hier befinden sich inklusive Wien heute noch insgesamt elf große Stifte. Sie gehören zu den so genannten „Alten Orden“. Das sind u. a. Benediktiner, Zisterzienser, Augustiner-Chorherren und Prämonstratenser. Diese verwahren rund 11.000 Handschriften und knapp 20.000 Urkunden. Das ist ein Großteil der mittelalterlichen Überlieferung zur niederösterreichischen Landesgeschichte.

Die Erfassung der mittelalterlichen Urkunden der Stifte Niederösterreichs war der Ausgangspunkt des Monasterium-Projektes im Jahr 2002. Diese Arbeiten werden vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur, dem Land Niederösterreich, der Europäischen Union und den elf Stiften finanziert. Seither wird auf vier Ebenen an der digitalen Bereitstellung dieser bedeutenden Geschichtsquellen gearbeitet:
  1. Digitalisierung gedruckter Editionen und Regestenwerke (Retrokonversion) sowie Integration in die Monasteriumsdatenbank.
  2. Wissenschaftliche Neubearbeitung noch nicht gedruckter Bestände, wie z. B. Melk oder Zwettl.
  3. Semantische Erschließung aller Texte und Indizierung nach bestimmten vorgegebenen Regeln.
  4. Digitalisierung der Originale in den Archiven.
Durch eine Zusatzfinanzierung der Europäischen Union ist es seit März 2005 möglich, auch die Urkunden aus jenen aufgehobenen Klöstern zu bearbeiten, die im Haus-, Hof- und Staatsarchiv in Wien aufbewahrt werden. Große, wertvolle und zum Teil von der Forschung bisher nur wenig bis gar nicht berücksichtigte Bestände, wie jene der Kartausen Gaming oder Mauerbach, werden dadurch ebenfalls virtuell zugänglich.


Neue Möglichkeiten und Perspektiven.

Die im Zuge des Projektes entstandene Datenbank kann nach ihrer Fertigstellung in mannigfaltiger Art und Weise genutzt werden.
  1. Wissenschaft und Regionalforschung: die vernetzte Bereitstellung der Quellen eröffnet für verschiedenste Bereiche kulturwissenschaftlicher Disziplinen maßgebliche Erleichterungen und völlig neue Forschungsperspektiven.
    Die Datenbank ist im großen Bereich der inhaltlichen Recherche einsetzbar. Erstmals können diese Arbeiten mit Hilfe digitaler Unterstützung durchgeführt werden. Die vollständige Indizierung der niederösterreichischen Daten und ihre Vernetzung mit anderen Datenbanken (vgl. www.monasterium.net) ermöglichen erstmals komplexere, überregionale Rechercheabfragen auf Knopfdruck. Darüber hinaus wird es möglich, nach eigenen, frei gewählten Kriterien virtuelle Archive selbst zusammenzustellen bzw. auch zu rekonstruieren. So können zum Beispiel die weit verstreuten Urkunden mancher „kleinerer“ Adeliger jetzt zusammenhängend auch auf Schrift und äußere Form untersucht werden.
    Neben den erweiterten Möglichkeiten des Recherchierens gibt es eine breite Palette weiterer Nutzungsfelder. Zusätzlich zu bloßen Suchfunktionen steht eine Reihe von externen Hilfsmitteln zur Verfügung. Diese betreffen die historischen Hilfswissenschaften (Paläographie, Chronologie etc.), die Ortsnamen-Identifizierung (z.B. Orbis latinus) und diverse Wörterbücher ebenso, wie Links zu nützlichen Online-Nachschlagewerken bzw. Bibliothekskatalogen. Durch diese weiterführenden Möglichkeiten können die Suchergebnisse bis zu einem gewissen Grad selbst interpretiert werden.

  2. Unterricht: die Quellen in Text und Bild sind für den Unterricht - an Schulen/Universitäten oder in der Erwachsenenbildung - auch interdisziplinär einsetzbar. Schülerinnen und Schüler können das Lesen und Übersetzen lateinischer und mittelhochdeutscher Texte üben. Sie können aber auch am Schriftbild selbst die Schriftentwicklung nachvollziehen.
    Sowohl allgemeinbildende Schulen als auch Universitäten können das kostenfreie Angebot in Anspruch nehmen. Die Daten stehen all diesen Einrichtungen rund um die Uhr offen. Sie können unter anderem dazu beitragen, den landeskundlichen Wissensstand der Schülerinnen und Schüler zu festigen. Die Urkunden aus Niederösterreichs Klöstern haben eine große Bedeutung für die Geschichte des Landes und veranschaulichen das bis jetzt häufig nur theoretisch Gelernte sehr eindrucksvoll. In sprachlicher Hinsicht sind die Dokumente auch ein Zeugnis vor allem der lateinischen und der mittelhochdeutschen Sprache. Sie können daher im Latein- und Deutschunterricht verwendet werden. Außerdem sind die Urkunden Beispiele der Schriftentwicklung und der Kalligraphie. Aufwändige Initialen, Miniaturen oder Monogramme bieten sich auch im Unterrichtsfach Bildnerische Erziehung an.

  3. Kultur und Tourismus: als Teil des allgemeinen kulturellen Erbes werden die Originalquellen zur Landesgeschichte auch in diesen Bereichen reges Interesse hervorrufen. Das Projekt trägt auf breiter Ebene zum erweiterten Bewusstsein für die Bedeutung dieses kulturellen Erbes bei. Das Projekt wird vom Institut zur Erschließung und Erforschung kirchlicher Quellen (IEEkQ) durchgeführt.

Nähere Informationen:

Institut zur Erschließung und Erforschung kirchlicher Quellen (IEEkQ)
A-3100 St. Pölten, Domplatz 1
Tel.: +43 2742 324 321, Fax: +43 2742 324 325,
Email: info@monasterium.net
Web: www.monasterium.net